Arc Raiders - Wo kam das denn bitte her?!?
- Glayd

- 3. März
- 9 Min. Lesezeit
Ich liebe neue Spielerfahrungen. Arc Raiders hatte ich nur am Rande auf dem Schirm. Aber zum Launch ist man dem Hype ja kaum entkommen. Also warum nicht mal reinspielen. Und da wir uns ja gerade erst frisch für Multiplayer-Games aus der Eurogamer-Kommentarspalte organisiert haben, war das nach Battlefield 6 gleich das nächste Game, bei dem einige dabei waren.

Daher habe ich erst mal nix erwartet. War dann aber umso mehr lost, was das Spiel eigentlich sein soll. Erst mal auf alles schießen was sich bewegt. Egal ob Arc oder feindliche Raider.
Und bevor ich hier meinen Wall-of-Text runtermauer. Arc Raiders ist gut. Sehr gut. Wenn nicht eine der besten Solo- sowie Multiplayer-Erfahrung, die ich in langer Zeit gemacht habe.
Bei Arc Raiders ist erst mal alles anders, was ich sonst so kannte. Fortnite, Battlefield, PUBG, Overwatch, Destiny, Division,… Um nur die üblichen Verdächtigen aus dem Shooterbereich zu nennen.
Ich mein klar. Istn PvEvP. Aber diese Eingruppierung sagt erst mal wenig aus. Außer dass man weiß, dass man auf Spieler und Computergegner schießen kann… und die auf einen. Da gibt es ja doch viele mögliche Grautöne.
Hatte erst überlegt ob ich das Spiel zeitlich beschreiben soll. Also Early Game, Mid-Game und End-Game. Einfach da sich das Spiel so schön unterschiedlich in diesen Phasen anfühlt. Aber als ich über die Struktur nachgedacht habe, ist mir ein Punkt herausgestochen, der dieses Spiel so einzigartig und besonders toll macht.
Es gehört nämlich klar in diese eine spezielle Kategorie:
„Dieses Spiel welches viele Spiele ist und eventuell nennt ihr das nur unterschiedliches Gameplay. Ich aber nicht. So.“
Klingt natürlich auf den ersten Blick dämlich. But hear me out…
Spielstruktur
Zuerst mal für die die unter nem Stein gelebt haben hier mal der grobe Ablauf des Spiels. Alle anderen können den Abschnitt entspannnt überspringen. Die Menschheit lebt unteriirdisch. Oben sind Roboter und bringen alles um was nen Puls hat. Aber da liegt auch Zeug was man braucht und die anderen die da unterirdisch leben. Also darf man sich auf mehreren Karten mit zig unterschiedlichen Loot den Rucksack füllen. Da passt nicht viel rein und es gibt viel zu viel da oben. Plastikteile, Stofffetzen, Kabel,…. Diese Spirale die permanent anzieht, bis man wertvolleres Loot findet, ist die systemische Karotte. Man braucht Zeug. Man sucht Zeug. Man verkauft Zeug. Und am Anfang ist selbst so ein Rucksack voller vermeintlichen Müll eigentlich immer wertvoll genug, damit man davon was hat. Lager erweitern. Waffen und Ausrüstungen bei den paar Händler im Untergrund kaufen. Kein Run fühlt sich umsonst an.

Und da man auf den Maps mit bis zu 20 weiteren Spielern ist, kommt da dann schon Spannung auf. Nun kommt aber schon die erste Besonderheit. Arc Raiders ist so designt, dass ihr auf andere Raider treffen könnt. Aber die Karten sind so groß, dass man Raidern auch super ausweichen kann. Ihr hört Schüsse aus einer Richtung. Einfach in eine andere Richtung gehen. Die Karte ist groß genug. Ihr werdet angeschossen. Die Time-to-Kill ist groß genug, dass man selten sofort stirbt und man sich noch retten und verstecken kann…. Oder halt erfolgreich wegrennt. Oder… Ihr schießt halt nicht auf alle Raider. Hat sich ja ziemlich etabliert. Ihr lootet, trefft andere Raider und macht gemeinsame Sache oder jeder lootet halt vor sich hin und später sieht man sich beim Extraction Point wieder.
Und von der Lootspirale mal abgesehen, ist das auch schon der Einstieg in die doch sehr besonderen Systeme des Spiels.
Also was meine ich mit, dass Spiel ist mehrere Spiele in einem?
Diese Maps und das Gameplay und die Struktur der Sessions und die Rankings erlauben gemeinsam eine gleichzeitige Kombination an Spielen.
Und ja… Man könnte auch sagen, dass es nur verschiedene Spielstile sind. Aber ich habe gerade Bock zu übertreiben. Merkt man vielleicht.
Fangen wir mal an.
Der cozy Loot-Shooter
Solo hoch zur Oberfläche. Trifft man andere Raider, grüßt man freundlich, nuschelt ein „Friendly. Friendly.“ ins Mikrofon und entweder läuft man weiter oder knallt eventuell gemeinsam ein paar Arcs ab. Fühlt sich alles recht cozy hierbei an. Aber eine gewisse Restspannung bleibt immer. Denn 9/10 Raidern sind nett. Aber ein Raider oder eine Raiderin knallt einen dann irgendwann kaltblütig ab. Natürlich nach einem „Don’t shoot.“. Cozy Paranoia macht sich breit. Aber spätestens nachdem nächsten freundlichen Raider zerstäubt sich die Paranoia…. Etwas. Ein bisschen Paranoia bleibt immer in dir. Ganz tief drin.
Man muss ja nicht mal groß auf Arc-Jagd gehen. Klar. Die Gebiete mit dem besten Loot werden gut bewacht. Aber es gibt auch genug anderes. Und da die Maps auch verdammt hübsch sind, sich die Bedingungen ändern, kann man schon viele Stunden einfach nur alleine unterwegs sein und so peu a peu seine Basis ausbauen. Ich habe das eine lange Zeit gemacht. Ich würde behaupten, dass ich ca. 80% der Zeit alleine über die Map laufe und meine Taschen voll mache. Und 20% gibt es dann Feindkontakt, dem ich entweder ausgewichen bin oder mich gestellt hatte. Dadurch wurde es aber auch das perfekte Feierabendspiel.
Das Stealthgame
Ich renne eigentlich eher head-first in Konfrontationen. Also wenn ich Konfrontation will. Aber mir ist im MP aufgefallen, dass einige das ganz anders Spielen. Schießereien? Ausweichen. Waffen? Eher was für die Distanz. Deckung? Bitte jede nehmen und geduckt und langsam vorwärts gehen. Also nicht so bissi vorsichtig. Sondern dauernd.
Und wenn man das Spiel spielt, dann verändert sich das Spielprinzip total. Waffenloadout auf Distanz priorisieren. Rauchgranaten, Störsender oder -granaten einpacken. So gibt es kaum eine Situation, die einen überrascht oder aus der man nicht entkommt. Also langsam vorwärts, nicht gesehen werden und eher wieder schnell raus aus der Map, wenn der Rucksack voll ist. Auch wenn es keine Stealth-Kills gibt. Allein durch das langsame Vorgehen, das Scouten und die Möglichkeit sich doch immer gut zu verstecken, entsteht mit dieser Spielweise ein ganz eigenes Spiel.
Wenn man es dann noch auf andere Raider absieht, ändert es sich natürlich nochmal.
Der Taktik-Shooter
Jajaja. Loot ist interessant. Aber ab einem Punkt ist der Reiz von Loot auch kaum noch interessant. Der Geldbeutel ist gefüllt genug für nen Großeinkauf bei Tante Tian Wen. Aber ist gibt ja noch genug Arcs die nur darauf warten abgeschossen zu werden. Und da Embrace bezüglich der Gegner-KI sich Gedanken gemacht hat, ist allein dieser Aspekt des Games herausragend. Die Arcs sind wohl mit die besten Gegner, die ich lange Zeit in Shootern hatte. Was sticht heraus? Die Arcs haben per KI gelernt sich selber in der virtuellen Umgebung zurechtzufinden und ihre Wegfindungsroutinen, haben die sich selber beigebracht. Das klingt erst mal technisch. Sorgt aber dafür, dass die Arcs ihre Umgebung „wahrnehmen“ können. Ich muss da ein Video dazu verlinken. Wenn die euch sehen und ihr euch versteckt, dann macht euch drauf gefasst, dass die euch suchen, wie ihr noch nie in einem Spiel gesucht wurdet. Ihr meint, ihr seit in einem Gebäude ist sicher, aber die Arcs haben euch noch gesehen, wie ihr reingerannt seit? Macht euch darauf gefasst, dass die Arcs nach einem Weg ins Gebäude suchen. Diese recht autarke Wegfindung wird dann super mit einigen netten Patterns kombiniert, damit man doch noch eine Chance hat. Die Wespen sind super mobil und schnell, aber bevor sie schießen morsen sie einem das rüber, man kann noch zur Seite hechten und während sie ihre 3 Sekunden ballern, bleiben sie an Ort und Stelle und danach noch ne Sekunde bleiben die noch still. So haben alle Arcs interessante Muster und Eigenschaften, Stärken sowie Schwachpunkte.
Das alles führt dazu, dass die Arc-Gefechte mit das Beste ist was ich in langer Zeit in Shootern erlebt habe. Erinnert mich ein bisschen an die Sandbox-Gefechte in den ersten Halo-Games… Auf legendär. Es gibt hier auch nach Stunden noch Momente, in denen die Arcs einen überraschen.
Also sich einfach nur dick auszurüsten und auf Arc-Jagd zu gehen, hat was. Man muss sich zuvor aber überlegen was man jagen will. Das müssen nicht mal die großen Arcs sein. Hatte erst ein Match bei der wir für Prüfungen Pops, Zecken, Burner,… killen mussten. Was für ein Adrenalin-Rausch. Eine doofe Situation. Ein übersehener Burner gefolgt von einem Pop. Falsches Nachladen…. Und man ist weg vom Fenster. Selbst die kleinen Arcs bleiben konsequent gefährlich.
Und klar gibt’s auch hier Loot. Aber das nimmt man halt mit, damit man danach alles verkauft. Das richtige gute daran ist, aber dass sich das Gunplay und das Gegnerverhalten zu gut anfühlt um ihm auszuweichen. Also viel Muni einpacken und keine Arcs am Leben lassen. Und man geht erst aus der Runde raus, wenn der Schild bricht oder man sich nicht mehr heilen kann. Jeder toter Arc ist ein guter Arc. TÖTEN!!!!
Das Progression-Multiplayer-Game

Arc Raiders hat viel langwierige Progression. Lager, Werkbänke und Cock aufrüsten, Quests absolvieren, Projekte abschließen, Prüfungen absolvieren. Wenn man es primär zu zweit oder zu dritt spielt, dann hat immer jemand etwas zu erledigen. Und im Zusammenspiel würde ich behaupten, dass es super funktioniert, wenn hier ein Level-1-Raider mit nem Level-67-Raider zusammen in nen Run schmeißen. Klar. Die Matriarchin sollte man nicht spielen. Aber entspannt gemeinsam Quests und Prüfungen gemeinsam machen geht immer.
Da ist man viele Stunden beschäftigt bis alle alles abgeschlossen haben. Selbst wenn man selber schon alles abgehakt hat, zieht das Spiel immer wieder rein. Wenn man wem anders bei seinen Quests hilft, macht das fast genauso viel Spaß wie, wenn man sie selber machen musste…. Denn die Quests als solche machen ja nicht Spaß. Die sind so trivial wie sie nur sein könnten. Und das ist hier egal. Denn allein diese Suche zusammen mit all den Unwägbarkeiten, wenn man in bestimmte Gebiete gezwungen wird, erzeugen wieder Spannung. Spielt man das Spiel zu seinen Bedingungen, dann hat man viel Kontrolle. Viel Stealth, viel Ballern, viel cozy „Friendly!“,…. Alles geht. Wenn man aber Stealth spielen will und nun wollen Prüfungen, dass man Raidern Schaden mit der Hacke zufügen soll… Oder man will nur ballern und nun muss man Pilze sammeln… Oida… Wie lange muss man da nun durch die Gegend suchen…. Joah. Und wenn man Misskredits bekommt, wenn man Raidern mit einfacher Munition Schaden zufügen soll, dann wird auch der friedlichste Raider mal den Abzug drücken.
Das dann alles gemeinsam zu machen, macht es wunderbar chaotisch. Aber selten demotivierend. Außer man trifft auf Ratten in den Schatten beim Extraction-Punkt. Dann will man die Welt brennen sehen. Aber diese Momente hatte ich zumindest recht selten.
Gemeinsam auf Progression zu gehen ist der Feierabendmodus schlechthin, wenn er nicht unterbrochen wird von….
Dem kompetitiven Squad-Shooter
Okay. Vorab. Es gibt keine Rankings. Keine Tabelle. Keine KD-Ratio. Nur das gute Gefühl, wenn eine rote Leuchtfackel in den Himmel geschossen wird und es nicht die eigene oder der Teammates war.
Und natürlich kann man die anderen looten. Aber wenn wir ehrlich sind, ist das Risiko immer höher als die Beute. Also wegen dem Loot sollte man es nicht machen.
Sehr oft glaubt man dann einfach nicht an das Gute in der anderen Partei. Es ist der Gegenentwurf zum Solo-Experience. Hier schießt jemand auch mal nicht sofort oder einen in den Rücken. Der Großteil macht es aber. Wenn es also grün am Extraction Punkt leuchtet, rennnt man nicht noch los, sondern wartet eventuell lieber und lässt die anderen Rüpel-Raider entkommen. Eine Gefahr weniger.
Und wenn man sich nicht mehr scheut, sich ne ordentliche Ausrüstung zusammenlegt, die Herausforderung umarmt, dann…. Geht man raus und wird von irgendwo umgebracht, wo man es nicht hat kommen sehen und man fliucht ein paar Minuten ins Mikro. Dann startet man erneut und schmeißt sich in ein paar spannende Shootouts bei denen man nie weiß was passiert. Zwei 3er-Squads battlen sich lange im Archiv in Stella Montis. Dann kommen mehrere Shredder vorbei und dieses Quentchen Chaos bringt Dynamik in den Stellungskampf. Oder ein drittes Team kommt am Ende um die Ecke und mäht einfach alles um…. Oder eben nicht. Wir waren mal zu zweit unterwegs und wollten eigentlich Snitcher farmen. Aber alle zwei Minuten ist ein anderes 2er-Squad um die Ecke gekommen und hat es auf uns abgesehen. Nachdem wir nach dem dritten Ambush immer noch auf den Beinen standen und die alle nicht (Ha! Ratten!), da wurde ich übermutig. Nächste Hinterhalt lief dann nicht mehr gut. Da konnten wir uns nicht mehr wehren. Aber frontal auf einen Raider mit Hacke zu, weil man denkt, der sieht mich nicht und ich kann den nun weghacken, war fast eine gute Idee…. Ne. War natürlich totaler Selbstmord. Naja. Auf jeden Fall verändert sich das Spiel total wenn man auf Konfrontation aus ist.

Das Musik-Game
Man kann sich auch Instrumente schnappen und Jams mit den anderen abhalten. Das ist aber wohl der kürzeste Spaß im Spiel. Da fehlen ganz klar Song-Packs als DLC.

Und das bringt mich zurück zum ursprünglichen Punkt. Dadurch dass es keine Leaderboards gibt (Prüfungen ignoriere ich bewusst), zählt vor allem der eigene Spielstil. Und da Arc Raiders sehr viel Platz und Möglichkeit bietet, kommt da wirklich jeder auf seine Kosten. In der gleichen Instanz, auf der gleichen Map, zum gleichen Zeitpunkt, aber jeder so wie er mag. Und das macht den Zauber daran aus. Multiplayer haben sehr oft ein sehr enges Korsett, wie sie gespielt werden wollen. Jeder macht hier sein eigenes Ding. Dieses Korsett hier ist eher ein Zirkuszelt. Und bei der Vorführung ist für jeden was dabei. Es gibt Ratten, Hamster, Wespen, Hornissen,…. Moment. Der Zirkusvergleich ist Schrott.
Spiel gut. Spielt das.
Euer Glayd




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