Marathon - Auf die Fresse
- Glayd

- 6. Apr.
- 8 Min. Lesezeit
Marathon ist nun etwas mehr als einen Monat live und ich habe die ersten 40 Stunden investiert.
Wird Marathon das neue Halo oder Destiny für Bungie? Oder hatte Bungie was ganz anderes im Sinn?

Schnell und kurz erklärt
Es ist ein Sci-Fi-PvPvE-First-Person-Extraction-Shooter. Also ein SF-PvPvE-FPES... Ha! Hübsches Akronym. Gespielt wird hauptsächlich im 3er-Squad. Es gibt aber auch ein paar Modi oder Möglichkeiten Solo oder Duo zu spielen.
Also entweder nimmt man sich ein paar gesammelte Waffen aus seinem Spind oder nimmt sich für die ersten Stunden ein Gratis-Loadout, um den Verlustschmerz möglichst gering zu halten.
So long, so Extraction.

Design-Handwerk auf höchstem Level
Ein Element sticht bei Marathon raus. Das Design. Es ist im Brei, der Games die es Fortnite mit ihrem zugänglichen Comic-Look gleichmachen, herrausstechend. Und ich würde sogar sagen, es ist erhaben.
Und das sage ich als jemand bei dem das Design und der Look nicht... Klick macht. Ich mag Sci-Fi. Ich liebe Mirrors Edge.

Ich kann das hier alles wertschätzen. Aber nix daran connected irgendwie mit mir. Hier in der Gruppe bin ich damit eher allein. Aber mei. Man kann nicht alles lieben.
Das aber nur kurz zu meiner Verbindung zum Design.
Wenn euch sowas aber taugt. Ich würde mal behaupten. Ich habe lange nicht mehr ein Multiplayer-Game gesehen mit so einer intensiven und durchdachten, aber trotzdem subkutanen Designliebe und -handwerk.
Irgendwo ganz oben auf der Designagenda stand:
Waffen bitte immer in kubischen Elementen
Im Kontrast bitte runde, softe Elemente in der Umgebung einbinden
Bitte nicht an Farbe sparen und jedwede Gewöhnung der Gamer an Farbpaletten sprengen
Und das alles bitte glaubwürdig auf einem fremden Planeten
Daraus resultiert eine unglaublich starke visuelle Sprache, die permanent frisch wirkt und allein dadurch schon zur Erkundung einlädt. Definitiv kein Spiel, welches man schon mal gesehen hat.
Hier mal ein paar Bilder der aus den Leveln.



Oder ihr könnt hier eine 2-minütige Zusammenfassung der ersten drei Maps anschauen und etwas in das Map-Design reinschnuppern:
Auch das Sounddesign ist rund. Man sollte gut auf seine Umgebung achten. Sound sticht hier ganz klar das Visuelle aus. Ihr hört eher einen Runner, als dass ihr ihn seht. Und alles um einen rum macht komische Sounds. Wie oft ich schon innegehalten hatte, weil ich dachte da war war. Dann war da nix. Bis da dann doch was war...
Und warum muss man das so unterstreichen?!? Das ist alles wirklich, wirklich gut. Aber es ist auch sehr, sehr speziell.
Sony hat Bungie ja nicht umsonst gekauft. Die wollen und brauchen einen Live-Service-Banger. Wie Bungie mit dem Game bei Sony durchgekommen ist, bleibt für mich ein Rätsel.
Keiner kann hier erwartet haben einen Mega-Systemseller zu schaffen. Alles an diesem Spiel schreit nach diesem speziellen Ding, welches für eine kleine eingeschworene Gemeinschaft ist. Das setzt sich dann später im Gameplay und im Gameplayloop fort.
Aber zuvor noch zu...
MOTTEN
Also... Man ist ein Runner. Ein Android. Oder sowas in der Art. Daher ist das Sterben bei jedem Run egal. Runtergehen und eine neue Hülle wartet schon auf einen.
Wirklich viel erklärt wird da nix. Aber über die Ladebildschirm und letztendlich auch über Sekiguchi wird einem eher passiv gezeigt, dass man wohl immer Ressourcen farmt, damit recht emsige Motten erst über komische Schläuche gefüttert werden und die dann fleißig Runner spinnen dürfen. Und da Motten keinen Betriebsrat gründen können, bin ich recht froh, da ich in einer Tour sterbe und einen Runner nach dem anderen verheize.
Ich habe mal alle psychedelischen Motten-Ladebildschirme aufgenommen und in hoffentlich sinnvoller Reihenfolge zusammengesetzt:
Korrekterweise muss man dazu sagen. Die Fäden stammen nicht von den ausgewachsenen Faltern, sondern von den Raupen. So ist das.
Und da ich bei dem Pixelladebildschirm immer auf mein Handy schaue, ist mir auch gar nicht aufgefallen, dass hier das Thema Motte auch wieder eingeflossen ist.
Irgendwas lädt. Ich schalte ab. Vor allem wenn der Screen eigentlich nicht groß gefüllt ist.
Hier mal der Zoom-In vom Ladebildschirm:

Wem ist da was aufgefallen?!?
Achja... Sagte ich ja schon. Mir nicht. Aber meiner 10-jährigen Tochter.
"Oh. Papa Schau mal. Da ist die Larve, dann verpuppt sie sich und dann ist da die Motte."
"Nein Kind. Das ist nur Pixelschrott."
"Vater. Denkst du wirklich dass die Entwickler so einfallsarm sind? Ist dir noch nie aufgefallen wie detailverliebt diese sind?"
"Du bist enterbt."
Ungefähr so lief der Dialog. Also der erste Teil definitiv. Den Rest habe ich für LinkedIn geschrieben.
Anfangs ist das kryptisch über diese fragmentierten Ladebildschirme zu erkennen. Später wenn Sekiguchi eingeführt wird, dann sieht man es recht klar.

Aber wenn die Motten ausgewachsen sind, dann gehen sie sterben. Und Motten fliegen ja egal, wie oft sich sich ihren Arsch verbrennen, immer wieder zum Feuer. Daher sind Motten genauso smart wie Bart Simpson... Oder eben wie wir als Runner.
Das ist auch nicht mir aufgefallen. Sondern Mikel. Der mal wieder viel zu intellektuell in solchen Spielen unterwegs ist. Ich will ja eigentlich nur wissen, ob ich Noobs klatschen kann.
Spoiler: Kann ich nicht...
Marathon-Eigenheiten
Der PvP steht in dem Spiel im Mittelpunkt. Klar kann man auch recht stealthy unterwegs sein oder nach nur ein paar Minuten wieder abhauen. Aber der Maingameplayloop dreht sich schon drum, dass man etwas auf der Map bleibt und dabei aufpasst, wo sich Runner rumtreiben. Hier ein paar Nummern zur Einordnung:
Perimeter: 15 Spieler (5 x 3-Squads).
Dire Marsh: 18 Spieler (6 x 3-Squads).
Outpost: 12 Spieler (4 x 3-Squads).
Solo-Modus: geschätzte 6–8 Spieler

Durch die Größe der Maps und der Exfils, die bei Gebrauch verschwinden, ist die Wahrscheinlichkeit für ein PvP-Feuergefecht recht hoch.
Das kombinieren wir noch mit einer recht kurzen Time-to-Kill.
Da ist dann nix mehr mit "Friendly! Friendly!". Glaubt mir, ich habs probiert. Im Game. Auch auf Reddit. Habe zum großen Boykott des endlosen Tötens aufgerufen. Aber ich wurde nur mit "You are my next loot crate!", begrüßt.
Hey. Ich habs probiert.
Marathon ist um einiges brutaler als Arc Raiders. Und damit kann man auch viel stärker davon abprallen.
Spaß ist, was die anderen draus machen
Ich hatte einen strategischen Fehler gemacht. Die ersten 10 Stunden habe ich fast nur mit Randoms gespielt, die wie ich neu in dem Spiel waren. Und... es war einfach Mist. Alle 5 Runs war mal ein Run nicht desaströs. Entweder haben die Leute halt irgendwas gemacht oder irgendwas anderes. Aber nie etwas, was uns das Überleben gesichert hätte.
Nie, aber auch wirklich nie, wurde da gemeinsam gespielt oder miteinander kommuniziert. Was im Run erst mal nicht schlimm ist, aber dann trifft man auf ein besser abgestimmtes Squad und ist halt einfach definitiv so dermaßen schnell tot. Wenn man Glück hat, killt man einen Runner... oder zwei. Aber dann killt einen der dritte Runner. Meine anderen Buddies sind währenddessen auf die entgegensetzten Enden der Karte verstreut, schon durch Giftplanzen gestorben oder teabaggen irgendwelche Sträucher. Gott, wie ich solche Randoms hasse.
Selbst die UESC genannten Computergegner, unterwegs als patrouillierende Roboter sind recht zahlreich und hinterlassen nie, nie, wirklich nie guten Loot. Gerne spawnen sie auch völlig unerwartet in Gebäuden. Weswegen die achtfach nerven.
Und ja. Auch hier muss ich Arc Raiders wieder erwähnen. Dass ich bei dem Game sowas von kein Licht sehe, wenn ich nicht hart im 3er-Squad abgesprochen unterwegs bin, hat mich doch dezent überrascht.
Ich hatte zwar ein paar Runs mit den WTFPS-Leuten, aber halt zu wenig. Weswegen ich auch dann nach 12 Stunden gleich mal das einzige Logische gemacht habe. Und zwar das Spiel zu...
Deinstallieren
Design klickt nicht wirklich. Gameplay ist eher was für Schwitzer oder zumindest für ein paar gut eingespielte Gruppen von 3 Freunden.
Aber... Dann kam parallel der Test vom Schmädig raus, der das Spiel wohl im Solo-Modus gespielt hat. Den Modus hatte ich gemieden, weil ich fälschlicherweise dachte, dass man da im Solo-Mode auf 3er-Squads trifft. Ist nämlich so, wenn man zu zweit ist. Also entweder man bekommt nen Random dazu oder halt nicht. Die anderen sind aber zu dritt unterwegs. Zwischenzeitlich ist ja ein Duo-Modus gekommen. Aber immer nur für eine Map pro Tag.
Aber wenn man die Crew-Vervollständigung ausmacht, dann spielt man nur gegen andere Solo-Runner.
Okay. Wusste ich nicht.

Dann haben mich die anderen WTFPS-Leute genervt und gemeint wie toll das Spiel doch wäre. Und wie toll es doch ist und das ich das Spiel total falsch spiele. Keiner konnte das wissen. Und der Artstyle. Und hey. Habe ich schon erwähnt, dass die das Spiel mega finden?!?
Und da ich so hart wie Schokolade in deren Händen bin, habe ich das Spiel wieder installiert und dann erst mal nur ein paar Runden nur mit den Jungs gedreht. Und auch langsamer. Viiiiiiiel langsamer. Und dann sind wir auch noch dauernd ausgewichen.
AUS! GE! WICHEN!!! In nem Shooter. Okay, man könnte retrospektiv auch sagen, dass ich das Spiel einfach gespielt habe wie ein Destiny oder Halo. Ist nicht mein Fehler. Ist von Bungie. So ist das. Haben wir das geklärt.
Aber lassen wir die Schuldzuweisung mal sein. Ich verzeihe es Bungie. Und ihr macht mir hier keine Vorwürfe, dass ich das Spiel fal... suboptimal gespielt habe.
Dann hat es KLICK! gemacht, oder?!? Jein. Ich bin nun etwas mehr als 30 Stunden drin. Und es läuft viel besser. Im Solo- sowie im normalen 3er-Squad-Modus überlebe ich mehr als 50% der Runs. Und die Gefechte sind super. Vor allem wenn es da diese schönen Taktierereien gibt. Wenn man zum Beispiel leise unterwegs war, gerade lootet, dann Schritte von rechts oben hört. Man inne hält, sie weiter links hört, sich das Squad in Verteidigungsposition begibt, jeder seine Skills nutzt und man dann nach einem längeren Gefecht mit Kills, Revives und noch mehr Kills als das überlebende Squad feiert... Nur um ein weiteres Squad durch das Geballer angelockt zu haben. Und die mähen einen dann nieder. Aber hey. Wenigstens irgendeine Fetchquest abgeschlossen und ein paar XP bekommen.
Was vom Runner übrig bleibt
Runner sind austauschbar. Das vermittelt einem das Spiel zu genüge. Genauso geht es mir aber auch mit dem Spielgefühl. Alles an dem Game schreit nach: "Investier jeden Tag bitte ein paar Stunden in mich!". Und zwar mit "Einem perfekt abgestimmtem Team". Ansonsten gibts halt kaum Fortschritt und die anderen Runner sind einfach unglaublich viel besser ausgerüstet und haben ihre Stats ordentlich gepimpt. Ansonsten bin ich austauschbar. Und das macht viel aus.
So kann ich zwar immer mal wieder gerne 2-8 Runs spielen. Die sind auch im Moment-to-Moment-Gameplay interessant. Aber ich habe einfach dauernd das Gefühl, dass das Spiel nicht für mich gemacht ist. Es erfordert Ruhe, Konzentration und Hingabe. Und ich will einfach entspannt am Abend noch ein paar Runden drehen.
Daher kann ich ganz klar sagen: Es ist nicht das Game. Ich bin es.
Technisch ist das Spiel eine kleine Multiplayer-Offenbarung. Es ist wunderbar hart. Keine großen Kompromisse. Es ist für Fans dieser Art von Spiel gemacht. Nicht für die breite Masse.
Es ist eins der besten 3er-Squad-Multiplayer-Games, die mir aktuell einfallen. Jedem, der zwei weitere Freunde hat, die sowas auch gut und gerne spielen, kann ich das Spiel wärmstens empfehlen. Es ist intensiv und wunderbar dynamisch in den Gefechten.
Für entspanntes abends Online-Ballern empfehle ich andere Games. Toxic Commando zum Beispiel.

Bungies Systemseller
Auch wenn ich eher negativ berichte. Ich hoffe inständig, dass sich Sony hier nicht zu enttäuscht zeigt und dieses Spiel weiter supportet. Denn Bungie hat wohl das mutigste Spiel designt, welches sie in vielen Jahren gemacht haben.
Es gibt sich ganz und gar diesem speziellen Gameplay-Loop hin und je länger man auf Tau Ceti IV ist, desto mehr liebt man diese Welt und diese ganzen kleinen Nachrichten, die sie indirekt einfließen lassen und die einem die Welt mehr erklären. Außer man heißt Glayd. Dann halt nicht.
Plattform: Xbox
Komplettiert: Nein
Spielzeit: Etwas mehr als 40 Stunden
Sprache: Deutsch




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