Backrooms - Bottom Rating
Gestern hab ich es endlich geschafft Backrooms nachzuholen. Der Hype um den Film war ja recht massiv. Bei all den positiven Rezensionen war ich fest davon überzeugt, dass mir der Film mindestens gefallen wird.
Aber Spoiler. Das war mal gar nichts.
Ansonsten war es das aber mit Spoilern. Ich werde auf einiges eingehen aber nicht den Plot spoilern.
Liminal Spaces
Das größte Alleinstellungsmerkmal ist die Ästhetik in der Schwellenwelt. Wie es übersetzt heißt. Im englischen ist der Begriff Liminal Spaces mit leerstehenden und funktionsentleerten Gebäuden und Architektur besetzt.
In einigen Fotoprojekten habe ich mich dieser Ästhetik auch ausgesetzt. Der Grusel oder das Unbehagen, welches leere Architektur auslösen kann, finde ich einfach faszinierend.
Das Internationale Congress Center in Berlin ist da so ein Beispiel. Gebäude, die für Betriebsamkeit und viele tausende Menschen gemacht sind und die man auch nur so kennt, erzeugen ein Unbehagen wenn man diese leer und ohne Funktion erlebt.

Bei einigen entsteht nur Unbehagen. Man soll da nicht sein. Es fühlt sich unnormal an. Es hat schon einen Grund warum das leer ist. Hier zu sein fühlt sich für viele falsch an.
Für einige beginnt hier die Neugierde und die Anspannung dieses Gebäude anders zu erleben.
Kommen dann noch Objekte dazu, die genauso falsch vor Ort sind, wie man selber, dann steigt das Unbehagen. Und die Faszination.

Und genau diesen reelen Grusel nimmt Backrooms auf und dreht in auf die 11. Das ist der Star der Films. Ein gruselige Ort, der eigentlich gar nicht existieren sollte und auch noch wahnsinnig verdreht ist.
Bisschen was zur Story...
Der Hauptcharakter Clark ist ein gescheiterter Architekt und besitzt einen recht erfolglosen Möbelladen.

Scheinbar frisch getrennt und angeblich Alkoholiker macht ihm die Trennung noch zu schaffen. Außerdem ist die Stromrechnung des Ladens wohl zu hoch und er versteht nicht wo der Verbrauch herkommt.
Das reicht als Ausgangsbasis um einen recht unstabilen Hauptcharakter zu haben, der auf einen Spalt in den unterirdischen Etagen seines Möbelladens stößt und damit in die Zwischenwelt der Backrooms findet.
Viel mehr will ich da gar nicht erzählen. Die Story ist generell weniger griffig, sondern sollte eher explorativ und interpretierend erlebt werden.
Aber...
...in meinen Augen ist genau dieser Teil einfach zu wenig. Die Backrooms sind zu wenig Parabel. Zu wenig Metapher. Nicht für Clark. Nicht für einen selber. Nicht übertragbar auf auf andere Situationen, die man erlebt hat.
Es lebt komplett von der irritierenden Ästhetik der Bilder. Von dem minimalistischen Sound. Dem reduzierten Cast. Dem extrem langsamen Aufbau und Einstellungen.
Der Rest lebt von ein paar Brocken Story, die weder befriedigend zusammenkommt, noch spannend offen bleibt.
Es sind einfach Fetzen. Impressionen. Die Story ist so unzusammenhängend und beliebig wie die Aneinanderreihung der Räume in den Backrooms.

Auf der Habenseite
Kryptisches Storytelling mag ich meistens. Hier ist es mir zu wenig. Vorallem auf die zwei Stunden verteilt. Das zieht sich ziemlich arg. Die paar spannenden Szenen waren dann auch nur im Kontrast spannend, da sonst wirklich nicht viel passiert. Nicht in den Kameraeinstellungen. Nicht in der Story.
So müssen eben diese liminal spaces alles allein tragen. Und das macht auf jeden Fall Spaß. Zumindest phasenweise. Man weiß nie was die Kamera einen zeigt, wenn es um die nächste Ecke geht. Allein die Vorstellung sich dort selbst zu bewegen und diese Backrooms zu erkunden erzeugt einen angenehmen Grusel. Ich verstehe absolut warum es hier gleich unzählige Spiele und Mods dafür gibt. Leicht umzusetzen. Aber schwer zu meistern.
Die Bilder allein fand ich oft unglaublich stark. Besonders wenn dann noch mit optischen Illusionen gespielt wird.

Daher kann ich es absolut verstehen warum der Film seine Fanbase gefunden hat. In dieser Art ist er einzigartig und ich kann mich an kaum einen Film erinnern, der seinen eigenen Stil so dermaßen durchzieht. Die Architektur, das Gefühl des Zusammenhangslosen wird hier so dermaßen fokusiert und ausgiebig dargestellt, dass es auch definitiv sehenswert ist.
Einfach nur weil es ein Passionsprojekt mit Herzblut ist. Eine Vision diese creepy Pasta aus dem Internet zu einem Film zusammenzuschustern.
Wenn einem das reicht, dann ist der Film eventuell super bis genial.
Etwas überraschend...
...war für mich dann eher meine eigene Langeweile bei dem Film. Obwohl ich die Ästhetik liebe, bin ich bei dem Film fast eingeschlafen. Im letzten Drittel war ich dann weniger schläfrig. Aber nichts davon hat mich richtig reingezogen. Tolle Bilder. Aber das war mir dann doch einfach viel zu wenig. Kurz habe ich mir sogar überlegt, ob ich mich über den Plot und die Interpretation aufregen soll. Aber der Regisseur ist 20 Jahre alt. Da kann man auch die Kirche im Dorf lassen. Ich habe mit 20 Jahren definitiv keinen Film gedreht oder irgendwas produktives gemacht. Da kann man Backrooms als faszinierendes Projekt betrachten, dass seine ganz eigene Sprache findet.
Als Cineast kann ich diesen Film anderen Cineasten total empfehlen. Obwohl ich dem Film gerade mal 2/5 Punkten geben würde.
Ein ganz eigenes Filmprojekt, welches ich irgendwie mag. Aber als Film zur Unterhaltung nie wieder sehen will.
Das klingt recht widersprüchlich. Aber ich würde das als Kompliment verstehen. Es gibt Dinge, die sind gut und sie gefallen mir unterm Strich trotzdem nicht. Muss es auch nicht.





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