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MIXTAPE – Smells like Teen Spirit

  • Autorenbild: John
    John
  • 11. Mai
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 13. Mai


Wie drei Teenager, ein Einkaufswagen und ein Haufen Bangermusik uns daran erinnern, wer wir mal waren – und wer wir nie wieder sein werden.


Drei Personen im Wald. Eine trägt Herz-Sonnenbrille und Kopfhörer, eine gelbe Jacke mit Aufnähern. Warme Farben, entspannte Stimmung.
Posse in Effect

Beethoven & Dinosaur – die Indie‑Band unter den Studios, die schon mit dem wundervollen The Artful Escape bewiesen hat, dass sie Gefühle besser orchestrieren als so mancher AAA‑Blockbuster – liefern hier ein Coming‑of‑Age‑Feuerwerk ab, das sich anfühlt wie ein verlorenes John‑Hughes‑Drehbuch, verfilmt von Wes Anderson, geschnitten wie ein Musikvideo aus Into the Spider‑Verse und vertont von jemandem, der zu viele Nächte auf RateYourMusic verbracht hat.


Und ja: Es funktioniert, es funktioniert verdammt gut.


You Think I Ain’t Worth a Dollar, but I Feel Like a Millionaire


Stacey Rockford – Musiknerd, Walkman‑Priesterin, Kossträgerin, zukünftige Musiksupervisorin – hat einen Plan: ein letzter Tag, eine letzte Party, ein letztes Mixtape. Cassandra, Van Slater und sie stehen am Rand des Erwachsenwerdens, dieser Klippe, von der man runterfällt, ohne zu wissen, ob unten ein Trampolin oder Beton wartet. Und wie Teenager in den 90ern nun mal sind, reagieren sie darauf mit der einzig logischen Strategie: Skaten, Saufen, Rauchen, Erinnern, Verdrängen - Wiederholen.


Mixtape erzählt diesen Tag nicht linear, sondern wie ein echtes Mixtape: Song an – Erinnerung an. Song aus – Realität rein. Jedes Objekt, jede Bierflasche, jede Baseballtrophäe ist ein Portal in eine überzeichnete, überdramatisierte, überlebensgroße Version der eigenen Vergangenheit. So, wie wir alle uns an sie erinnern – oder erinnern wollen.



Break Stuff


Mixtape ist kein Spiel im klassischen Sinne. Es ist eine Playlist zum Durchspielen, ein emotionaler Shuffle‑Modus, der dich ständig überrascht.

Headbangen zu Silverchairs Freak im Auto, Wayne’s‑World‑Style und ein Kuss‑Minispiel, das so unangenehm ist, dass es schon wieder genial ist.


Eine Flucht im Einkaufswagen vor der Polizei, als wärst du in einer Jackass‑Episode, die nie ausgestrahlt wurde und die Straße runter skaten, während Smashing Pumpkins’ Love die Welt in explodierende Mittelfinger verwandelt.

Subtil ist das nicht. Aber subtil war die Jugend auch nie.


Electric Feel


Drei Menschen reiten auf einem Dinosaurier in einer roten Wüstenlandschaft bei Sonnenuntergang, umgeben von Felsen und Wolken.
Walk the Dinosaur

Visuell ist Mixtape ein Brett. Ein handgemachter, stop‑motion‑artiger, Spider‑Verse‑inspirierter Fiebertraum, der jede Szene aussehen lässt wie einen Screenshot, den man sich als Poster ins WG‑Zimmer hängen würde.

Die Mischung aus Claymation‑Vibes, Live‑Action‑Einschüben, Collage‑Ästhetik und perfekt getimten Kameraschnitten, macht Mixtape zu einem der stilistisch mutigsten Spielen seit Jahren. Es ist ein Spiel, das weiß, dass es schön ist – aus jedem Frame tropft dir der Style entgegen.


Love Will Tear Us Apart


Mixtape wäre ohne seine Musik nur halb so gut. Mit ihr ist es magisch. Roxy Music, Joy Division, Siouxsie and the Banshees, Smashing Pumpkins, Devo, Portishead – keine Greatest‑Hits‑Playlist, sondern eine kuratierte Sammlung, die klingt, als hätte Stacey sie wirklich selbst zusammengestellt.


Nicht für uns. Für sich.


Kassette mit gelben, blauen und roten Streifen. Text: "To Stacy ♥ From Colin." Ein Stift dreht das Band. Text: "Rewind Tape."
Erase and Rewind

Und genau das macht es so stark: Die Songs sind keine Deko, sie sind der Motor, die Erinnerung, die Emotion, der Klebstoffverbindung zwischen den Szenen.


The Kids Aren't Alright


Die drei sind prätentiös, impulsiv, überdramatisch – also absolut authentisch. Mixtape romantisiert die Jugend nicht.

Es zeigt sie, wie sie war: dumm, laut, chaotisch, bedeutungsschwanger und voller Momente, die sich größer anfühlten, als sie waren. Und trotzdem – oder gerade deshalb – trifft es. Denn irgendwo zwischen Einkaufswagen‑Flucht und Skateboard‑Melancholie erinnert dich Mixtape daran, wie es war, sich zum ersten Mal wie ein echter Mensch zu fühlen.


Everybody Hurts


So viel Liebe, so viel Stil, so viel Musik – und doch fehlt etwas: Konflikt. Schmerz. Risiko.


Mixtape ist wunderschön, aber manchmal zu sehr wie ein Musikvideo‑Marathon: einfach zu glatt, zu sicher, zu sehr „good vibes only“.

Die Party am Ende wirkt eher wie eine Checkliste als ein Herzschlagfinale. Aber vielleicht ist das okay. Vielleicht ist Mixtape nicht dafür da, uns zu brechen. Vielleicht will es uns nur daran erinnern, dass wir mal Menschen waren, die dachten, ein Skateboard und ein Song könnten die Welt retten.


Gelbe Einladungen mit einer Frau und "YOU'RE INVITED". Daneben eine Karte mit einer roten Linie und der Text "MIXTAPE". Lebendige Farben.
Party out of Bounds

Und seien wir ehrlich: Für einen Moment konnten sie das auch.



Fazit: Bittersweet Symphony


Ein Cabrio fährt auf einer Straße, zwei Menschen im Auto, einer zeigt auf ein Feuerwerk am violetten Himmel. Bäume am Straßenrand.
Tonight, Tonight

Müsste ich objektiv Kritikpunkte formulieren, wären das die eingeschränkten Gameplayelemente, auf technischer Seite das Fehlen von Upscaling und das nicht ein einziger Nine Inch Nails Song vorkommt.


Mixtape ist kein perfektes Spiel. Aber es ist ein beinahe perfektes Gefühl.

Es ist ein Spiel, das dich nicht fragt, ob du bereit bist, sondern dich einfach mitnimmt – im Einkaufswagen, in Erinnerungen, in Musik, in die Jugend.


Es ist wunderschön, albern, überstilisiert, emotional, musikalisch und absolut großartig. Ein Spiel, das man nicht nur spielt, sondern vor allem fühlt - Damit meine ich nicht nur die Story rund um das Trio, sondern vor allem Erinnerungen an eigene Erfahrungen in dieser Zeit, die unweigerlich hervorgerufen werden - Und wenn der letzte Song verklingt, bleibt dieses leise, warme Gefühl: Vielleicht sind wir nie ganz erwachsen geworden.


Vielleicht müssen wir das auch nicht.



Info Karsten


Plattformen: 

PC, PlayStation 5, Xbox Series X|S und Nintendo Switch 2


Preis:

circa 20 €


Spielzeit:

knapp 4-5 h


Durchgespielt:

Ja


Entwickler:  

Beethoven & Dinosaur


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