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Arc Raiders - Friendly, not friendly

So. Hier bin ich jetzt. Ganz alleine. Im Dunkeln. In einer Ecke zusammengekauert und wage kaum zu atmen. Wie konnte ich auch nur auf die hirnrissige Idee kommen alleine hierher zu gehen? Die Gier ist ein Hund. Ich hörte, dass es hier nachts Baupläne geben soll und dachte mir: "Wie schwer kann das schon sein?" Einmal schnell rein in die Zone, leise alles looten was nicht niet- und nagelfest ist und ebenso leise und unbemerkt mit vollem Rucksack wieder raus. Mit ein bisschen Glück ist auch ein guter Plan dabei, aber auf alle Fälle ein Haufen Zeug, das ich gewinnbringend verarbeiten oder verkaufen kann. Idiotensicher. Also die bestmögliche Ausrüstung zusammengekratzt, die ich mir zu dem Zeitpunkt leisten konnte und ab in den Pod. Was soll schon schiefgehen?

Spoiler....ALLES


Draußen finsterste Nacht. Blitze zucken vom Himmel und erhellen für einen Moment die Umgebung. Bäume, Platanen, Ruinen, die auf eine längst vergangene Zeit hinweisen. Als man hier oben noch leben konnte. Und überall die verfluchten Arcs, die es auf mich abgesehen haben. Ich arbeite mich leise, Zentimeter für Zentimeter, vorwärts. Immer das große Gebäude auf meiner Karte im Blick, hinter dessen Mauern ich mir den Jackpot erhoffe. Dabei gehe ich den verfluchten Maschinen so gut es geht aus dem Weg. Blos keine Aufmerksamkeit erregen ist die Devise. Langsam, vorsichtig, auf Zehenspitzen. Das Glück ist mir hold und ich erreiche wie durch ein Wunder ungesehen den Eingang. Einmal tief durchatmen, dann begebe ich mich hinein. Ein Klick und meine Taschenlampe leuchtet mir den Weg. Ich beweg mich die Treppen hinauf, meine Waffe im Anschlag. Und dann vor mir ein großer Raum. Im Licht meiner Lampe sehe ich Kästen, Schreibtische, unzählige Möglichkeiten für guten Loot. Wie ein Kind im Schlaraffenland stürze ich hinein. Stopfe meine Taschen voll. Achte nicht mehr auf meine Umgebung.

Plötzlich ein Huschen, eine Bewegung aus dem Augenwinkel. Ich schnelle panisch herum. Das war der Moment, als mich der erste Arc anspringt und sich an mein Genick hängt. Ich schüttle ihn panisch ab und reiße den Abzug meiner Waffe durch. Ohrenbetäubend laut in dem vorher noch so stillen Gebäude. So wurde in Sekunden aus einem leisen Raid ein höllisches Inferno. Immer mehr Arcs werden angelockt, attackieren mich oder explodieren in einem Feuerball. Ich schieße verzweifelt einen Arc nach dem anderen zu Klump, während ich versuche mich zurückzuziehen. Aber meine panische Flucht lockt nur noch mehr von den Dingern an.


Am Ende bin ich knapp mit dem Leben davongekommen, habe fast keine Munition mehr übrig und pfeife aus dem letzten Loch. Aber mein Rucksack ist randvoll mit wertvollem Loot. Ich muss jetzt nur noch hier raus, den rettenden Ausgang erreichen, und ich kann einen satten Gewinn einstreichen. Ein Blick auf die Karte. Der Ausgang ist nicht zu weit weg. Das sollte ich hinbekommen. Ich verlasse das Gebäude und sehe mich einem anderen Raider gegenüber. Ich hebe die Hand und schmettere ihm ein fröhliches: "Don't shoot!", entgegen. "Hello, I'm friendly!", gleich hinterher. Die Antwort ist eine Salve aus seinem Gewehr, die mich mitten in die Brust trifft und mein Schild in den roten Bereich springen lässt. "Fuuuuckkkkk!", ich fluche und renne in Panik im Zickzack davon. Wie durch ein Wunder entgehe ich den nächsten Schüssen. Möglichst schnell versuche ich den Sichtkontakt zu unterbrechen und rolle mich in ein Gebäude, das vor mir aufploppt.

Und so sind wir wieder am Anfang der Geschichte.

Alleine. Im Dunkeln. Mein Puls auf 180 und ich wage es nicht, mich zu bewegen. Draußen sucht der andere Raider nach mir und ich bin zu schwach, um ihm auch nur irgendetwas entgegen zu setzen. Zeit, meine Entscheidung hierher zu kommen, eindeutig zu hinterfragen. Ein Blick auf die Karte und ich sehe den Ausgang. Nicht weit entfernt. Aber es könnten auch Kilometer sein. Meine Chancen ihn zu erreichen sind gleich null. Und selbst wenn. Spätestens wenn ich den Aufzug rufe, weiß der Raider wo ich bin. Aber was solls? Hilft ja nichts. Langsam schleiche ich nach draußen und sehe mich vorsichtig um. Nichts zu sehen. Kurz habe ich Hoffnung, dass ich doch noch hier rauskomme. Ich beginne dem Ausgang entgegenzulaufen. Da höre ich die Schritte hinter mir. Schüsse. Zu früh gefreut. Ich sprinte weiter und bereite mich auf meinen Tod vor.

Aus heiterem Himmel höre ich ein: "To your left buddy, get in here!", in meinem Funk. Ich sehe mich um links ist ein Eingang zu einem weiteren Gebäude. Mir bleibt keine andere Wahl. Sterben werde ich sowieso. Also was solls? Ich sprinte auf das Gebäude zu, werde dabei in den Rücken geschossen. Meine Energie geht gegen null, aber mit letzter Kraft rolle ich mich durch den Eingang und hinter ein paar Kisten. "Stand still buddy!" Wieder sehe ich mich einem anderen Raider gegenüber, nur dass mich dieser erstmal verarztet. "You're safe now!". Von draußen nähern sich Schritte, und dann das Licht der Taschenlampe, das durch den Eingang leuchtet. Mein Aggressor kommt um den Job zu Ende zu bringen. Mein neuer Freund lugt hinter den Kisten hervor und zielt nach draußen. Hat die ganze Zeit beobachtet, was außerhalb vor sich ging und mir einfach so das Leben gerettet. Ein ohrenbetäubendes Knallen, als mein Retter eine Salve in Richtung des Angreifers jagt. Und das Unglaubliche geschieht. Er zieht sich tatsächlich zurück. Seine Schritte verhallen in der Nacht. Alleine wollte er sich dann doch nicht mit zwei Raidern anlegen. "Thank you man, you safed my live.", danke ich meinem neuen Kumpel. "All good, fucking rats!", kommt es trocken zurück. "Come on Buddy, lets extract together. Lets get our loot outa here.".

Zusammen ziehen wir ohne weitere Zwischenfälle zum Ausgang. Ich drücke den Knopf, um den Aufzug zu rufen. Die letzten bangen Minuten, als wir in Deckung sitzend auf den Aufzug warten. Dann endlich, die Luken gehen auf. Ich sprinte los, erleichtert, geradezu euphorisch. An die Konsole, um die Extraktion zu starten, mein neuer Freund dicht hinter mir. Ich will gerade den Knopf drücken aber......Woher kommen die Schüsse? Warum ist meine Energie plötzlich auf Null? Und warum liege ich jetzt am Boden?

"Sorry Buddy."


Mein ganzer Loot. Meine Ausrüstung alles weg... Das letzte was ich sehe ist das Gesicht meines vermeintlichen Freundes über mir. Und die Axt, die auf mein Gesicht zuschießt, um es in zwei Teile zu spalten. Danach nur mehr Schwärze und ein letzter Gedanke...

Vertraue Niemandem!

Was ich hier gerade beschrieben habe ist nur eines von vielen zufälligen Erlebnissen in Arc Raiders. Ich hab von unglaublicher Hilfsbereitschaft über absolute Niedertracht so einiges erleben dürfen. Dieses Spiel schreibt ganz von selbst Geschichten, die man so schnell nicht vergisst.


Aber von Anfang an. Was ist Arc Raiders?


Falls ihr die letzte Zeit hinterm Mond gelebt oder von Games keine Ahnung habt (wobei ich Letzteres nicht annehme, sonst wärt ihr ja nicht hier gelandet) hier eine kurze Erklärung.

Die Hintergrundgeschichte ist schnell gesagt. Die Erde wurde von Maschinenwesen, den Arc, vernichtet und übernommen. Die Menschheit lebt jetzt in einer letzten Basis und die Raider (das seid ihr) wagen sich jetzt immer wieder auf die Erde, um wertvolle Ressourcen einzusammeln, daraus bessere Ausrüstung für Raids herzustellen oder einfach Geld zu machen. Rechnet nicht damit, dass ihr das hier für die Story spielen werdet. Ist zwar vorhanden, aber nicht wirklich relevant.

Arc Raiders ist ein Extraction PvPvE Shooter. Extraction bedeutet nichts anderes, als das ihr eine Map betretet, euch die Taschen mit möglichst wertvollem Loot vollstopft und dann versucht mit vollem Rucksack lebend die sichere Basis zu erreichen. PvPvE ist die Abkürzung für Player vs Player vs Enviroment. Vereinfacht gesagt kämpft ihr nicht nur gegen Computergegner, sondern trefft bei jedem Raid auch auf menschliche Spieler, die genau das gleiche wollen wie ihr. Nämlich mit möglichst viel Loot die Map verlassen. Ob ihr andere Spieler bekämpft oder nicht, steht euch allerdings frei. Also ist von friedlicher Koexistenz und sogar spontaner Zusammenarbeit, über blutiges Gemetzel bis hin zu niederschmetterndem Verrat alles möglich. Denn wo viele Spieler und wertvolle Beute aufeinandertreffen…Wenn ich euch jetzt noch sage, dass ihr bei einem Tod eure gesamte Ausrüstung und euren Loot verliert. Also dauerhaft und der Arsch, der euch getötet hat, euch bis auf die Unterhose plündern kann....Ihr versteht, oder?


Was ich an Arc Raiders liebe

Es ist das perfekte Feierabendgame. Gibt nichts Schöneres als mit Freunden im Chat ein bisschen zu labern und nebenbei ein paar Arcs platt zu machen und Loot zu sammeln. Noch schöner ist dann auch das kollektive Geschrei und die Panik, wenn mal wieder was so richtig schief geht.

Ich liebe das Gunplay. Es fühlt sich einfach gut an. Hinter den Schüssen ist ordentlich Wucht und die Waffen fühlen sich angenehm mächtig an. Das Zielen geht gut von der Hand und auch das Movement generell funktioniert einwandfrei. Und so einen dicken Arc vom Himmel zu holen wird einfach nie langweilig.

Auch Solo ist es immer wieder gut, um eine Runde entspannt zu farmen. Oder auch weniger entspannt, wie man oben lesen kann. Aber haltet euch einfach an die einfacheren Maps und ihr solltet gut klarkommen. Welche Bereiche man alleine besser meidet lernt man eigentlich relativ schnell.

Und das Spiel hat einen Hahn! Scrappy! Viel mehr Spiele brauchen Hähne und Ziegen und…ähh lassen wir das.


Was ich an Arc Raiders hasse

Eure Heimatbasis "Esperanza" ist eigentlich nur ein schickeres Menü, in dem ihr Zeug verkauft oder Waffen und andere Gegenstände herstellt. Die Ressourcen für eure Ausrüstung farmt ihr, ihr habt’s erraten, auf der Erde. So weit so gut. Allerdings sind die Menüs sowas von unübersichtlich, dass etwas herzustellen sich als unnötig kompliziert herausstellt.

Komfortfunktionen wie zum Beispiel das automatische Herstellen von Waffen auf Knopfdruck, wobei Gegenstände in eurem Lager automatisch in passende Ressourcen zerlegt werden, fehlen völlig.

Euch fehlen Ressourcen für den Bau der neuen Waffe? Viel Spaß euer Lager zu durchsuchen und mühsam Gegenstände in benötigte Ressourcen zu zerlegen. Das euer Lager sehr schnell sehr voll wird und die Übersicht komplett flöten geht macht es nicht besser.

Und wartet nur, wenn ihr schnell verkaufen wollt, um Platz im Lager zu schaffen und dabei nicht aufpasst, was ihr verkauft... Meine Oliven, meine mühsam gesammelten Oliven... ich könnte... na gut ich hör schon auf.


Kurzes Fazit

Alles in Allem ist Arc Raiders der perfekte Einstieg in die Welt der Extraction-Shooter und auch wenn ihr Veteran seid könnt ihr hiermit ne Menge Spaß haben.

Gutes Spiel zu einem fairen Preis, das mit Freunden noch ein Eckhaus besser wird. Egal ob ihr Anfänger seid und damit liebäugelt in das Genre reinzuschnuppern oder schon euren Fair Share an Extraction Shootern gespielt habt und Bock auf nen neuen habt… Kaufen!

 

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