Gaming Stil - Videospieltourist
Irgendwann in einem der Podcasts, oder war es einfach so im Gruppenchat, kam die alte Videospieldiskussion auf.
"Spiele durchspielen oder abbrechen?"
Die Frage ist erst mal recht unverfänglich, wird aber individuell dann aus sehr unterschiedlichen Gründen unterschiedlich ausgelebt.
Meine eigenen Gründe für die Art wie ich Videospiele spiele habe ich griffbereit.
Interessant sind daher auch die anderen Glaubenssätze oder Gründe warum wer wie spielt.
Wir hatten etwas rumgesponnen bezüglich Charakterisierungen. Und da spoiler ich quasi mal.
Ich bin ein Videospieltourist!

Daher beginne ich diese Beitragsreihe mal mit der Antwort auf die obige Frage.
Ja. Ich breche Spiele schnell und routiniert ab.
Zumindest aktuell mit meinen 41 Jahren, nem Job der sich zwischen 45-50h pro Woche dreht, zwei Kids im Grundschulalter und genug Aufgaben im Haushalt.
Videospiele sind halt nur das Hobby und müssen sich den anderen Prioritäten unterordnen.
Generell ist mein Zeitslot für's Zocken zwischen 22:00-24:00 Uhr.
In den letzten Jahren ging das teilweise recht häufig. Aktuell bin ich öfter mal so durch, dass ich mich nicht mehr aufraffen kann. Vor allem wenn die Spiele dann viel Aufmerksamkeit und Fokus erfordern.
Denn da habe ich mich und die Spiele etwas unterschiedlich entwickelt. Von 12-25 Jahre konnten mir die Spiele nicht groß genug sein. Perfekter Eskapismus. Viel Zeit. Wenig Geld.
Nun wurden die Spiele aber über die Jahre immer größer und durch Souls ist der Schwierigkeitsgrad durch die Bank ordentlich angezogen.
Und da stehe ich mir selber im Weg. Ich weiß von Anfang an, dass ich diese Spiele nicht durchspielen werde. Aber ich will sie auch nicht verpassen. Der Frust kommt ja meist daher, dass man sich selber drüber ärgert ein Spiel nicht zu beenden oder es nicht zu "schaffen".
Daher hatte ich mich schnell mit dem Gedanken angefreundet, mir solche Spiele und Erlebnisse zu gönnen und wenn es dann aus welchen Gründen auch immer nicht klappt, dass ich dranbleibe, dann ist es halt so und ich brech es ab.
Ich mache das dann nicht sehr hart. Erst mal fehlt meist nur die Zeit, dann eventuell die Lust und wenn ich nach Wochen wieder reinspiele und ich nicht in die Steuerung reinkomme oder einfach lost rumstreuner, dann lass ich es halt sein.
Habe ich bis dahin wenigstens meine 6-10 Stunden Spaß gehabt, dann ist es okay.
Mir macht das so trotzdem Spaß
Ich spiele seit nun mehr 35 Jahren Videospiele. Und ich habe die besten Games aus jedem existierenden Genre mindestens sehr weit gespielt. RPG, JRPG, 4X, Adventures, Arcade, Story, Walking-Sim, Immersive Sims, Horror, Arcade Racer, Sim Racer, Beat'em'Ups, Flight Games, Shooter, Extraction-Shooter, Coop-Shooter, Strategie, Aufbau, weirde Indie-Games,...
Wenn es gut ist und ne Fanbase hat, dann habe ich es gespielt. Oder zumindest angespielt.
Und das mag ich an Spielen. Es gibt für jede Situation ein gutes Game.
Will ich intensiv reingezogen werden und Atmosphäre soll den Bildschirm runterrinnen?!? Spiel ich eins der intensiven Horrorgames.
Will ich Spaß mit Kumpels haben und etwas Chaos mit dem Controller verbreiten?!? Gib mir einen der Shooter mit Chaospotential.
Will ich einfach entspannt ein paar Stunden friedlich und konzentriert vor mich hinwurschteln?!? Warum nicht einen der entspannten World-Builder spielen.
Lust auf den Tunnelmodus?!? Dann wird es ein intensives Racing-Game.
Kann gut sein, dass ich parallel drei verschiedene Spiele spiele. Immer angepasst an die Tageslaune.
Es ist also eher eine Moment-To-Moment-Aktivität.
Unterm Strich spiele ich wohl zwischen 10-20% meiner Spiele durch. Mit der Quote bin ich soweit ganz happy. Sind pro Jahr immer noch genug Spiele, die ich beende. Meist hat dann in Kombination auch einfach alles gepasst. Ein zusätzlicher Faktor ist auch, ob ich das Spiel auch mal bei Tage spielen kann, wenn die Kinder wach sind und zuschauen.
Zum Beispiel Black Myth Wukong. Da kann ich dann auch mal am Wochenende spielen oder früher als 22:00 Uhr starten. Das erleichtert das Dranbleiben massiv.
Der häufigste Abbruchgrund
Neben Zeit und Gelegenheit habe ich bei mir einen Hauptpunkt festgemacht, weswegen ich damit angefangen habe, spiele abzubrechen.
Der Grind ist real!
Es artet in Arbeit aus.
Ich liebe Open-World-Spiele oder generell offene größere Spielwelten. Aber die haben halt auch die Angewohnheit sehr viel Füllmaterial und belanglosen Grind. Rollenspiele sind da selten besser. Habe ich da nach ein paar Stunden das Gefühl ich hänge im Grind fest und muss nun langweiliges Zeug machen... Dann fliegt das Spiel schneller von der Festplatte als ich die kleine Esmeralda zum nächsten Dorf eskortieren sollte.
Wie mich aufgezwungene Routine langweilt. Dann spiele ich lieber was anderes. Was frisches.
Denn warum sollte ich mich zwingen etwas zu spielen was mich eigentlich gar nicht mehr so interessiert?
Ich mache da auch einen Unterschied bei Spielen, die man in ca. ~15 Stunden durchspielen kann. Das ist in meinen Augen der Sweet Spot für Games. Da "beise" ich mich auch mal durch etwas Grind.
In der Spielelandschaft dominieren aber Spiele, welche weit jenseits der 40 Stunden sind. Diese beginne ich ja quasi in dem Wissen, nie das Ende zu sehen. Und das ist okay. Wenn ich wenigstens einige gute Stunden mit dem Spiel hatte. Dragon's Dogma II war so ein Game, bei dem ich dann doch bei gut 60 Stunden gelandet bin und einen Heidenspaß damit hatte.
Dann gibt es natürlich Games, bei denen ich gut jenseits der 100-Stunden-Marke bin. Das sind dann aber eher Multiplayer-Games, die ich über eine längere Zeit gespielt habe. Overwatch und Arc Raiders sind da aktuell immer noch weit oben bei mir. Auch wenn die nun einige Monate Pause hatten.
Aktuelle Abbruch-Kandidaten
Jetzt ist mein aktueller Pile of Shame gerade nicht zu klein und ich bezweifel auch, dass ich diese Spiele noch durchspielen werde.
Aber hier mal eine aktuelle Auflistung an Spielen, die ich wohl nicht mehr zu Ende spielen werde.
Assassins Creed Black Flag Resynced

Oh. Hab ich den Teil damals geliebt. Und das Remake ist ne Wucht. Wahrscheinlich habe ich hier nicht mehr als 5 Stunden auf dem Ticker. Das Reinspielen hat mir Spaß gemacht. Aber dann kam der Sommer und ich war letztendlich doch mehr draußen als vor dem Bildschirm.
Resident Evil Requiem

Gott habe ich Village geliebt. Requiem sieht super aus. Schöne Mischung aus Grusel und Action. Ich war begeistert. Aber bei The Girl hatte ich irgendwie Pech und ein paar Bugs und bin da kurz gehangen. Wollte da am nächsten Tag weiterspielen... Doch es wurden zwei Wochen. Dann war es der mieseste Einstieg um weiterzumachen und ich hab es sein lassen.
007 First Light

Das ist mir nun doch etwas peinlich. Denn das Spiel ist eigentlich zu smooth und zu gut, dass man es auf die Bank schickt. Gut. Ich schieb es mal auf die familiären Umstände (Depression in der Familie) und die Arbeit (Zwei Jobs auf einmal). Da hatte ich schlicht keine Kappa weiterzuspielen. Aber John hatte Zeit und hat's durchgespielt und getestet. Hier geht's zum Test.
Denshattack!

Eigentlich genau ein Indiespiel für mein Beuteschema. Bunt, schnell, schrill. Kam mir vor wie Olli Olli Word in japanisch und etwas mehr 3D. Aber Gott. Nach drei Stunden hab ich es sein lassen. Zu schnell. Zu hektisch. Zu überladen. Das ist dann mal die Ausnahme bei meinen Games. Das ist nix mehr für mich. Vielleicht werde ich doch zu alt. :D
Hades 2

Ich hassliebe Rougelites. Hatte ich ja schon mal breiter ausgeführt. Hier könnt ihr lesen wie ich zu Rougelikes und Rougelites stehe. Aber Hades 2 ist ganz weit vorne, wenn es darum geht ein eigentliches wunderschön inszeniertes Spiel zu sein und dann aber so unglaublich nervtötend dich immer wieder zu killen und mit mega langsamer Progression zu strafen. Spiel ich 10 Stunden und dann lass ich es sein, weil ich die weiteren 20-80 Stunden einfach zu repetitiv finde.
Tides of Tomorrow

So ein angenehm überraschendes Spiel. Ich habe jede Minute damit genossen. Aber dann kam irgendwas anderes dazwischen und dann kam 007 raus und dann... Hey. War das ein Eichhörnchen?!?
Befreiend aber auch teuer... Oder?!?
Einen riesigen Vorteil hat der schnelle Abbruch. Man kommt bei der Spieleflut schon dazu einige gute Spiele zu spielen. Man spielt es halt selten durch. Aber hat doch einiges mitgenommen und hat dabei auch kein schlechtes Gewissen. Warum sollte man sich mit einem Hobby selber geißeln? Das hier soll einfach nur Spaß machen. Die Zeit auf angenehme Art und Weise vertreiben. That's it.
Und in meinen Augen sind Spiele selten wie gute Bücher. Da gibts selten nen Spannungsbogen und man muss die Story bis zum Ende mitbekommen. Die meisten Games hangeln sich von einer In-The-Moment-Situation zur nächsten In-The-Moment-Situation. Ich habe da selten das Gefühl dass man was verpasst. Aber klar. Es gibt auch genug Ausnahmen.
Durch den Gamepass und die ganzen Sales komme ich aber auch dauernd in Versuchung was Neues zu spielen. Denn teuer ist der Videospieltourismus selten. Klar. Holt man sich die großen Games gleich zu Release. Aber auf's Jahr gerechnet sind das bei mir nicht mehr als 6-10 Titel. Das hält sich also in Grenzen.
Die regulären Perlen
Ich finde hierbei immer wieder kleine Spiele, die komplett an mir vorbeigegangen sind und die mich total abgeholt haben. Und sowas spielt man halt nur wenn man sich ordentlich durchtestet und sich etwas frei macht.
In der letzten Zeit hatte ich da einige Kostbarkeiten gefunden.
Jotunnslayer: Hordes of Hel

Wunderbarer Vampire-Survivor-Ableger. Schicke Grafik. Guter Umfang. Süchtig machender Gameplayloop. Wollte da eigentlich schon längst mal ein Review dazu schreiben.
Marathon

Geheimtipp. Spielt quasi kaum jemand. Hatte aber echt eine gute Zeit damit. Da hatte jeder aus dem Team was zu digitalem Papier gebracht.
Buckshot Roulette

Okay. Das spielt man nicht länger als ein-zwei Abende. Aber Gott ist das Spiel strange. Also die gute Art strange. Liebe es.
Screamer

Hatte eigentlich genug zu spielen. Aber lange keinen guten Arcade-Racer mehr gespielt. Auch wenn ich die Story nicht durchhabe, wurde ich über gute 12 Stunden super mit diesem Spiel unterhalten. Was ein Geschwindigkeitsrausch. Hab auch einiges im Test dazu runtergeschrieben.
I'm in love with your dead grandmother

Okay. Ne. Das ist falsch. Das war Schrott. Der ganz miesen Sorte. Mehr dazu im Test.
Fresh Women 2

Okay. Das ist sgar noch schlimmer als Iilwydg. Ich verzeihe dir das nie, Krauti!!! Wer mein Leiden nochmal in schriftlicher Form lesen will, kann das hier machen.
The Innsmouth Case

Kleines creepy Adventure im Chtullhu Kosmos. Ich würde Teil 2 sofort spielen. Wieso habe ich hier geschrieben.
Blades of Fire

Gab es irgendwo im Sale und ich hatte viel Gutes drüber gehört. Auch wenn es kein Hit war. Hat mir sehr gut gefallen.
Ich bin gern Videospieltourist

Kurz (oder eventuell mal länger) in viele unterschiedliche Spiele einzutauchen macht einfach Spaß. Den Pile of Shame einfach einen Pile sein zu lassen, hat etwas befreiendes.
Und wenn ich dann doch mal ein gutes Ende verpasse, dann wird mir das Crunchy, John oder Mikel schon sagen und dann drehe ich vielleicht nochmal eine extra Runde.





Es kommen halt auch einfach soooo viele und auch viele gute Games raus. Da kann man schon mal hier und dort was anspielen. Und Denshattack! hab ich sogar nur 2 Stunden durchgehalten, bevor ich es mit exakt diesen Gedanken deinstalliert habe.