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Gaming Stil - Jack of all Games, Master of none

3. Sept.
5 Min. Lesezeit


Zwischen Heimathafen und Hype‑Train: Ich pendle digital




Es gibt diese beiden Archetypen, die sich in jeder Gaming‑Diskussion früher oder später gegenseitig an die Wand malen. Auf der einen Seite Glayd, der Videospieltourist, der mit einem fröhlichen „Oh, ein neues Spiel!“ über die digitale Blumenwiese hüpft, kurz schnuppert, weiterzieht und sich nie lange mit einer Welt aufhält. Auf der anderen Seite Mikel der Gipfelstürmer, der Completionist, der Videospielexpat, der sich durch jeden mm² eines Spiels bohrt, bis die letzte Nebenquest weint, die letzte Trophäe glänzt und der letzte Boss sich ergeben hat. Zwei Extreme, zwei Philosophien, zwei granatenstarke Hoshis.


Und ich? Ich stehe irgendwo dazwischen und winke beiden fröhlich zu. Ein Spieler, der sich weder treiben lässt noch alles niedergrindet. Ein Gamer, der sich in beide Richtungen lehnt, je nach Tagesform, Laune, Energielevel und dem Zustand des eigenen Gehirns nach einem langen Arbeitstag.


Ich spiele viele Spiele an, aber ich spiele auch viele Spiele durch. Ich lasse mich gerne ablenken, aber ich kehre genauso gerne zurück. Ich bin der Typ, der ein Spiel fünf Monate ( oder auch mal fünf Jahre) liegen lässt, dann wieder reinspringt, die Steuerung neu erlernt und sich denkt: „Ach stimmt, das hier mochte ich ja.“

Es kommt nicht selten vor, das Titel erst beim zweiten oder dritten Mal in die Hand nehmen gezündet haben.

Meine Spiele lasse ich meist auf dem normalen Schwierigkeitsgrad und stelle bei Bedarf auf schwer hoch. Da ich an Genres absolut Alles spiele, aber nicht in Allem gleich gut bin, ist das in jedem Spiel anders. Aber ganz Allgemein hab ich einen klaren Story und Erlebnisfokus.


Das läuft bei mir genauso wie ich auch Bücher lese: Mehrere parallel, manche beende ich, manche nicht. Meine Abbruchquote liegt, hier wie da, bei etwa 30 Prozent - knapp mehr als zwei Drittel schaffe ich also. Das ist mehr als die meisten Leute bei ihren Neujahrsvorsätzen.

Was ich nicht schaffe: Jede Nebenquest. Jeden Sammelpunkt. Jeden „Bring mir 20 Pilze, weil ich zu faul bin, selbst zu gehen“-NPC. Ich kann selbst in Ubisoft Open Worlds easy an Questgebern und -markern vorbei gehen.


Ich (blau), während ein Spiel (rot) versucht mir ABM als Spaß zu verkaufen
Ich (blau), während ein Spiel (rot) versucht mir ABM als Spaß zu verkaufen

Denn das ist mir zu sehr Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Grind habe ich im echten Leben genug. In meiner Freizeit brauche ich keinen zweiten, dritten und vierten Job. Wenn ein Spiel nach zwei Dritteln sagt: „Hier sind noch 40 Stunden Content, der aussieht wie Excel mit hübscher Grafik“, dann sage ich: „Danke, aber nein.“ Notfalls wird es in der Karte ausgeblendet.

Trophäen? Nett, aber ich renne ihnen nicht aktiv hinterher. Wenn ich mal eine Platin oder das Steam/Xbox Pendant bekomme, freue ich mich - aber das ist dann eher ein Unfall als ein Lebensziel.



Trotz Spielehopping habe ich feste Heimathäfen, die ich immer dann ansteuere, wenn mein Gehirn sagt: „Bruder, heute bitte nichts Kompliziertes.“


Mein Wohnzimmer? Seit über zwei Jahren Helldivers 2.   Da funktioniert einfach alles für mich. Die Crew ist eingespielt, niemand schreit „Wessen Orbitalschlag ist das AUF der Evakuierung?!“, und falls doch schreit jemand "Das ist MEIN Napalm Orbitalschlag AUF der Evakuierung, witness me!" - man muss sich nicht ständig absprechen, beziehungsweise es reichen Gutturallaute. Es ist wie ein guter Stammtisch, nur mit mehr Explosionen und weniger Bier (okay das mit dem weniger ist gelogen). Aus diesem digitalen Chaosgenerator sind sogar so ganz echte Freundschaften im "echten" Leben entstanden - was beweist, dass man nicht zwingend sozial sein muss, um sozial zu werden.


Wenn mich asiatische Videoproduktionen Eines gelehrt haben, dann diesen Filtereffekt
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Auch mit Ü40 lernt man im Internet ganz unverdächtig neue Freunde kennen. Wenn meine Eltern das wüssten
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Der zweite Heimathafen: Simulationslastige und Simcade Rennspiele, die ich ausschließlich kompetitiv online spiele. Aktuell rotiert da meist Le Mans Ultimate.

Hier muss ich keine Map lernen, keine 400 Sammelobjekte suchen, keine Open‑World‑To‑Do‑Liste abarbeiten. Die Strecken kenne ich nach fast 40 Jahren Rennspiele so ziemlich alle auswendig. Die Regeln kenne ich. Ich kann einfach fahren. Rennspiele sind mein Zen‑Garten, nur mit 300 km/h und gelegentlichem Fluchen (das gelegentlich ist auch gelogen). Wahrscheinlich sind Racing Sims auch der Grund, warum ich keine Souls Games spiele. You Died habe ich auch in Spa mit Hypercars im Regen, der korrekte Build ist mein Setup und viele Wiederholungen und das Arbeiten an mir, um meine Fähigkeiten zu schärfen ist genauso drin, wie das schnelle Umgewöhnen an sich dynamisch ändernde Umstände.


Die Freude an der Schande


Während viel zu viele Spieler mit schlechtem Gewissen von Ihrem Pile of Shame reden, ist mein Backlog ein Stapel verschobener Freuden. Ein Buffet, aus dem ich mir jederzeit etwas rausziehen kann. Ich spiele neue Spiele, alte Spiele, sehr alte Spiele; Retro‑Titel, die ich verpasst habe, Klassiker, die ich nachhole, Perlen, die ich erst Jahre später (wieder-)entdecke.

Zwischendurch steckt mir noch irgendjemand seinen aktuellen Favoriten und ich starte ein weiteres Spiel.


Ach, das Spiel sieht ja auch interessant aus
Ach, das Spiel sieht ja auch interessant aus


Und dann gibt es da noch die Multiplayer‑Rasierklinge. Ich würde kompetitive Spiele -außerhalb von Rennsimulationen - gerne mögen. Wirklich. Ich schaue sie an und denke: „Das könnte mein Ding sein.“ Und dann spiele ich sie und pralle ab wie eine Kugel an einem Titan in Destiny.

Mein Problem: Diese Spiele wollen Zeit. Viel Zeit. Mehr Zeit, als ich bereit bin zu geben.

Ich bin nicht von Natur aus gut genug, um einfach reinzuspringen und mitzuhalten. Ich müsste Mechaniken lernen, Meta verstehen, Builds optimieren, Aim trainieren — und das alles, um nicht in den unteren 50% herumzudümpeln wie ein NPC mit Existenzkrise.


Marathon ist das perfekte Negativbeispiel. Optik? Geil. Gunplay? Knackig. Atmosphäre? Voll mein Ding. Aber sobald ich merke, dass ich eigentlich ein Vollzeitstudium bräuchte, um nicht permanent umgeklatscht zu werden, verabschiedet sich mein Enthusiasmus höflich aus dem Raum.

Arc Raiders war da gnädiger, da hatte ich tatsächlich Erfolge. Battlefield? Mag ich. Aber auch da müsste ich so viel arbeiten, um wirklich reinzukommen, dass ich mir denke: „Warum mache ich das, wenn ich auch einfach Helldivers starten kann und mich nicht wie ein Praktikant fühle?“ Oder zumindest wie ein explodierender Praktikant - der brennt.


Ist mir bis heute unverständlich, dass Matchmaking bei so PVPVE Dingern nicht maked beim matchen. Zumindest mit Randoms. Aber finde mal im Freundeskreis zwei bis drei Mitspieler auf Deinem Niveau, die auch noch am gleichen Tag Zeit haben!


Angekommen?


Ich bin also weder Tourist noch Completionist. Ich bin der Pendler dazwischen. Einer, der mal stehen bleibt, mal weiterzieht, mal zurückkehrt. Einer, der sich treiben lässt, aber trotzdem Ziele hat. Einer, der die Freiheit liebt, aber auch die Vollendung. Einer, der spielt, wie er lebt: neugierig, flexibel, mit festen Ankerpunkten und offenen Armen für alles, was Spaß macht.

Nicht alles müssen. Nicht alles wollen. Aber alles dürfen.





3 Kommentare

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Glayd
Glayd
03. Sept.
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Ich musste kurz und selten (ist beides gelogen) lachen.

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Ric Mastro
Ric Mastro
03. Sept.
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Games sind wie Dating. Aus einem Blind Date kann eine ehe werden. Ein Vierkupplungsversuch wird nichts. Es gibt kurze liaisons. Freundschaft Plus oder eine Ehe. HD2 war für mich ein Blind Date das zu einer Ehe geworden ist und eine neue Familie bringt ja so eine Ehe auch mit sich.

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John
John
03. Sept.
Antwort an

Und spätesten seit Schnell und Furios wissen wir um die Relevanz der Familie o7

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