Ninja Gaiden 4
- Mikel

- 18. Apr.
- 6 Min. Lesezeit

Ninja Gaiden 4 war letztes Jahr das einzige Spiel, das ich zu Release kaufen wollte. Und das Hauptspiel hat mich nicht enttäuscht. Es ist für mich das beste reine Actionspiel seit Jahren. Natürlich war dies auch leicht, weil alle größeren Character Action Games der letzten Jahre entweder kleiner waren oder als Gesamtwerk nicht so rund.
The Art of Pain
Das Herzstück sind natürlich die Kämpfe. Platinum Games hat hier abgeliefert. Die Puristen der Reihe laufen zwar Sturm, weil Ninja Gaiden 4 näher an deren Titeln wie Metal Gear Rising: Revengeance oder Bayonetta und nicht mehr eine Erweiterung/Verfeinerung von Itagaki Tomonobus (RIP) Idee ist. Was damit gemeint ist wäre die Tatsache, dass es kombobasierter ist und Perfektes Ausweichen eine zum Parieren gleichwertige Defensivoption ist. Ich persönlich finde die Änderung gut, aber es gibt eine sehr laute Minderheit an Puristen, die diese verteufeln. Nur so als Info, falls ihr nach Userwertungen zu dem Spiel sucht und wundert, warum es da so viele Gegenstimmen im Netz gibt.

Nun aber zurück zum Kampfsystem. Die Gegner sind um einiges aggressiver als in vielen anderen Spielen dieser Art. Da sie ebenfalls ziemlich schnell Blocken kann man im Gegensatz zu anderen ähnlichen Spielen wie Devil May Cry 5: Special Edition oder Bayonetta nicht einfach seine Kombos an Gegnern im Stunlock runterrocken, sondern muss sich konstant der Situation anpassen. Dadurch wird es dann auch zu Beginn schwerer als viele andere Spiele.
Da der eigene Skill aber die wichtigste Rolle spielt wird Ninja Gaiden 4 paradoxerweise umso einfacher, je länger man spielt. Ich habe mir im ersten Durchgang auf "Normal" richtig einen abgebrochen und bin im zweiten Durchgang auf "Schwer" durchgeschwebt. "Master Ninja" habe ich ehrlich gesagt gar nicht ausprobiert, da ich keine Lust auf den Stress hatte. Sobald es im Kopf "Klick" gemacht hat und man mehr Fähigkeiten und alle Waffen freigeschaltet hat wird man vom Spielball der Gegner zu effizienten Killermaschine. Im Grunde kommt es darauf an, sich von den Gegnergruppen nicht einkesseln zu lassen und im richtigen Moment Angriffe abzuwehren. Auch der Alternativmodus der Waffen, der über ein Meter begrenzt wird, ist eine wichtige Komponente. Denn so können schwere Angriffe der Gegner oder Verteidigungshaltungen der Gegner gebrochen werden. Und natürlich sollte man, wie immer im Genre, wissen, wann der Moment gekommen ist, um den Supermodus zu aktivieren.
Viel wichtiger als Angriff ist aber die Verteidigung. Paraden und Perfektes Ausweichen sind die eigentlichen Mittel, um den Game-Over-Bildschirm möglichst selten zu sehen. Zwar wird man mit Heilmitteln zugeschmissen, da aber der erhaltene Schaden schon auf "Normal" hoch ist und auf den höheren Schwierigkeitsgraden nur noch krasser wird, ist keinen Schaden bekommen immer die besser Alternative. Sollte man mal sterben, ist es aber auch nicht so schlimm, da die Checkpoints praktisch vor jedem Kampf sind. Jeder Tod fließt halt nur negativ in die Endbewertung mit ein.
Genretypisch sind die Bonuslevel nur Kämpfe, die man glücklicherweise nur überleben muss. Ebenfalls muss man ungefähr anderthalb bis zwei Durchgänge einplanen, wenn man alle Fähigkeiten freischalten will. Was ich persönlich gut finde ist, dass man Grundfähigkeiten mit einer anderen, viel leichter zu erspielenden Währung kaufbar sind als die Waffenfertigkeiten.
Die einfacher zu bekommende Währung wird ansonsten nur für Consumables gebraucht. Die andere Währung bekommt man nur per Kampf und in Abhängigkeit von der eigenen Performance in den Kämpfen.
Nach dem ersten Durchlauf schaltet man die Herausforderungen frei. Einerseits gibt es Boss-Herausforderungen, die aber im Endeffekt nur ein nett verkleideter Bossrush sind. Man schaltet darüber halt nur Yakumos letzte Waffe frei. Die interessanteren Herausforderungen sind die Kampf-Herausforderungen. Dies sind Kämpfe mit vorgegebenen Items und bestimmten Umständen wie Zeitlimits. Bei Herausforderung 15 hab ich die Segel gestrichen, nachdem ich drei Stunden damit verschwendet hab.
Double Dragon

Eine in dem Genre bei größeren Titeln fest etablierte Sitte ist, dass es mehrere steuerbare Figuren gibt. Auch für Ninja Gaiden 4 gilt das. Den Großteil des Spiels ist man mit Newcomer Yakumo unterwegs. Dieser hat insgesamt fünf Waffen mit zwei verschiedenen Modi zur Verfügung. Man wechselt dabei nicht zwischen den Modi, sondern kann Attacken per Knopfdruck verstärken. Dies zehrt jedoch von einem Meter, dass durch Exekutionen und Zeit wieder aufgeladen wird. Diese Spielmechanik bereichert das Spiel ungemein, da man zwar immer die Initiative behält, aber nicht blindlings drauflos schlagen kann. Die andere Spielfigur ist Hayabusa Ryu, der ursprüngliche Protagonist der Reihe. Er hat nur eine Waffe und vier verschiedene Ninpo, was aber völlig ausreicht. Seinem legendärem Ruf entsprechend ist er nämlich viel stärker als Yakumo, zumindest fühlt es sich so an. Seine Angriffe machen pro Schlag mehr Schaden und gerade drei der vier Ninpo sind übermächtig stark. Die grundlegende Mechanik ist die gleiche wie bei Yakumos Alternativangriffen, nur dass die Ninpo die meisten Gegner direkt beseitigen.
So sehr sich die beiden spielmechanisch unterscheiden, so ähnlich sind sie sich charakterlich. Teil Vier ist das moderne Ninja Gaiden mit der dürftigsten Story und der wenigsten Charakterinteraktion. Keine der Figuren kommt richtig zur Geltung und die Geschichte ist eine simple Jagd nach Siegeln, um den Bösewicht anschließend zu töten.
Auch für die Genre üblichen sehr übertriebenen Zwischensequenzen sind trotz literweise Bluts seltsam blutleer. Bis auf den Shot einer Exekution ganz am Ende bleibt das meilenweit hinter der Motorradsequenz in Devil May Cry 3: Special Edition, dem Finisher von Jubileus in Bayonetta oder der ersten Legionsfusion in Astral Chain.
Dafür hat es die genreüblichen Schwächen wie sehr langweiliges Environmental Design oder unnötige Sprungpassagen, die nervig sind ohne wirklich anspruchsvoll zu sein. Gegnervielfalt und Design fand ich jetzt auch nicht so gut. Vor allem, da die meisten Gegner verschiedener Fraktionen doch sehr ähnlich sind, da sie gleiche Rollen erfüllen. Oder den lahmen japanischen Spieldesigntrick Gegnern eine andere Farbe und etwas stärkere Angriffe zu geben und das dann als komplett neue Gegnerart zu deklarieren.
Die japanischen Sprecher machen ihre wenige Arbeit gut, aber richtig kann man das eigentlich nicht bewerten. Die Musik ist auch solide, hat aber leider keinerlei Ohrwurmpotential.
The Two Masters

Nicht mal solide hingegen ist der DLC. Am enttäuschendsten fand ich die drei neuen Level. Zwar sind auch die Level des Hauptspiels eigentlich nur eine Ausrede, um von einer Arena zur nächsten zu kommen, aber hier fühlt es sich einfach nur plump an. Keine Abzweigungen und teilweise zusammenhanglos einfach von einem Kampf zum nächsten. Die neue Umgebung sieht man leider nur sporadisch. Diese ist als Unterwasserwelt ohne Wasser ganz kreativ. Warum diese was mit der Antagonistin "Seere" zu tun hat bleibt ein Geheimnis. Generell ist sie irgendwie einfach nur da. Storymäßig und inszenatorisch lohnt sich nur die letzte Zwischensequenz.
Ninja Gaiden spielt man, wie gesagt, ja nicht wegen des Plots. Die neuen Level haben zwar viele, aber keine neuen Gegner. Eine Handvoll neue Bosse gibt es zwar, aber auf "Normal" sind sie bis auf den Endboss zu schnell gestorben. Da man die beiden neuen Waffen, eine pro Charakter, einfach in die Hand gedrückt bekommt, ist da keinerlei Bindung zu ihnen. Die Sense für Yakumo finde ich ziemlich gut, aber die Handschuh für Ryu habe ich gar nicht benutzt.
Die sechs neuen Herausforderungen bin ich gar nicht angegangen, da ich zu dem Zeitpunkt die Schnauze voll von diesen hatte. In die "Straße des Abgrunds" hab ich nur reingespielt, da es sich eigentlich nur um Fegefeuer-Herausforderungen aneinander gekettet handelt.
Ich halte den DLC rückblickend für Geldverschwendung, da die Story absolut unterwältigend ist. Er lohnt sich nur, wenn man von den Kämpfen absolut gar nicht genug bekommen kann. Das gilt übrigens für alle Deluxe-Upgrades, denn die zwei Kostüme sind auch nicht der Rede wert und die Ingame-Währung hat man sich recht schnell erspielt.
Fazit
Ninja Gaiden 4 ist als Character Action Game echt spitze, hat aber mit vielen dem Genre inhärenten Schwächen zu kämpfen. Es nimmt sich auch irgendwie zu ernst, aber das ist nur meine Präferenz. Die Kämpfe selbst sind die besten Echtzeitkämpfe, die ich in letzter Zeit gespielt habe, aber viel mehr hat es leider kaum zu bieten. Mir hat das gereicht, weshalb ich es ziemlich gut fand. Man muss aber auf diese Art von Spiel stehen. Devil May Cry 5: Special Edition ist im Genre besser und God of War als Spiel mit einem Echtzeitkampfsystem. Seine 30€ ist Ninja Gaiden 4 jedoch locker wert.
Plattform: PS5
Modus: Performancemodus
Komplettiert: Nein
Platiniert: Nein
Spielzeit: Knapp 45 Stunden
Schwierigkeitsgrad: Normal, Schwer
Sprache: Japanisch (Sprachausgabe) / Deutsch (Text)




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