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Screamer - Ein Arcaderacer von dem ich nicht wusste, dass ich ihn brauche

  • Autorenbild: Glayd
    Glayd
  • 20. Apr.
  • 9 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 24. Apr.

Screamer habe ich erst kurz vor Release richtig Aufmerksamkeit geschenkt. Und die ersten Videos sahen interessant aus. Hat mich nicht sofort gekriegt. Sah es doch erst mal nur okay aus. Gab auch nicht viel Coverage. Nachdem ich nun gute 12 Stunden gespielt habe, muss die Coverage etwas korrigiert werden. Das hier ist mehr als ein Kleinod geworden und es verdient mehr Aufmerksamkeit.


Screamer sollte eigentlich jedem gefallen, dem sowas wie Burnout 2, F-Zero oder WipeOut fehlt. Schnelle, intensive Arcade-Racer.


Bleifuss

Erstmal sei erwähnt, dass das hier immer noch die gleichen Entwickler sind, die damals schon Screamer/Bleifuss gemacht haben.

Milestone S.r.l. aus Mailand. Wäre bei dem Japano-Setting nicht meine erste Wette gewesen.

Generell war ich etwas skeptisch, wenn ich von dem Entwickler über Jahrzehnte nix gehört habe. Gibt ja dann doch eine recht Lücke zwischen Bleifuss (1995), Bleifuss 2 (1996) und Bleifuss Rally (1997). Alles damals noch für MS-DOS. Und ich hab die alle gespielt. Auch wenn mein Lieblingsteil, Bleifuss Fun (1996), doch etwas mehr zu meinen Rennfertigkeiten als 12-jähriger gepasst hat.


Milestone war aber in der Zwischenzeit nicht untätig. Ganz im Gegenteil. Wenn ich John wäre, wäre das wohl nicht neu für mich. So hatte ich aber erst mal keinen Schimmer, dass Milestone hinter all diesen Reihen steht:

  • Monster Energy Supercross (7 Games)

  • MotoGP (15 Games)

  • MXGP (7 Games)

  • Ride (6 Games)

  • WRC FIA World Rally Championship (4 Games)

  • Hot Wheels Unleashed (2 Games)


Also mal von Hot Wheels Unleashed abgesehen, hat da jemand ein recht starkes Profil in Simulations-Racer und einen ordentlichen Output an Games mit guten Rezensionen.

Und je mehr ich Screamer spiele, desto weniger wundert mich die SIM-Hingabe der Entwickler.

Denn für einen Arcade-Racer steckt hier überraschend viel Technik, Finesse und Herausforderung drin. Aber halt definitiv keine Simulation. Schneller Rennspaß auf 11 gedreht in einer nicht allzu fernen Cyberpunk-Welt, Rennen mit super schnellem Gameplay, vereinfachter Schaltthematik für Boosts, genug Explosionen für einen Michael-Bay-Film und treibende Electro-Mucke.


Inhalt

Nachdem das Spiel aktuell nicht groß besprochen wird und es nicht ganz so selbsterklärend ist, werde ich etwas ausholen und den Artikel wie folgt aufteilen:

  • Style (Text und Video)

  • Modi (Text und Video)

  • Gameplay Erklärung (Text und Video)

  • Abschließend noch ein längeres Gameplayvideo


Style with Substance

Wie oben schon erwähnt, dass das ein Spiel aus Italien ist, hat mich überrascht. Wirkt es durch die Bank so, als ob es eigentlich direkt von Konami kommen könnte.

Wer also auf Arcade-Racing, Anime und schrammelnde, treibende Musik steht, wird hier wahrscheinlich sehr glücklich.


Das Intro zeigt das recht gut:


Der Song heißt übrigens SURVIVE von WAGAMAMA RAKIA.


Hier gibt's den auf die Ohren:


Bei mir lief der schon auf Dauerschleife.


Bevor es um den Grafikstil während der Rennen geht. Milestone hat hier ordentlich geliefert. Allein das Menü ist genial designt und die haben ordentlich Arbeit in einen Story-Mode gesteckt.

Normalerweise wäre das ein Moment, bei dem man zurückschrecken sollte. Sind Racer mit Story selten eine gute Idee... Oder zumindest selten gut umgesetzt. Je mehr ich drüber nachdenke... Wurde das jemals gut umgesetzt?!?


Hier macht das Ganze aber doch mehr Spaß als erwartet. Ist auch nichts tiefgreifendes oder bewegendes. Aber es passt einfach. Eventuell wartet auf mich noch ein paar nette Plottwists. Bin bisher bei der Hälfte der 71 Kapitel.

Die Story wird hauptsächlich old-school RPG-artig mit fixen Charakter-Bildern erzählt. Die Charaktere sind alle voll vertont und die Story wird meist zwischen den Rennen erzählt. Ab und an auch währenddessen. Zusätzlich werden immer mal wieder ein paar Anime-Videos eingestreut, die auch wenn sie kurz sind, qualitativ super gezeichnet sind. Wenn es nach mig ginge, können die da gleich ne richtige Serie draus machen.


Ein anderes Element, welches ich nicht habe kommen sehen, war etwas ganz anderes. Scheinbar haben alle Charaktere einen Babbelfisch oder etwas in der Art im Ohr. Denn die sprechen alle ihre Muttersprache. Das wirkt erst mal verwunderlich, wenn Frederic auf Französisch anfängt, Hoisin auf Japanisch antwortet und Roisin ihn dann auf Schottisch beleidigt. Über die Niederländer spreche ich mal nicht. Das ist einfach immer wieder komisch. Im doppelten Sinne.

Das unterstreicht diesen netten Cyberpunk-Charme weiter.

Generell ist dann tonal und inhaltlich alles dabei. Abhängig von den Teams geht es mal derber zu (Yakuza und Berufssoldaten), zu üblichem Kitsch (JPOP-Girlie-Band) oder etwas trockener (Ingenieure...).


Einen kleinen Einblick in das Menü, die Story-Bites und die Anime-Sequenzen seht ihr hier:


Dann ist da das Gameplay. Es schafft einen Spagat zwischen hübscher Grafik im bunten Stil mit einer leichten Cel-Shading-Note mit genau den richtigen Details und Effekten, damit die Performance nicht leidet. Und das ohne große Fehler. Muss man ja erwähnen. Ist ein UE5-Game.

Es läuft butterweich, hat schöne Lichteffekte, wenn man in die Tunnel fährt oder nachts bei Regen durch die stark beleuchteten Städte rast. Die Autos sind schön unterschiedlich designt und die Spiegelungen sehen gut aus. Das hier ist kein Auto-Porn. Es sieht nichtsdestotrotz in Bewegung einfach unglaublich gut aus. Die Umgebung ist dabei nicht mal mega detailliert. Im Standbild sieht man das natürlich. Wenn man fährt, ist das aber alles nicht mehr wahrnehmbar und das Gesamtbild ist einfach rund. Genau so stelle ich mir einen aktuell hübschen Arcade-Racer vor. Das strotzt alles nur vor Stil und Persönlichkeit.


Vom Start weg mit brauchbarem Foto-Modus

Im Foto-Mode kann man sich dann auch noch ordentlich austoben. Der kann was. Steuerung ist etwas hakelig in den Menüs, wenn man Werte einzeln verstellen muss und erst nach dem Processing sieht was die Einstellungen gemacht haben.

Aber erst mal die Standwardwerte nehmen und sich langsam rantasten.

Man kann hier alles wichtige einstellen und auch die typischen Mitzieh-Effekte erzeugen.

Das hier habe ich mit dem Foto-Mode erstellt:



Das ganze auch noch in Bewegung

Um euch das etwas anschaulicher zu machen, habe ich ein paar Video-Snippets aus verschiedenen Strecken mit allen Autos aufgenommen, damit man ein besseres Bild vom Stil bekommt:



Hoffe, dass hilft ein guten Einblick in die Grafik und den Stil zu bekommen.


Und wenn Langeweile bei den Designs der Autos aufkommt, dann kann man noch fleißig mit den Custom Designs spielen:



Spiel-Modi

Zuerst das Wichtigste:

ES HAT EINEN LOKALEN 4-PLAYER-MODUS!!!

Und das in 2026.


Zur Auswahl habt ihr:

  • 15 Fahrer/innen

  • 32 Strecken


In der Arcade gibt es:

  • Rennen

  • Team-Rennen

  • Score Challenge

  • Overdrive Challenge

  • Checkpoints

  • Zeitrennen


Das ist soweit selbst erklärend und der ordentliche Fix für ein paar Rennen zwischendrin. Außerdem nett. Man schaltet mit egal welchem Rennen weitere Strecken, Fahrer und Designs frei.


Auf der Multiplayer-Seite ist es eher basic:


  • Online-Rennen

  • Splitscreen für 2-4 Spieler


Aber bevor man sich an diese Modi setzt, macht es Sinn den Story-Mode, genannt "The Tournament", zu spielen. Hierbei schaltet ihr nebenbei Stück für Stück die verschiedenen Strecken und Fahrer frei. Außerdem wird man langsam in die Mechaniken eingeführt. Und langsam ist gut. Denn die Mechaniken haben es in sich. Dieses Spiel kann man vergessen, wenn man es aus dem Stegreif spielen will. Die Twin-Stick Renn-und-Drift-Mechanik ist schon eigen. Aber gut. Dann kommt der Mini-Boost hinzu, bei dem man quasi immer zum richtigen Moment hochschalten muss. Schaltung ist sonst automatisch. Aber nur mit dem zusätzlichen manuellen Hochschalten bekommt man einen kleinen Boost, der aber essentiell ist.

Dann kommen weitere Boost-Mechaniken hinzu, sowie offensive Mechaniken wie die Strike und die defensive Mechanik des Schildes.

Daher... Erst mal mit dem Story-Mode anfangen. Ist besser so. Hat auch ein super Pacing was die Lernkurve betrifft.


Gameplay

Hier wird's spannend. Wie schon erwähnt, ist das Gameplay sehr unique.

Zuerst die Basics: Die Strecken sind zwar ordentlich breit, aber jeder Track ist ziemlich gewunden. S-Kurven, weite und enge U-Turns soweit das Auge reicht.

Der typische perfekte Start, der einen mit einem ordentlichen Boost belohnt, darf natürlich nicht fehlen.


Mit der normalen Lenkung über den linken Stick kommt man kaum durch die Kurven. Driften ist hier Pflicht. Das macht man parallel mit dem rechten Stick. Ist erst mal ungewöhnlich. Lässt sich aber super dosieren und ich hatte da recht schnell den Dreh raus. Und das fühlt sich schon ziemlich gut an. Okay. Am Anfang habe ich doch mehr die Bande geküsst. Wenn man sich aber eingroovt und die Scheitelpunkte der Kurve anzielt, dann driftet man schneller und kontrollierter durch die Kurven als man meint. Genauso eine Power-Racing-Fantasie, wie man sie haben will. Allein das zu meistern und gegen die Zeit zu fahren macht schon Spaß. So gut ist das Renngefühl. Sowas hat man sonst eher in Racing-SIMs. Aber mit viel mehr Aufwand. Die Autos fahren sich in den Kurven auch ordentlich unterschiedlich. Die einen etwas behäbiger. Die anderen etwas reaktiver. Da sollte für jeden was dabei sein. Wirklich im Nachteil ist man mit keinem, denn....

Es bleibt ja nicht bei technisch sauberen Drifts.

Jedes mal im oberen Drehzahlbereich kann man manuell einen Gang hochgeschalten. Wenn man nix macht, schaltet er automatisch. Aber wenn man es erfolgreich manuell macht, dann gibt es einen kleinen Boost.


Vor allem, wenn man aus Kurven rausdriftet, kann man das recht gut nutzen, um zügig wieder auf Geschwindigkeit zu kommen.


Dann kommt die nächste Mechanik. Milestone hat es die Echo-Mechanik genannt. Eine kleine Zauberbox, die in jedem Auto verbaut ist und wohl auch irgendeine alberne Zauberei nutzt, damit sich der große Boost laden kann und durch die Emotionen der Fahrer gibt es dann auch noch den Schild und die Strike-Attacken. Jeder kleine Mini-Boost beim Schalten lädt die große Boostzeige. Wenn man die Boost-Taste hält, dann kommt ein kleines Reaktionsspiel. Wenn man im richtigen Moment die Boost-Taste loslässt, dann gibt es einen sehr langen Boost. Ansonsten nur einen mittleren Boost. Jedes Mal wenn man so einen Boost auslöst, dann lädt sich eine zweite Anzeige auf, die man dann für den Schild oder für den Strike nutzen kann.

Diese Mechaniken sorgen dafür, dass man angehalten ist, die Hochschalt-Boosts möglich häufig zu nutzen, sowie seine mittleren und langen Boosts nicht zu spärlich zu einzusetzen. Wie vorhin schon gesagt. Viele Geraden gibt es hier nicht. In den vielen Kurven zu boosten wird dann schon herausfordernder. Ist aber erforderlich. Das waren dann die Momente, in denen klar war, dass man wohl bei den Drifts mal vom Gas sollte oder sogar eventuell kurz anbremsen sollte. Nix besonderes bei ner Racing-SIM. Für nen Arcade-Racer bremst man hier überraschend viel.


Dann kommen der Schild und der Strike dazu. Das ist dann der Moment, in dem man am besten in den Affengriff am Controller übergeht.

Würde ich das lesen, wäre ich wohl erst mal abgeschreckt. Daher muss ich den Storymodus nochmal hervorheben, der einen die einzelnen Mechaniken langsam beibringt, bevor es mit der nächsten Mechanik weitergeht. Man wird hier nicht groß an die Hand genommen. Es wird einfach nur kompakt und gut verständlich eingeführt und dann wird einem genug Zeit gegeben etwas erste Routine aufbauen. Genau so macht man das. Da haben die Entwickler alles richtig gemacht.


Wenn man dann später in den Rennen unterwegs ist, dann ist das ein ziemlicher Overflow an Speed, anderen aggressiven Racern, unterschiedlichen Anzeigen, die man aus dem Augenwinkel im Blick haben muss, damit das Timing immer sitzt, während man fleißig durch die Kurven driftet. Man hat kaum Zeit die Augen von den Kurven zu nehmen. Es wird aber nie zu viel. Es bleibt immer an der Grenze zu dem, was man als Otto-Normal-Gamer noch wahrnehmen kann. Wenn dann ein Rennen, durchgetrieben von der Musik, einfach nur flüssig läuft, während man sich im Feld beweisen muss, dann ist das ein ziemlicher Push. Da fühlt sich der Geschwindigkeitsrausch ziemlich so an wie ich mich an F-Zero oder WipeOut erinnere. Ohne dass es hier gleich futuristische Gleiter sind. Oder eben wie in Burnout 2, wenn man einen Burnout nach dem anderen nutzte. Da stellt sich dieser wunderbare Tunnelblick ein.

Im Video habe ich einen Zusammenschnitt mit allen Fahrern und deren Boliden gemacht.

Nicht schlagen. Ich bin hier eher abgelenkt gefahren und habe hier nicht meine total respektablen Rekordzeiten aufgenommen. Jede unnötige Berührung mit der Bande sei mir daher verziehen. Aber es ist alles dabei. Perfekte Starts, Shift Boosts, reguläre Boosts, Strikes,...




Überraschend zugänglich

Um den Splitscreen-Modus zu viert zu testen, habe ich meine beiden Kids und Frau dafür zwangsrekrutiert. Ohne jegliche Einführung war das nun weniger spaßig für die meisten. Gut. Ist halt kein Mario-Kart. Aber der 8-jährige Zwerg hat sich schockverliebt und wollte unbedingt mehr spielen. Dann habe ich ihm die Mechaniken im Zeitfahren gezeigt.

Da hat er dann erst mal ein paar Runden gedreht. Als nächstes waren ein paar Rennen dran. Man kann nicht nur den Schwierigkeitsgrad umstellen. "Very easy" war hier erst mal sinnvoll. Die Mechaniken kann man in "Custom Rules" zusätzlich anpassen. Dort konnte ich unter anderem die Offensiv-Mechaniken ausstellen und auch den Aufholboost anpassen. Das ganze als Easy-Kids-Mode gespeichert.

Seitdem dreht er fleißig seine Runden und freut sich wie ein Schnitzel, wenn er auf dem Siegertreppchen steht.

Das hat mich doch überrascht wie gut man das Spiel einfacher und zugänglicher einstellen kann.

In die andere Richtung geht es natürlich auch. Also wenn man ordentlich schwitzen will. Handtücher sollten bereit stehen.


Noch mehr Eindrücke

Zusätzlich findet ihr hier die Video-Sammlung von Milestone mit allen veröffentlichten Videos, in denen sie selber nochmal die verschiedenen Modi, Teams etwas Making-Of zeigen. In Summe 41 Minuten Videomaterial:


Fazit


Screamer kam für mich einigermaßen überraschend. Ich war zwar überzeugt, dass es mir gut gefallen wird. Ich bin nun aber extrem positiv überrascht. Genau so will ich Arcade-Racer! Ich kann mich an keinen Arcade-Racer aus den letzten Jahren erinnern, der mir so viel Spaß gemacht hat oder so ein Geschwindigkeitsgefühl erzeugt hat.

Mit dem lokalen 4-Player-Splitscreen kann ich mir sogar vorstellen, dass das mit ein paar Freunden auf der Couch ziemlich rockt.

Grafisch ist das Spiel vom Stil her hübsch und in der Performance makellos.

Den Preis mit 70€ finde ich trotzdem etwas happig. Aber nachdem das Spiel ordentlich ausgearbeitet ist und auch nicht so aussieht, dass hier nun erst drei Monate gepatcht werden muss, kann man das verzeihen.

Ich bin mir recht sicher, dass Screamer am Ende des Jahres in meinen Top 10 landen wird.


Absolute Empfehlung für Fans gepflegter Arcade-Racer!


Plattform: Xbox Series X


Spielzeit: ca. 12 Stunden


Schwierigkeitsgrad: Balanced


Spache: Englisch (Text)/ International (Audio)

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