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Disney Illusion Island

  • Autorenbild: Mikel
    Mikel
  • 11. März
  • 5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 24. Apr.

Disney Illusion Island hab ich schnell bei Switch Online als Probeversion durchgespielt. Deshalb habe ich nicht alles bis zum letzten Fitzelchen durchforstet wie sonst. Ich habe aber die Hauptquest abgeschlossen und in die anderen Aktivitäten zumindest mal reingeschaut.


Erwachsene Mitspieler bitte nur als Begleiter


Das Allerwichtigste, was man zu diesem Spiel wissen muss ist, dass es als absolutes Einsteigerspiel für Kinder konzipiert ist. Ich glaube, die intendierte Spielart wäre als Erwachsener begleitend mit einem jungen Kind zu spielen. Das merkt man schon daran, dass es ungewöhnlicherweise für ein Metroidvania, einen Mehrspielermodus gibt. Das Genre hat sich ja schon immer mehr in Richtung intensive Einzelspielererlebnisse tendiert. Hier ist es eher wie bei modernen Jump’n’Runs. Jeder wähllt eine Spielfigur und alle sind gleichzeitig auf dem Bildschirm unterwegs. Jede der Spielfiguren unterscheidet sich auch nur visuell. Mit mehreren Spielern gibt es auch spezielle Mechaniken, um sich gegenseitig zu unterstützen. Je nachdem, wie man drauf ist, kann man dann zu Beginn eine Anzahl an Basistrefferpunkten zwischen 1 und 3 auswählen. Für Einsteiger gibt es noch eine Einstellung, in der man sich mit unendlich vielen Trefferpunkten durch die Welt bewegt.


Eben diese Spielwelt richtet sich auch an jüngere Kinder. Der Großteil der verschiedenen Biome ist in freundlichen Pastelltönen gehalten und es gibt wirklich kein einziges Element, dass ich persönlich als unheimlich selbst für Kleinkinder halten würde. Trotzdem fand ich, dass für diese Altersgruppe (aber auch für mich) oft zu viel auf de Bildschirm los war. Dabei meine ich nicht einmal spielmechanisch wichtige Sachen. Gefühlt gibt es keine einzige rechtwinklige Oberfläche. Im Hintergrund sind meist ein oder sogar zwei Ebenen als Kulissen zu sehen und im Vordergrund sind irgendwelche Details wie schlafende Tiere zu sehen. Zwar sind die spielmechanisch relevanten Elemente klar gekennzeichnet und auch immer identisch, aber da immer so viel auf dem Bildschirm los ist, kann es trotzdem unübersichtlich werden. Im letzten Drittel müssen einige Manöver in schneller Reihenfolge absolviert werden. Und es gibt dann auch einige Abschnitte mit Zeitdruck. Für jemanden mit Übung und Erfahrung ist es aber nicht zu wild.


Übersprunghandlungen am laufenden Band


Vom reinen Schwierigkeitsgrad würde ich sagen, dass es gerade gegen Ende schwerer als ein Kirby-Spiel, aber leichter als die letzten Level in einem Super Mario wie zum Beispiel Wonder sind. Einige der Collectibles hinter optionalen Passagen sind auch etwas schwerer zu erreichen, aber auch das ist nicht annähernd so hart wie Super Mario Wonder oder gar Donkey Kong Country Returns HD. Die gute Kameraführung hilft dabei sehr. Jede Sprungpassage wird durch herein- oder herauszoomen übersichtlich präsentiert. Ich hatte keine einzige Stelle, egal ob Handheld- oder Dockmodus, wo die Spielfigur zum Beispiel zu klein war oder die Sprünge auf gut Glück, weil die Kamera zu nah dran war. Und selbst wenn man mal alle Lebenspunkte verliert, sind die Checkpoints so nah gesetzt, dass man kaum Fortschritt verliert. Im Laufe des Spiels ist es auch möglich mehr Trefferpunkte zu bekommen. Zwar ist Illusion Island kein schweres Spiel, aber bei Heilung doch recht knausrig. Deshalb sind mehr Trefferpunkte immer ganz gut. Einzig die Bosse sind etwas schwerer, aber man wird bei jeder Phase mit vollen Trefferpunkten wiederbelebt. So wird auch das zu einfach. Was ich persönlich sehr gut finde ist, dass man Gegner auf keiner Weise angreifen kann. Selbst auf den Kopf kann man ihnen nicht springen. Für die Zielgruppe ist dieser bewusste Gewaltverzicht eine wirklich gute Sache.


Spielverlauf, ohne sich zu verlaufen


Was sich andere Metroidvanias abschauen können ist die Karte. Sie funktioniert ähnlich wie die neuen God of Wars. Was heißt, dass die Gebiete in kleinere Teile zerlegt sind und bei jedem Gebiet einzeln die mögliche Anzahl und der gesamte Sammelgrad steht. Die Collectibles selbst sind ganz nett, wie zum Beispiel kleine Charakterbögen zu den Figuren oder Kostüme und Gegenstände aus alten Disneyfilmen. Was die Karte besser macht ist jedoch nicht diese Tatsache, sondern dass ganz klar gekennzeichnet ist, an welcher Stelle man welche Fähigkeit einsetzen kann, um neue Stellen zu erreichen. Diese flexibel einsetzbaren Fähigkeiten sind auch der einzige Grund, warum es sich überhaupt um ein Metroidvania handelt. Vom reinen Spielverlauf wird man nämlich sehr gut von einem Ort zum nächsten geleitet, ohne unnötig Backtracking zu betreiben. Was auch gut ist, da man die Schnellreise erst recht spät im Spiel freischaltet. Schnellreiseziele sind dann aber jeder freigeschaltete Checkpoint, sodass man eigentlich alles immer in der Nähe hat.


Die neuen Fähigkeiten bekommt man häppchenweise, sodass man nicht überfordert wird. Kindgerecht wird man auch langsam und gefahrlos an die Benutzung dieser herangeführt. Einige Bildschirme weiter muss man sie dann unter normalen Bedingungen benutzen. Die Fähigkeiten unterscheiden sich für die vier Spielfiguren nur kosmetisch. Finde ich eine gute Entscheidung, da so zum Beispiel nerviger Figurenwechsel während der Erkundung ausbleibt.


Diese Geschichte macht Kinder froh und Erwachsene ebenso


Die Figuren selbst sind auch gut in die kindgerechte Story eingebunden. Mickey, Minnie, Donald und Goofy werden unter falschen Voraussetzungen auf eine Insel gelockt. Die Einheimischen bitten sie dann, drei Gegenstände zu sammeln. Im Laufe dessen gibt es immer mal wieder Andeutungen, dass die vier belogen worden sind. Im letzten Akt stellt sich heraus, dass der Anführer der Einheimischen eigentlich der Bösewicht ist. Dies führt zu einer moralischen Ansprache, die zwar blatant vorgetragen wird, aber bei der intendierten Zielgruppe sonst nicht ankommen würde. Jeder sollte versuchen, seine Fehler wieder gut zu machen. Ich habe jetzt schon lange keine neueren Disneysachen auf Deutsch gesehen, gehe aber davon aus, dass die vier Hauptcharaktere von ihren offiziellen Synchronsprechern gesprochen werden. Obwohl sich die Geschichte und Präsentation an junge Kinder richten gibt es auch genug Elemente für offene Erwachsene. Die Slapstickgags sind amüsant und die totale Übertreibung in den Reaktionen fand ich oft genug zum Schmunzeln. Donald Duck als sarkastischer Pechvogel war, wie immer in diesem Ensemble, für mich die unterhaltsamste Figur.


Nachzügler angeschaut


Den nachgepatchten Inhalt konnte ich nicht zur Gänze erforschen. Für einen Krokodildektiv muss man einige Hintergrundgegenstände finden. Durch das oben schon genannte Gewusel ist das nicht immer so einfach. Es gibt auch Wettrennen gegen die Uhr durch abgesteckte Abschnitte der Karte. Das habe ich jedoch gar nicht ausprobiert. Und dann wäre da noch der große Zusatzinhalt, C.A.S.H. Dort wird die Truppe von Dagobert Duck darum gebeten, einen Schatz auszugraben. Dafür muss man mit einem Timer immer tiefer hinab. Während der Grabung verdient man Münzen, mit denen sich zum Beispiel der Timer verlängern oder die Schaufel verbessern lässt. Die Räume sind dabei immer ein wenig randomisiert, aber es ist weit entfernt von einem echten Roguelike. Alle Zusatzinhalte sind organisch ins Spiel eingebunden, sodass sie im Laufe eines Durchlaufs einfach angegangen werden können. Sie sind auch bitter nötig, denn das Spiel wäre sonst etwas zu inhaltsleer.


Zeugnisvergabe


Wenn ich mit meinen Kindern das erste Mal etwas spielen würde, wäre Disney Illusion Island da neben Kirby und das vergessene Land und Super Mario Wonder in der engeren Auswahl. Es ist von vorne bis hinten auf ein jüngeres Publikum ausgerichtet. Gleichzeitig gibt es als begleitender Erwachsener genug aktive Hilfsmöglichkeiten. Für mich alleine würde ich es aber nicht unbedingt kaufen. Dafür ist alles dann ein bisschen zu simpel und kindlich. Mit jungen Kindern sind es gut angelegte 20€, ohne sollte man ehrlich gesagt nicht mehr als 10€ ausgeben.


Plattform: Switch


Komplettiert: Nein


Spielzeit: Circa 10 Stunden


Schwierigkeitsgrad: Zwei Herzen


Sprache: Deutsch (Sprachausgabe und Text)

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