High Guard - Low Impact
- Mikel

- 20. März
- 3 Min. Lesezeit

Vor ein paar Tagen wurden High Guards Server abgeschaltet. Die Verteidigung gegen die diversen Tiefschläge war wohl doch nicht so gut. Einiges davon war selbst eingebrockt, viel kam von außen eingeprasselt und bei einigen hat man die gegenwärtige Arena der kompetitiven Shooter völlig falsch eingeschätzt.
Uns wen'ge, uns beglücktes Häuflein Brüder
Doch vielleicht vor den vielen Nackenschlägen eine kleine Froschperspektive. Meine Perspektive. Ich habe schon ewig keinen kompetitiven Shooter mehr gespielt. Es ist schon so lange her, dass mein letzter Shooter in den Nebeln des Krieges verloren ist. Als die anderen WTFPSer mal reingucken wollten, dachte ich nur: "Warum nicht?".
Und mir hat es echt ziemlich gut gefallen. Auch wenn die Niederlagen zahlreicher als die Siege waren. Der Spielverlauf war eine Mischung aus verschiedenen Dingen, die alle irgendwie das gewisse Etwas haben. Erst mal Loslaufen, um Upgrades einzusammeln. Dann zum Shield Breaker flitzen. Sich hitzige Gefechte um das Teil liefern. Anschließend irgendwie zur eigenen oder gegnerischen Basis hetzen, permanent um den Shield Breaker kämpfend. Sich hitzige Gefechte um das Teil liefern. Als letztes dann entweder die eigene Basis verteidigen oder die gegnerische stürmen. Immer eingeleitet durch den Klang eines Kriegshorns und einem Spruch des auslösenden Charakters. Jede Mal hat das meine Kampfeslust noch mehr entfacht. Wie bei Counter Strike ging es in dieser Phase dann darum, entweder Bomben zu legen oder zu entschärfen.
Alles begleitet von unterschiedlichen Waffen und verschiedenen Fähigkeiten der Spielfiguren. Ich fand das Movement und Waffenhandling gut. Zwar hätte das Reiten noch einen Ticken schneller und wendiger sein können, selbst mit dem besten Sattel. Und auch die Waffen ein klein wenig schneller und satter klingen können. Das war jedoch kein großartiger Bruch.
Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass ich nach knapp 10 Stunden aufgehört habe und zusammen mit dem großen Exodus ebenfalls mit dem Spiel gebrochen habe.
Kassieren statt Parieren
Denn auf Dauer war High Guard eine Hülle ohne Füllung. Ich glaube, dass kein Aufschub mehr möglich war. Das einfach Geld in die Kasse musste, um die Einstellung schon vor der Veröffentlichung abzuwehren. Es gab zu Beginn mit unranked 3v3 genau einen Modus. Zwar kam recht zügig Ranked und 5v5 dazu, aber bis dahin hatte High Guard schon zu viele Treffer kassiert. Denn die Spieler waren schon weg und das Geld blieb aus. Mehrere teils 20€ teure Packs mit kosmischen Kram waren zum Start jedoch fertig.
Für Entwickler Wildlight war das ein Schlag aus dem toten Winkel. Intern haben sich alle auf die Schulter geklopft und dachten, man hätte das nächste große Ding erschaffen. Man hat ja auch an Titanfall und Apex Legends gearbeitet. Das die Führung dachte, ein Shadow Drop wäre eine gute Idee, war imho ein großer Teil der polierten Fresse für High Guard. Nur weil es vor 7(!) Jahren bei Apex Legends funktioniert hat. Das das Spiel dann, gerade auf dem PC, im schlechten technischen Zustand herauskam war auch nicht förderlich. So hatte man auch nichts dem Verlust von 90% der potenziellen Spielerschaft binnen 24 Stunden entgegen zu setzen.
Keinerlei Außenverteidigung
Der andere, unübersehbare Faux Pas war der Trailer bei den Game Awards 2025. Der letzte Trailer der Show ist wohl immer ein riesiges Ding. Keine Ahnung, denn ich habe schon damals kein QVC geguckt und spare mir diese Dauerwerbesendung. Auf jeden Fall hatte High Guard diese Ehre. Das hat so einem kleinen Spiel absolut nicht gut getan. Denn dafür war das Design zu generische Science-Fantasy und F2P-Shooter rufen heutzutage automatisch Hater auf dem Plan.
High Guard hatte von da an mit einem feindseligen Internetmob zu kämpfen. Der nachvollziehbare Teil hatte einfach nur keinen Bock auf einen F2P-Shooter. Andere wollten ein Titanfall 3 statt eines High Guards. Dann war da noch die Kritik unter der sich viele schwarze Schafe gemischt haben. Ich glaube schon, dass mehr als genug Leute das Figurendesign einfach langweilig fanden und sich einfach was anderes gewünscht haben. Dazwischen haben sich dann leider auch viele Rechtsextreme gemischt, die die Figuren wegen ihres bigotten Weltbilds abgelehnt haben. Wenn diese Gruppe sich einmal ein Ziel gesucht hat, dann folgt meist ein größerer Shitstorm.
Die letzten Reserven
Der irreparable Schaden war also da. Als dann auch noch Geldgeber Tencent den Geldhahn zugedreht hat war es also vorbei. Auch ohne die anderen Hindernisse hätte High Guard es schwer gehabt. Die Arena der F2P-Shooter ist stark umkämpft und prall gefüllt. Man hätte aus dem Stand genug Einsteiger und Überläufer binden müssen. Die meisten werden aber bei den ganz großen Titeln des Genres bleiben, denn darauf sind diese Spiele auch ausgelegt. Neben den direkten Konkurrenten gibt es ja auch weitere Forever-Games, wie zum Beispiel Arc Raiders. Mit Marathon rücken ja auch immer mal wieder andere ähnliche Spiele nach.
Am Ende sind bei Wildlight die Lichter ausgegangen und High Guard gebrochen. Irgendwie schade, aber dann auch nicht zu sehr.




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