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Marathon oder viele kurze Sprints

  • Autorenbild: John
    John
  • 5. Apr.
  • 4 Min. Lesezeit

Marathon - Ein früher Meilenstein des First‑Person‑Shooter‑Genres



Als Marathon am 21. Dezember 1994 für Classic Mac OS erschien, legte Bungie den Grundstein für seinen späteren Erfolg. Der First‑Person‑Shooter gilt bis heute als eines der ambitioniertesten Spiele der frühen 1990er‑Jahre auf dem Macintosh und begründete eine Trilogie, die mit Marathon 2: Durandal und Marathon Infinity fortgesetzt wurde.

Technisch setzte Marathon Maßstäbe.

Vollständig texturierte Level, dynamische Beleuchtung und eine für die Zeit ungewöhnlich flexible Steuerung mit freiem Blick nach oben und unten hoben das Spiel deutlich von zeitgenössischen Genrevertretern ab. Ergänzt wurde dies durch ein funktionales HUD mit Overhead‑Karte, Bewegungssensor sowie Anzeigen für Schildstärke und Sauerstoffversorgung.


Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Erzählweise. Statt klassischer Zwischensequenzen vermittelte Marathon seine Geschichte über optionale Terminal‑Texte innerhalb der Levels.


Der Spieler übernimmt die Rolle eines Sicherheitsbeamten an Bord des Kolonieschiffs UESC Marathon, das von außerirdischen Angreifern und einer zunehmend instabilen künstlichen Intelligenz bedroht wird. Die fragmentarische Struktur der Handlung ließ Raum für Interpretation und belohnte Spieler, die bereit waren, sich aktiv mit der Spielwelt auseinanderzusetzen.

In der Fachpresse wurde Marathon vor allem für seine technische Umsetzung, die narrative Tiefe und den Mehrspieler‑Modus gelobt. Rückblickend gilt das Spiel als wichtiger Beitrag zur Entwicklung des Shooter‑Genres und als zentraler Titel der Mac‑Spielegeschichte der 1990er‑Jahre.

Langfristig sicherte vor allem die Community das Überleben des Spiels. Die Freigabe von Code‑Bestandteilen und Spieldaten ermöglichte mit dem Open‑Source‑Projekt Aleph One eine Modernisierung für aktuelle Systeme. Neuveröffentlichungen in den 2010er‑ und 2020er‑Jahren, zuletzt 2024, machten die Trilogie erneut zugänglich.

Heute wird Marathon weniger als reines Actionspiel wahrgenommen, sondern als historisch relevantes Werk, das technische Innovation mit ungewöhnlicher Erzählform verband. Für Spielerinnen und Spieler mit Interesse an Spielegeschichte und atmosphärischem Worldbuilding bleibt der Titel auch Jahrzehnte nach seiner Veröffentlichung bemerkenswert.


Was sagst du, Glayd? Nicht dieses Marathon?


Ah, mein Fehler. Lass mich mal kurz rein spielen.


Oh, etwas hat mich erschossen. Naja, versuchen wir das nochmal. Ah, wieder tot. Aber dieses mal weiß ich, glaube ich, was es war! Ich probier es nochmal. Okay, die Bots waren nicht so schwer, oh schau mal ein anderer….ah, tot.


Soweit, so Anfang.


Das neue Marathon hat auf den ersten Blick wenig mit dem Original zu tun. Immerhin fangen beide mit den gleichen Satz auf dem Screen an. Find ich ziemlich nett.


Wir könnten jetzt über die TTK, die schwierige Entwicklung und ähnliches diskutieren, aber davon ist das Internet ja schon übervoll.


Ich möchte lieber damit beginnen, mich über den Style des Games zu unterhalten. Allein die erste Map, die mich stark an das Kosmodrom in Destiny erinnert, mit ein paar Neon Farbklecksen. Outpost, die ein wenig an ein Mainboard erinnert, mit Strukturen wie Kühlern, ist ein schöner Take der schwindenden Grenzen zwischen physischer Welt und Cyberspace, die Bungie hier mit den Hüllen zeigt.



Ein Genre, das sich neu sortiert


Während viele Extraction Shooter auf denselben Loop setzen – rein, looten, extrahieren, optimieren – bricht Marathon bewusst mit dieser Routine. Man spielt unterschiedliche Hüllen mit unterschiedlichen Fähigkeiten und im Gegensatz zu anderen Extraction Shootern ist hier weder alles friendly, noch hortet man hier wie der letzte Lootgoblin. Gefundene Ausrüstung ist nicht für später gedacht, sondern für den Moment. Das Spiel belohnt Spontanität, nicht Hamstern. Dadurch entsteht ein Rhythmus, der unmittelbarer wirkt als bei Genre‑Kollegen: weniger Verwaltung, mehr Adrenalin.



Lore in Fragmenten – ein bewusstes Stilmittel


Statt einer epischen, klar ausformulierten Hintergrundgeschichte präsentiert Marathon seine Welt in Splittern. Terminals, Corporations, kryptische Nachrichten – alles erinnert an die DNA des ursprünglichen Marathon. Die Welt erklärt sich nicht, sie flüstert. Und genau das macht sie interessant.

Im Gegensatz zu Spielen wie Arc Raiders gibt es hier keine große Erzählung. Kein Pathos, kein „Wir gegen das Unvermeidliche“. Marathon ist nüchterner: Du steigst hinab, um etwas Wertvolles herauszuholen. Punkt.


Gunplay: Bungie liefert ab


Was sofort auffällt: Das Gunplay ist typisch Bungie – präzise, druckvoll, sauber. Jeder Schuss sitzt, jede Waffe hat Charakter. Die Maps sind clever gebaut, mit vielen Winkeln, Ebenen und taktischen Möglichkeiten. Die von der KI gesteuerten UESC‑Einheiten sorgen für zusätzliche Reibung, ohne den Flow zu brechen. Und wenn andere Runner auftauchen, entsteht genau die Art Spannung, die das Genre braucht.




UI: Ungewöhnlich, aber funktional


Die Benutzeroberfläche wirkt anfangs sperrig, fast eigenwillig. Doch nach kurzer Eingewöhnung entfaltet sie ihre Logik. Im Vergleich zu Arc Raiders ist das Inventar‑ und Item‑Management meiner Meinung nach sogar klarer strukturiert. Ein System, das nicht sofort glänzt, aber hoffentlich langfristig funktioniert. Allein der automatisierte Verkauf von unnötigem Kram ist erfrischend gelöst.


Grafik und Sound


Destiny hat ein Kind mit Splatoon gemacht und Sie nennen es auch Marathon?



Der Titel überzeugt nicht nur visuell, sondern auch akustisch. Das Sounddesign liefert klare Ortung, druckvolle Waffen- und Explosionseffekte sowie atmosphärische Umgebungsgeräusche wie Regen, die das Eintauchen in die Spielwelt verstärken.


Besonders hervorzuheben ist der räumliche Proximity-Chat, der Stimmen der Teammitglieder natürlich im Raum positioniert und damit die Kommunikation im Squad deutlich intuitiver macht. Zusammen mit dem starken Soundtrack entsteht ein rundes, immersives Erlebnis, das sich im Genre positiv abhebt.


Die große Frage: Wohin führt das?


Marathon wirkt wie ein mutiger Neuanfang – und gleichzeitig wie ein Projekt, das noch viel Raum zum Wachsen hat. Die Hoffnung: Bungie lässt das Spiel organisch reifen, ohne es mit Systemwechseln, Währungsfluten und Monetarisierungsdruck zu überladen. Destiny‑Veteranen wissen, wie schnell ein gutes Fundament unter zu vielen Layern verschwinden kann.

Aktuell aber zeigt Marathon genau das, was man sich wünscht: Klare Vision, starkes Gunplay und eine atmosphärische Welt.



Fazit


Marathon ist kein lauter Neustart, sondern ein präziser. Ein Spiel, das sich nicht anbiedert. Ein Spiel das vertraut, dass Spieler seine Eigenheiten zu schätzen wissen. Wenn Bungie diesen Kurs hält, könnte hier etwas entstehen, das dem Genre langfristig seinen Stempel aufdrückt.


Ich bleibe dran und bin besonders gespannt auf meine ersten Cryo-Runs, denn dafür bin ich nach knapp 20h noch nicht bereit.




Plattform: PC


Komplettiert: Nein


Spielzeit: Knapp 20 Stunden


Sprache: Deutsch



 


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