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ECHOES OF THE END – EINE ÜBERSEHENE PERLE

Wie wurde ich auf das Spiel aufmerksam?


Ich scrollte gelangweilt durch die News als mir die kleine Nachricht in den Feed gespült wurde. Echoes of the End ist jetzt in der Enhanced Edition bei Playstation Plus verfügbar. Erstmal ein großes Fragezeichen, denn ich hatte noch nie von dem Titel gehört. Die Bilder sahen schon mal bildhübsch aus, fast zu gut für ein Indiespiel, das von einem kleinen 40 Mann starken Studio entwickelt wurde. Und Spoiler - da habe ich schon hässlichere Triple AAA Produktionen gesehen, aber dazu später mehr.



Als ich dann noch las, dass wir hier ein klassisches Action-Adventure / RPG haben in der Art von Uncharted, God of War oder Castlevania - Lords of Shadows, war ich deutlich angefixt. Ich liebe solche Spiele und es gibt meiner Meinung nach viel zu wenig davon.

Also klassische Action Adventures mit fixen Leveln ohne großartigen Open World Schnickschnack.

Die sich darauf konzentrieren eine gute Geschichte zu erzählen, und nur ein paar Abzweigungen nebenbei haben, um optionale Sachen einzusammeln.

Ich fing schon fast zu sabbern an, aber noch meldete sich der natürliche Skeptiker in mir zu Wort. Wie gut kann das schon sein? Ein Debüt eines Indie Studios, das komplett unter dem Radar flog, und keine große Aufmerksamkeit bekam. Wird schon ganz ok sein, aber erwarte dir mal lieber nicht zu viel.


Naja war ja gratis - also in der Bibliothek geöffnet und unvoreingenommen ins Spiel gestartet. Hat es meine Erwartungen erfüllt? War es die Neuerfindung des Rades? Hat es mich in Ehrfurcht erstarren lassen, und mein komplettes Weltbild ins Wanken gebracht? Gut, zumindest das letzte war eindeutig übertrieben, aber für mein ehrliches Fazit müsst ihr noch etwas warten. Denn erstmal:



Story, Gameplay und andere Unwichtigkeiten


Echoes of the End ist das Debüt des isländischen Studios Myrkur Games.

Das Spiel spielt in der von Island inspirierten Fantasy Welt Aema und dreht sich um die Kriegerin Ryn, die sich aufmacht um ihren entführten Bruder aus den Klauen eines bösen Imperiums zu retten den Daelsmännern.

Ryn selber ist ein Vestigium und damit in der Lage Magie zu wirken - wird aber im Zuge dessen auch als Ausgestoßene behandelt. Magie wird in Aema durch sogenannte Wächter symbolisiert, riesige Steinformationen die das Land bewachen und schützen.

Unterstützung bei ihrer Mission erhält sie durch den Gelehrten Abram, der mit ihrem verstorbenen Vater in Verbindung stand.

Auf ihrem Weg ihren Bruder zu befreien, wird Ryn einer gewaltigen Bedrohung auf die Spur kommen, die ihre Welt für immer zerstören könnte, und lernen müssen über sich selber hinauszuwachsen, um ihren Bruder und Aema zu retten.




Mehr sei an dieser Stelle auch nicht zur Story verraten, aber es ist kompetent geschriebene spaßige Fantasy, die einen gut genug bei der Stange hält, damit man dann auch wissen will wie die Geschichte endet. Auch die Charaktere sind für ein Debüt gut ausgearbeitet und es macht Spaß Ryn bei ihrer Reise zu folgen. Über Abram fliest dann auch noch etwas auflockernder Humor mit ein. Alles in Allem eine gute Mischung und da habe ich schon deutlich schlechteres gesehen. Daumen hoch dafür.



Aber ein Spiel lebt nun mal nicht alleine von der Geschichte sondern auch von seiner Grafik und dem Gameplay. Zum Gameplay kommen wir gleich, aber erstmal:


Verdammt ist das Spiel hübsch. Immer wieder bin ich stehen geblieben und habe die Panoramen bestaunt die sich vor mir auftaten, Riesige Fjorde, heiße Vulkane, Gletscherlandschaften, hübsche Wiesen und Auen. Das ein kleines Team bei seinem Debüt so etwas auf die Beine stellt, ist in der Tat beeindruckend.

Klar inspiriert von den isländischen Landschaften, erwartet einen hier ein richtiges Kleinod. Natürlich hat es seine Ecken und Kanten. Natürlich ist es nicht so poliert wie die großen AAA Games. Aber für ein 40 köpfiges Team, das hier seinen Einstand gab, ist das mehr als beeindruckend und richtig gut geworden. Da habe ich mehr als einmal anerkennend genickt. Das Spiel bietet definitiv was fürs Auge, und ist hübscher als ich erwartet habe.


Aber all das hilft ja nichts, wenn das Gameplay nicht passt. Da kann ich aber gleich zu beginn Entwarnung geben. Das Gameplay macht Spaß und ist gut umgesetzt. Man sollte sich hier natürlich keine Perfektion erwarten - wie gesagt ist immer noch ein Indie Game - aber es ist sehr sehr spaßig.



Wir haben es hier mit einem ähnlichen Konzept wie in Uncharted und God of War zu tun. Also eine Kampfarena wechselt sich mit Rätsel und Jump and Run Passagen ab, während man der Geschichte folgt.

Das Kampfsystem ist eine Mischung aus Schwertkampf und Magie. Man hat leichte und schwere Hiebe, kann parieren, blocken, es gibt durch ein rotes leuchten angezeigte Angriffe, denen man tunlichst ausweichen sollte, soweit so bekannt. Gleichzeitig gibt es noch eine Art Magie und eine magische Ausdauer Leiste. Damit kann man dann die wirklichen witzigen Sachen machen. Wie Gegnern Lebensenergie entziehen, ihnen Steine und anderes Zeug auf den Kopf knallen oder auch die Gegner selber herumschleudern als wären es hilflose Marionetten. Wenn man mal einen Fußsoldat in einen fetten Schildträger geschleudert hat und die beiden durcheinander stolpern, hat man definitiv Blut geleckt und will mehr. Force Push in Star Wars - The Force Unleashed lässt grüßen.

Dazu fühlen sich die Schwerthiebe ordentlich wuchtig an und den letzten Gegner mit einem netten Finisher zu zerlegen, wobei da auch gerne mal Köpfe rollen, wird nie alt.



Summa Summarum haben wir hier ein sehr spaßiges Kampfsystem das auf eine Mischung aus Schwertkampf und Magie setzt und wirklich Laune macht. Dazu kommt ein Upgrade System. Man verdient sich Erfahrungspunkte und mit jedem Levelaufstieg dann Skillpunkte. Die kann man dann in diverse Fertigkeitsbäume setzen und so neue Schwertkampf, oder Magiefähigkeiten lernen.

Und gerade der Magiebaum hat es mir angetan, denn da ist einiges an nettem Schabernack dabei, mit dem man die Gegner ordentlich aufmischen kann. Über die Zeit und mit steigendem Level ist dann auch definitiv eine gewisse Machteskalation spürbar. Ich hatte mit dem Kampfsystem viel Freude.



Die Bosskämpfe gegen stellenweise ordentlich große, auch mythologische, Gegner setzen dann nochmal das eine oder andere Highlight, auch wenn man einige von ihnen ab dem normalen Schwierigkeitsgrad definitiv nicht unterschätzen sollte.


Als zweites Standbein sammelt man dann noch eine Währung, mit der man neue Outfits für Ryn kaufen und freischalten kann. Hier gibt es allerdings auch einen netten Twist da an die diversen Outfits Artefakte gebunden sind, die man mit dem Outfitkauf freischaltet. Diese haben dann diverse passive Eigenschaften mit denen man Ryn zusätzlich verbessern kann. Immer 2 dieser Artefakte kann man gleichzeitig ausrüsten und man kann hier sicher experimentieren. Aber ich blieb dann irgendwann bei meinen 2 Lieblingsartefakten.


Und dann sind da noch die versteckten Truhen in denen ihr nicht nur Währung, sondern auch neue Outfits, und auch Steine die eure Magie und Gesundheitsleiste vergrößern, finden könnt.

Insofern hat man genug Motivation auch abseits des Hauptweges mal ein bisschen zu stöbern und Sachen mitzunehmen. Manche Truhen sind leicht zu entdecken aber manche erfordern dann doch etwas mehr Sucharbeit oder sind hinter kniffligen Passagen verborgen.


Womit ich zum zweiten großen Gameplayloop des Spiels komme: Den Rätsel und Jump and Run Passagen.

Einen guten Teil des Spiels werdet ihr damit verbringen zu klettern, über Abgründe und Plattformen zu springen, und Rätsel zu lösen. Diese Rätsel sind manchmal recht offensichtlich, aber manchmal auch erstaunlich knifflig zu bewältigen. Was auch mit euren sich ständig erweiterten Möglichkeiten zu tun hat. Während ihr anfangs noch mit einfachem Kistenverschieben und Schalter betätigen weiterkommt, kommen später Spielereien wie Zeitmanipulation und andere Kleinigkeiten dazu, die den Anspruch deutlich in die Höhe schrauben. Solltet ihr aber wirklich mal nicht weiterkommen, könnt ihr euch von Abram Tipps geben lassen, die euch in mehreren Abstufungen auf die Lösung stoßen sollten.


Auch die Jump and Run Passagen steigern sich im Spielverlauf immer mehr. Anfangs noch recht simpel, werden diese dann deutlich komplexer. Vor allem ist Myrkur Games hier ein echt super Pacing gelungen. Sobald ihr anfangt euch ein wenig zu langweilen, kommt eine neue Fähigkeit, wie ein Double Jump oder Dash, dazu und ihr werdet ein wenig mehr gefordert. Das hält das ganze frisch und sorgte dafür, dass ich Ryn gerne bis zum emotionalen Finale begleitet hatte, das mich dann rundum zufrieden zurückließ.


FAZIT



Wie konnte das nur spurlos an mir vorbeigehen? Echos of the End ist ein Kleinod das viel mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Natürlich ist es ein Indie Game, aber man merkt durchwegs die gewaltigen Ambitionen, welche die Entwickler hatten und manchmal fühlt es sich gar nicht so sehr nach Indie an. Es hat seine Ecken und Kanten, ist nicht perfekt, hat zum Beispiel ein paar Spitzen im Schwierigkeitsgrad und manche Rätsel und Sprungpassagen ließen mich ordentlich fluchen (dennoch nichts, was ich nicht mit einigen Versuchen lösen konnte) aber dennoch ist das für ein Debüt mehr als beeindruckend. Zu Beginn dürfte es ein paar Performanceprobleme gegeben haben, was auch dem geschuldet ist das die Entwickler hier wirklich viel, vielleicht zu viel, zeigen wollten. Aber in der Enhanced Edition ist mir das auf der PS5 nicht mehr groß aufgefallen. Das Spiel lief in der verbesserten Version durchwegs flüssig und bugfrei.

Ist es ein perfektes Spiel? Natürlich nicht, man merkt ihm schon immer wieder seine Indie Herkunft an. Aber als Fingerzeig und Debut eines kleinen isländischen Studios könnte es nicht besser sein. Es ist beeindruckend, was Myrkur Games hier geschaffen hat und ich hoffe, dass noch viel mehr Leute auf dieses Spiel aufmerksam werden.

Und sei es nur damit der Entwickler weitermacht und ein weiteres Spiel entwickelt.

Ich würde zu gerne sehen was hier mit steigender Erfahrung möglich wäre und hoffe das es nicht bei dem einen Spiel bleibt.

Verdient hätten Sie es alle mal.

Wenn ihr auch nur Ansatzweise mit dem Genre was anfangen könnt, dann spielt das!



Info Karsten


Plattform: PC, PlayStation, Xbox Series S|X


Durchgespielt: Ja


Spielzeit: ca. 15h


Preis: 39.99€


Entwickler: Myrkur Games



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