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Forza Horizon 6 im Test: Drift happens

  • Autorenbild: John
    John
  • 15. Mai
  • 5 Min. Lesezeit

Es gibt Länder, die schreien nach einem Forza‑Horizon‑Ableger. Australien war logisch. Großbritannien war charmant. Mexiko war ein Triumph. Aber Japan? Japan war überfällig. So überfällig, dass man fast vergessen hatte, wie sehr man es wollte.

Und jetzt, wo es endlich da ist, steht man da wie ein Kind vor dem ersten Kettcar: sabbernd, hibbelig, überfordert – und ein bisschen enttäuscht, weil die Realität nie ganz so groß ist wie die Fantasie. Forza Horizon 6 ist genau das: ein Spiel, das dich gleichzeitig umarmt, anschreit, verführt und irritiert.


Porsche fährt auf blühender Straße unter Kirschbäumen. Klares Wetter, schneebedeckter Berg im Hintergrund. Schriftzug Forza Horizon 6.
Sakura‑Boost: 9 von 11 Blüten empfehlen mehr Gas

Willkommen in Japan. Willkommen im schönsten Vergnügungspark für Autos, den Playground Games je gebaut hat. Und willkommen in einem Spiel, das so viel richtig macht, dass die wenigen Fehler umso lauter knirschen.


Zen und die Kunst des Motorsports


Playground Games hat Japan nicht einfach nachgebaut. Sie haben es destilliert. Extrahiert. Konzentriert. Und dann wie ein Diorama für Autonerds neu zusammengesetzt.

Tokio ist eine Miniaturmetropole, die gleichzeitig zu klein und zu groß wirkt. Die Alpenregion ist ein Postkartenmassaker aus Schnee, Nebel und Serpentinen. Die Freeways sind mehrstöckige Betonkathedralen, in denen jeder Downshift klingt wie ein Gebet. Und die Parkplätze – mein Gott, die Parkplätze! – sind so liebevoll modelliert, dass man sich fragt, ob Playground Games heimlich ein Architekturmagazin herausbringen will.

Es ist nicht realistisch. Es ist nicht geografisch korrekt. Es ist Forza Horizon. Und es ist wunderschön.


Roter Sportwagen auf Straße, Hintergrund schneebedeckter Berg. Himmel blau, ruhige Stimmung. Text: Forza Horizon 6.
Toyotally worth it

Das Fahren: Grip it like it’s hot


Forza Horizon 6 fährt sich wie ein Spiel, das endlich verstanden hat, was seine Community wirklich will: Drifts, die sich anfühlen wie ein perfekt gezogener Pinselstrich. Rennen, die dich anschreien, schneller zu werden. Touge‑Duellen, die dich in den Sitz pressen.

Das Fahrmodell ist ein Liebesbrief an alle, die jemals „Initial D“ zu laut geschaut haben.


Zwei Autos driften um eine Kurve auf einer Bergstraße bei Sonnenuntergang, mit Forza Horizon 6-Logo oben rechts. Dynamische und spannende Szene.
Initial Drift - 86 Gründe, warum ich quer fahre

Im Vergleich zum Vorgänger haben die Autos mehr Grip, mehr Gewicht, mehr Charakter. Die Drifts sind butterweich, aber nicht trivial. Und das Fahrmodell ist so zugänglich, dass selbst komplette Neulinge Punkte farmen wie Influencer Rabattcodes.

Es ist nicht innovativ. Es ist nicht neu. Aber es ist Forza Horizon in seiner besten Form.


Die Kampagne: Mech mich am Arsch


Die Rückkehr der Wristbands ist ein Geschenk. Endlich wieder Progression, die sich wie Progression anfühlt. Endlich wieder ein Ziel, ein Crescendo, ein Finale.

Und die Showcases? Nun ja. Es gibt weniger davon – aber dafür tritt man gegen einen riesigen Mech an. Einen. Riesigen. Mech.

Wenn du da nicht grinst, bist du innerlich tot.



Forza Horizon 6 macht bei seiner Kampagne genau das, was Playground Games seit Jahren macht:

Sie erfinden das Rad nicht neu - sie polieren es, lackieren es, wuchten es aus und schrauben es dann so sauber wieder dran, dass du dich fragst, warum es vorher überhaupt gewackelt hat.


Es ist eine Evolution.

Aber eine Evolution, die sich anfühlt wie ein chirurgischer Eingriff an den Stellen, die seit FH4 und FH5 immer ein bisschen geklemmt haben. Sind Sie schon da?


Discover Japan: The Fast and the Curious


Parallel zur Hauptkampagne läuft die Discover‑Japan‑Reihe, und die ist - ohne Übertreibung - der Teil, der FH6 wirklich einzigartig macht.

Sie liefert was vorher ein wenig fehlte, das, was Forza Horizon 6 am meisten gebraucht hat: ein bisschen Kontext, ein bisschen Kultur, ein bisschen „Warum ist das hier eigentlich so?“.


Ein weißes Auto, umgeben von bunten Fahrzeugen auf einem Parkplatz. Hintergrund zeigt eine Brücke. Text "Forza Horizon 6" oben rechts.
Sturz so wild, der Parkplatz kippt gleich um

Man lernt über Regionen, Autos, Driftkultur, Essen. Man fährt Food‑Delivery‑Missionen, die mehr Spaß machen, als sie sollten. Fahrspaß ohne Rennstress, zum Selbstzweck. Man besucht Parkplätze, die zu sozialen Hubs werden. Man sammelt Stempel, Scheunenfunde, Treasure Cars – und verliert sich in einer Welt, die ständig flüstert: „Fahr noch ein Stück. Nur noch ein Stück.“


Japan: Vollgas. Tokio: Voll… wenig


Und dann kommt der Moment, in dem man realisiert: Tokio wirkt, als hätte jemand die Render‑Distanz auf ‚Schamgrenze‘ gestellt.

Nicht schlecht. Nicht hässlich. Nicht lieblos. Aber klein. Zu klein für eine Stadt, die im echten Leben wie ein endloser Neon‑Organismus wirkt.

Kein echtes Lichtermeer. Keine engen Gassen. Keine ikonischen Viertel in ihrer vollen Pracht. Es ist Tokio Light. Tokio Zero Sugar. Tokio für Leute, die glauben, dass Shibuya Crossing das Einzige ist, was man dort sehen muss.

Es tut nicht weh. Aber es sticht. Akihabara? Mehr so Aki‑haha‑bra.


Zwei Sportwagen rasen nachts durch eine neonbeleuchtete Stadtstraße, umgeben von leuchtenden Werbetafeln. Dynamische, spannende Atmosphäre.
Godzilla in Tokio

Hier ein Haiku dazu:


Tokio, so klein,

dass selbst Pixel Platz sparen -

Metropole? Nein.


Glücklicherweise ist ja nicht alles Verlangen nach Tokio Neon Dreams und schnell merkst du, wie vielfältig die Karte ist: Alpen, Wälder, Küsten, Städte, Dörfer, Industriegebiete, Freeways, Bergpässe. Es ist die größte Biomen‑Spannweite der Serie und unglaublich dicht gepackt. Sie wirkt dadurch noch größer, als sie im Vergleich zu Mexiko ist.


Textgrafik mit "Forza Evolution" als Titel, beschreibt Spiel-Versionen FH1-FH6 mit Autos und Settings. Hintergrund zeigt schneebedeckten Berg.


Wheel Support: Lenkrad? Lenkradn’t


Und jetzt kommen wir zu dem Teil, der mich fassungslos zurück lässt und fast ein wenig wirklich wütend macht.

Forza Horizon 6 ist ein Spiel, das Drifts feiert. Touge‑Runs zelebriert. Fahrgefühl vergöttert.


Zwei Autos driften auf einer kurvigen Straße durch blühende Kirschbäume. "Forza Horizon 6"-Logo oben links. Frühlingshafte Szene.
Der Berg ruft – und das Heck antwortet

Selbst wenn das Wheel funktioniert, fühlt es sich nie so an, wie es sollte. Nie so direkt, nie so präzise, nie so selbstverständlich wie auf dem Gamepad. Ja, es ist besser als die Vorgänger, das war es aber auch schon. Und das ist eine Schande. Gerade dieses Forza hätte Wheel‑Support verdient, der dich in den Sitz tackert.


Danke. Für nichts.


Fazit: gehobene Gas-tronomie


Forza Horizon 6 ist das beste Forza Horizon seit… ja, seit Forza Horizon. Es ist größer, schöner, detaillierter, glaubwürdiger. Es ist ein Liebesbrief an Autos, an Japan, an Geschwindigkeit.

Aber es ist auch ein Spiel, das an den falschen Stellen kneift: Tokio ist zu klein. Das Flair ist zu dünn. Der Wheel‑Support ist ein Witz. Und manche Story‑Elemente wirken wie Pflichtaufgaben.

Trotzdem: Wenn du im Drift bist, wenn du einmal über die Alpen jagst, wenn du im Tunnel runterschaltest und der Hall dich trifft wie ein Schlag in die Brust – dann weißt du, warum du hier bist.


Rallyautos rasen durch einen herbstlichen Wald bei Sonnenuntergang, aufgewirbelter Staub. Text: Forza Horizon 6. Dynamische Atmosphäre.
Japanische Wälder? Deutsche Traktion

Forza Horizon 6 ist ein Vergnügungspark. Ein Rausch. Ein Traum. Und manchmal ein Ärgernis.

Aber am Ende? Es lohnt sich. Mehr als du denkst.



Nachfazit: Evolution mit angezogener Handbremse


Forza Horizon 6 ist kein großer Sprung – es ist ein sauber gesetzter Schritt nach vorn. Eine Evolution, keine Revolution. Und genau das fühlt man in jeder Kurve, in jedem Drift, in jeder kleinen Anpassung unter der Haube.

Die Kampagne ist weniger Fremdscham, die Seasons weniger penetrant, die Struktur klarer. Die Trennung zwischen Festival und „Discover Japan“ funktioniert – und zeigt gleichzeitig, wie viel Potenzial noch in einem stärkeren Fokus auf Welt, Kultur und Entdeckung steckt. Weniger „höher, schneller, weiter“, mehr „da sein, erleben, eintauchen“ – genau da könnte Horizon noch wachsen.

Auf der Strecke selbst bleibt nicht alles sauber: Die Drivatare sind weiterhin eine Schwachstelle, Gummiband-KI und Ausreißer an der Spitze reißen dich regelmäßig aus dem Flow. Und auch im Multiplayer steckt noch Luft – gerade im Kolonnen-Handling fehlt es an Komfort und Konsequenz.

Dafür liefert das Spiel genau da ab, wo es am wichtigsten ist: beim Fahren. Die Fahrzeuge fühlen sich besser, reaktiver, lebendiger an – fordern aber auch mehr Aufmerksamkeit beim Setup. Ein zweischneidiges Schwert, das nicht jeden abholt, aber insgesamt die richtige Richtung einschlägt.

Am Ende bleibt ein Spiel, das nicht perfekt ist, aber genau weiß, was es sein will: das beste Horizon seiner Art – nur eben noch nicht die endgültige Version davon.




Nach knapp 100 Stunden steht für mich fest: 4 von 5 WTFs. Und das Gefühl, dass da noch mehr geht.





Info Karsten


Plattformen:

PC, Xbox Series S|X


Preis:

ab 69.99€


Spielzeit:

8h


durchgespielt:

Nein


Entwickler:

Playground Games / Turn10



8 Kommentare

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
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tomzilla
10. Juni

Wie ist denn die finale Wertung?

Meine Wertung ist 9,5/10.


Guter Test, dem ich größtenteils zustimme. Zu der mangelhaften Lenkradunterstützung kann ich nichts sagen. Tokyo hätte auch meiner Meinung nach beeindruckender sein sollen. Ansonsten finde ich lediglich die Drift lastige Fahrphysik etwas störend. Wem das Driften Spaß bereitet, der konnte das in den Vorgängern schon ausgiebig nutzen. In Horizon 6 neigen jetzt gefühlt alle Fahrzeuge, egal ob mit Front- oder Heckantrieb, viel zu schnell und zu leicht zum Driften.


Ansonsten ist das Spiel hervorragend. Vor allem die Berg- und Schneegebiete sind äußerst gelungen. Selten wurde Schnee so gut in Videospielen umgesetzt. Ich war noch nie in Japan, aber wenn ich die Umsetzung der Japanischen Alpen sehe, verblüfft mich die Ähnlichkeit…

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tomzilla
19. Juni
Antwort an

Danke für den Hinweis. Wertung und Nachfazit kann ich nachvollziehen. Meine Wertung von 9,5/10 hatte ich bereits vermerkt. Bei dem Kritikpunkt Tokyo, dem ich prinzipiell beipflichte, sollte man jedoch bedenken, dass die Städte bisher in keinem Forza Horizon besonders eindrucksvoll umgesetzt wurden. Ich denke, dass viele Spieler diesbezüglich gerade wegen Tokyo eine zu hohe Erwartungshaltung hatten.

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