Tomodachi Life - So doof, dass es schon wieder gut ist
- Glayd

- 25. Apr.
- 4 Min. Lesezeit
Ich spiel ja gerne eh jeden Scheiß. Wenn auch nur kurz. Grüße gehen raus an I'm in love with your dead grandmother.
Die letzten Trailer zu Tomodachi Life: Wo Träume wahr werden hatte ich meinen Kids gezeigt und der Trailer hat die beiden heiß gemacht. Und den Teil auf dem 3DS hatte ich in guter Erinnerung. Der heißt übrigens einfach nur Tomodachi Life. Der Nachfolger heißt nicht Teil 2. Sondern alles in voller Länge.
Tomodachi. Life. Wo. Träume. Wahr. Werden.

Was ein Titel. Aber wichtig für den Fall, dass man sich nicht ganz so gut auskennt und einfach irgendwo shoppen will. eBay oder Kleinanzeigen zum Beispiel. Ansonsten habt ihr noch die Diskussion zuhause warum ihr nur ne komische Cartridge habt, die einfach nicht in die Switch 2 passt. Glaubt mir. Das würde euch Jahrzehnte verfolgen.
Jetzt aber mal zum Spiel
Tomodachi Life (So nenn ich das jetzt im Artikel. Ich tipp mir da jetzt keinen Wolf.) ist die Nintendo-Variante von Die Sims.
Ihr steuert die kleinen Miis nicht selber. Ihr beginnt auf einer verlassenen Insel und kreiert das erste Mii. Hier tobt ihr euch ordentlich mit dem Aussehen aus. Zusätzlich könnt ihr Charaktereigenschaften ausbalancieren. Ist der Mii eher schüchtern oder forsch. Agiert der Mii eher schnell oder langsam. Später könnt ihr den Miis dann noch Eigenheiten verpassen. Mein Sohn hat sich natürlich selber gebastelt. Bei ihm endet jeder zweite Satz mit "..., digger.". Ich müsste lügen, wenn ich sagen sollte, dass ich das nicht witzig finde. Außerdem läuft er nervös durch die Gegend. Das ist schon etwas familiäres Slapstick-Gold.

Das ist bei einem Charakter schon amüsant. Aber wenn hier zwei Kids, der eine 8 Jahre, die andere 10 Jahre, ihre besten Freunde nachbasteln, dann noch einige aus deren Klasse, zusätzlich soll die Familie nicht fehlen,... Dann wird es auf der Insel recht schnell amüsant wuselig.
Die Kinder haben dabei eine diebische Freude. Da werden natürlich auch die Personen aus der Klasse nachgebaut, die man diplomatisch als Erzfeinde bezeichnen könnte.
Und dann fetzen die da alle auf der Insel rum und man selber spielt quasi Gott.

Denn man packt die Miis in bester Black and White-Manier am Schlafittchen und kann die dann irgendwo auf der Insel wieder absetzen um mit anderen Miis, Gegenständen oder Einrichtungen zu interagieren.
Außerdem kümmert man sich um die Miis, wenn sie Hunger oder irgendwelche anderen Bedürfnisse haben. Wie zum Beispiel eine Starre im Po. Dann muss man mit einem riesigen Finger den Mii stupsen, bis er aus seiner Po-Starre erwacht.
Und man kann die Miis auch einfach packen und zwangssozialisieren. Wenn man diese dann neben einem anderen Mii fallen lässt, dann geht das Gequatsche los. Und dabei freunden die Miis sich an... oder eben nicht.
Das ist wie ein riesiges Puppenhaus mit Puppen auf Koks.
Damit man sich das besser vorstellen kann, habe ich mir den Spaß gemacht und meine Kids das Spiel erklären lassen. Erwartet nicht, dass das kurz und auf den Punkt ist. Aber das macht es vielleicht aus.
Ein Spiel für kleine Menschen
Tomodachi zeigt wunderbar, wie man ein Spiel machen kann, wenn man seine Zielgruppe richtig versteht. Ich habe die Kids lange nicht mehr so viel bei einem Spiel kichern hören. Und permanent gibt es irgendwas von Interesse. Allein das Verkuppeln der Miis beschäftigt die für Stunden.
Nachdem hier auch die verschiedenen Freunde nachgestellt wurden, war das natürlich auch ein Highlight, als die Freunde vorbeigekommen sind und das alles breit und ausführlich gezeigt werden musste.
All die Aktivitäten sind auch darauf ausgelegt, dass man schnellen, einfachen, unkomplizierten Spaß haben kann. Das ist hier kein Busy Work.
Der Fortschritt geht schnell vonstatten.

Man kann wohl bis zu 100 Miis auf der Insel haben. Aber bis es soweit ist, ist man einige Zeit beschäftigt.
Und wenn ich wollte könnte dieser Anspielbericht noch viele Seiten weitergehen. Denn viel Freude liegt dann in den Details.
Hat sich X schon in Y verliebt?
Warum haben sich über Nacht A und B angefreundet?
Ziehen einige der Miis bald zusammen?
Es gibt hier quasi lauter kleine Soap-Operas, die für die Zielgruppe genau richtig unterhalten.
Technisch gesehen...
Grafisch ist es zwar simpel gehalten, aber es sieht süß und rund aus. Klar ist das hier alles überbordent bunt und zuckersüß. Die Miis sehen etwas simpler aus. Aber in Summe stimmt das Gesamtbild.
Und wenn man näher reinzoomt, dann sind die Häuser gut designet und haben auch einige hübsche Details.
Hier seht ihr die drei Kameraperspektiven. Weit weg, mittel und nah dran.



Auch wenn die Sprachausgabe maximal strange ist, da sich alles anhört wie aus einem schlechten Sprachprogramm, macht es doch einiges an Charme aus. Obwohl ich jeden verstehen kann, der sich stattdessen lieber die Ohren mit einem Lötkolben reinigen will. Und wichtige Anmerkung: Das Spiel ist damit komplett auf Deutsch vertont.
Auch die Stimmen, die man den Miis gibt, können gerne in die, sagen wir mal, außergewöhnlichen Stimmvariationen gehen. Was mich flüchten lässt, begeistert den 8-jährigen, der jedes Mal quiekt, wenn sein Mii in schneller, hochgepitchter Stimme rumjammert.
Wo Träume wahr werden...
Okay. Definitiv nicht meine Träume. Das ist dann wohl eher der Job Simulator. Und das will eigentlich echt keiner.
Aber Kinderträume werden hier schon wahr. Zieh mit deinen Freunden zusammen, verkuppel alle aus deiner Klasse, die dir so einfallen, male das Haus deiner Schwester greislig an,... Ich denke, viele Träume oder Wünsche meiner Kids können hier "wahr" werden.
Ich kann das Spiel uneingeschränkt empfehlen. Also für eure Kinder.

Ich streif aktuell dann doch lieber in Crimson Desert durch die Gegend und sammel Schmetterlinge... und kill Zeugs.
Begleitend ist Tomodachi Life ab dem Grunschulalter schon interessant und spielbar. Aber ich denke, es gibt hier auch genug junggebliebene Erwachsene, die diesem Charme erliegen könnten.
Plattform: Switch 2 (auch verfügbar auf Switch 1)
Komplettiert: Nein
Spielzeit: 15 Stunden
Sprache: Deutsch (Sprachausgabe) / Deutsch (Text)




Kommentare