RESONANCE A PLAGUE TALE ODER EINMAL KRETA UND ZURÜCK

Herzlich willkommen zu meinen 2 Cents zum neuen Plague Tale.
Ich habe Plague Tale und den Nachfolger Requiem gespielt, habe beide für ihre Story geliebt, und für ihre Mechaniken verachtet. Ich konnte keine Ratten mehr sehen, Ich war durch. Und mir auch ziemlich sicher mir das bei einem 3ten Teil Story hin Story her nicht mehr antun zu wollen.
Darum ging Resonance erst mal komplett an mir vorbei. Hatte ich absolut nicht auf dem Schirm. Dann aber sah ich nen Trailer kurz vor Release. Und las Tests. Und mir ist fast der Allerwerteste geplatzt. Plague Tale wollte mit Tomb Raider ein Kind zeugen, und hatte nebenbei aber auch eine Affaire mit Uncharted. Und jetzt weiß keiner mehr so richtig von wem das Kind ist. War mir aber auch völlig wumpe. Plague Tale auf links gedreht, als klassisches Action Adventure mit einem vollwertigen Schwertkampfsystem und Kletter- und Rätselpassagen. Das Schleichen deutlich zurückgefahren. Mein Faible für Spiele wie Castlevania LoS, God of War, oder Uncharted ist bekannt. Zu sagen dass ich angefixt gewesen bin wäre untertrieben. Ich war schock verliebt. Und wusste ich muss es haben und spielen, besser jetzt als später.
Also am Releasetag zugeschlagen installiert und los gezockt. Ich habe dann auch nichts anderes mehr gespielt bis der Abspann über den Fernseher flimmerte. Das sagt schon viel aber nicht alles.
Also wenn Ihr solche Spiele so liebt wie ich, was macht ihr dann noch hier? Husch Husch holt es euch, lasst euch so wenig wie möglich Spoilern und spielt das. Ihr werdet die Zeit eures Lebens haben und es definitiv nicht bereuen. Es gibt sowieso viel zu wenig Spiele dieser Sorte.
Ihr seid immer noch da? Na gut dann wollen wir mal ein bisschen ins Detail gehen, und ich sage gleich ganz ohne Spoiler geht es nicht. Werde das hier auch etwas anders angehen denn unsere Wortspiel und Schreibmaschine Mr Johnson hat schon ein verflucht gutes Review geschrieben und ich sehe wenig Sinn das alles nochmal durchzukauen. Fast alles was er geschrieben hat kann ich zu 100% unterschreiben. Bevor ich aber zu dem komme was mich umtreibt diese Zeilen überhaupt zu Papier zu bringen, erst Mal der Vollständigkeit halber ein klassischer Review Abschnitt im Schnelldurchlauf. (Ok das wurde doch etwas umfangreicher als geplant)
Die Story

Im Grunde haben wir hier einen interessanten Take auf die Minotaurus Sage. Ihr spielt hier die Origin Story von Sophia (dem heimlichen Fan Liebling aus Requiem, aber keine Sorge ihr könnt das hier auch komplett ohne Vorwissen spielen). Als Kind wurde sie von Nonnen mit grässlichen Experimenten gequält, bei denen ihr Blut gespritzt wurde das heftigste Visionen auslöste, die sie schrittweise in den Wahnsinn trieben. Nur wenige Kinder überlebten diese Rituale, doch Sophia wird glücklicherweise von ihrem Vater gerettet. Der ist Anführer einer Bande von Plünderern (man könnte auch Piraten sagen) die auf der Suche nach einem sagenumwobenen Schatz sind, der irgendwo auf einer Insel versteckt liegt. Sophias Visionen scheinen der Schlüssel zu dem Ganzen zu sein, zehren sie aber auch immer mehr aus. Ihr Vater hofft auf dem sagenumwobenen Eiland auch Heilung für seine Tochter zu finden.
Jahre Später wird Sophia diese Insel selbst betreten, und was sie dort findet wird sie an ihre Grenzen und weit darüber hinaus führen.....
Mehr möchte ich auch gar nicht zu der Geschichte sagen, spielt das, erlebt es selbst, und ergötzt euch an der wunderschönen Grafik.
Was mich direkt zum nächsten Punkt bringt
Grafik/Sound
Holy Moly ist dieses Spiel hübsch. Alte Ruinen, tiefe zerklüftete Höhlen, paradiesische Strände, es gibt an allen Ecken und Enden etwas zu bestaunen. Grafisch ist das einfach ein Brecher und man kann den Entwicklern nur gratulieren. Alles richtig gemacht. Dazu kommt ein unglaublich eingängiger epischer Soundtrack. Die Titelmelodie hat Ohrwurmqualität und klingt mir jetzt noch im Ohr. Hier kann ich das Spiel gar nicht genug loben, und da gibt es auch nicht mehr viel zu sagen außer sieht top aus, klingt auch so. Punkt. Wer was anderes sagt den möge der Minotaurus holen.
Aber das hübscheste Spiel nützt überhaupt nichts wenn das Gameplay nichts taugt.
Und das bringt mich direkt zum, ihr habt es erraten
Gameplay
Ich habe es ja oben schon gesagt. Das hier ist das Bastard Child von Plague Tale und Tomb Raider / Uncharted. Und das steht dem neuen Plague Tale richtig gut zu Gesicht. Im Grunde habt ihr hier das übliche Dreigestirn aus Kletterpassagen, Rätseln, und Kämpfen. Ergänzt durch Schleichpassagen die aber wie gesagt deutlich zurückgefahren wurden. Und den Schleichmomenten widme ich mich später.
Das Klettern und die Plattforming Passagen fühlen sich gut und griffig an und versprühen in ihren besten Momenten dezente Uncharted Vibes. Macht Spaß und ist absolut kompetent umgesetzt. Hatte zu keiner Minute etwas daran auszusetzen.
Außerdem war ich sehr überrascht wie unfassbar Gut Team Asobo den Entdeckervibe rübergebracht haben. Die ersten Schritte auf der Insel in etwas offeneren Arealen, und dennoch schaffen Sie es den Spieler perfekt zum Ziel zu lotsen ohne alles mit Markern zu pflastern. In den Momenten fühlte ich mich tatsächlich als würde ich die Insel entdecken. Unglaublich gut aufgebaut und Chapeau an das Team.

Das setzt sich dann auch nahtlos mit den Rätseln fort. Den Kniff mit dem Tagebuch hat ja John schon sehr gut beschrieben (wenn nicht lest sein Review), und die Rätsel sind tatsächlich so gut aufgebaut, das man mit ein wenig Nachdenken und Beobachten auf die Lösung kommt. Man munkelt das es schon vorgekommen ist das ich Lösungen zu Rate ziehen musste weil ich einfach nicht auf die Lösung eines komplexen Rätsels kam und keine Lust mehr hatte. Das ist mir hier kein einziges Mal passiert. Alles gut lösbar ohne jetzt zu simpel oder ein Selbstläufer zu sein. Auch hier Kudos an die Entwickler. Allerdings hängt das gut lösbar auch mit noch etwas zusammen, aber auch zu dem komme ich noch.

Dann das Kampfsystem. Es ist absolut fantastisch. Jeder Schlag mit dem Schwert fühlt sich wuchtig an, das Blocken und Parieren geht gut von der Hand, und auf schwer ist das auch definitiv kein Selbstläufer mehr, Da muss man dann das Block Ausweich und Pariersystem wirklich verinnerlicht haben, um eine Chance zu haben. Es wird nie zum Soulslike keine Sorge, aber ist dennoch fordernd. Ich war wirklich schwer begeistert.
Natürlich gibt es auch versteckte Geheimnisse. Ihr könnt Artefakte finden (das sind allerdings Collectibles) und dann noch Schwerter und Schmuckstücke. Die Schmuckstücke geben euch passive Perks, je mehr Schmuckstücke einer Kategorie ihr findet desto stärker werden sie. Das fängt bei einem und quasi nutzlos an und wird, wenn ihr alle Schmuckstücke einer Kategorie gefunden habt, extrem mächtig. Am Ende haben mich fast alle Pfeile verfehlt. Cleveres System um selbst einen Sammelmuffel wie mich zum Suchen zu motivieren.
Und dann gibt es noch die Resonanzpunkte mit denen man neue Fähigkeiten freischaltet und diese auch verbessern kann. Jede dieser Fähigkeiten verändert wie ihr die Kämpfe bestreitet und kann einen gewaltigen Unterschied machen und euch das Leben merklich erleichtern. Die Upgradepunkte sind noch am einfachsten zu finden, liegen oft mal auch so rum, und können in den Kämpfen wirklich einen Unterschied machen.
Man merkt ich bin wirklich begeistert.

Also alles Friede Freude Eierkuchen? Hab ich hier mein Game of the Year und am Ende steht eine perfekte 5 von 5?
Nun ich kann euch jetzt schon sagen leider nicht. Es hätte so schön sein können. Aber dann ärgere ich mich über einige Kleinigkeiten die das Spiel nicht schlechter machen, aber hier wurde leider doch einiges an Potential verschenkt.
Also kommen wir zu dem Grund warum ich hier sitze und schreibe und damit zu den...
KRITIKPUNKTEN
Fangen wir bei der Story an. Ich mag die Geschichte, und ich mag die Idee die dahinter steckt. Diese Variation der Minotaurus Sage ist meiner Meinung nach wirklich interessant und clever. Aber, und jetzt kommt leider das dicke fette ABER.
Team Asobo wollte meiner Meinung nach zu viel. Und hat bei der Story ein bisschen geschludert. Vieles, gerade der Anfang wirkt etwas gehetzt. Die Charaktere bekommen, Sophia ausgenommen, nicht genug Zeit zur Entfaltung. Sie sind ok, aber durch diese schnelle gehetzte Abfolge sind sie mir auch relativ egal. Hätte man das ausgewalzte Ende etwas beschnitten und mehr Zeit in den Anfang und damit in den Aufbau der Charaktere gesteckt, hätte das eine deutlich rundere Geschichte ergeben. Dazu kommen ein paar Inkonsistenzen beim Storybuilding, und hier geht es jetzt in Spoilerterritorium. Sophia streitet sich mit Leni. An sich ein nachvollziehbarer Konflikt. Aber 10 min später ist der aufgelöst und die Charaktere unterhalten sich als wäre nichts gewesen Streit vergessen, ist nie passiert. Eine wirklich glaubhafte Aussprache zwischen den Charakteren, ein Grund warum man sich wieder verträgt, nicht wirklich vorhanden.
Oder warum brandmarkt der Anführer Sophia so schnell als Verräterin? Oder...ich könnte hier noch einiges aufzählen aber werde hier mal aufhören um nicht zu viel zu spoilern. Aber die Geschichte hätte deutlich profitiert wenn man sich für den Anfang mehr Zeit genommen hätte, anstatt das Finale in die Länge zu ziehen.
Kommen wir zu den Rätseln.
Ich sagte ja oben ich komme darauf zurück. Warum Sie sich so gut lösen lassen liegt auch zum Teil daran, das das meiste einfach Variationen von 2 Rätselvarianten sind. Und die werden immer wieder variiert. Dadurch weiß man auch schon wie der Hase läuft weil sie alle das gleiche Grundprinzip haben. Ist meckern auf hohem Niveau, aber stößt mir trotzdem sauer auf, weil es einzelne Passagen gibt die wirklich originell waren und nicht nach Schema F liefen, ich sag nur Stachelfallen. Und wenn man das Potential und was möglich gewesen wäre sieht, komm ich nicht umhin mich etwas zu ärgern. Auch wenn die Rätsel dennoch fantastisch designed sind.
Und dann kommen wir zum Elefanten im Raum. Ich erwähnte ihn ganz oben. Die Schleichpassagen.

Erstmal der Minotaurus ist gruselig. Die Passagen mit ihm sind WTF Momente der besten Sorte, und wenn er einen das erste mal verfolgt geht einem der Arsch auf Grundeis. Er ist mächtig, er ist gefährlich, und die Sequenzen mit ihm sind geradezu nervenzerfetzend inszeniert.
Jetzt fragt ihr euch sicher, wenn das alles so cool ist warum warte ich damit bis zur Kritik und warum rege ich mich darüber auf?
Ich nehme als Allegorie mal einen guten Horrorfilm. Ein gut getimter Jumpscare kann wenn er effektiv vorbereitet und aufgebaut wurde, wirklich furchteinflößend sein. Wenn man allerdings Jumpscare an Jumpscare an Jumpscare setzt, wird es irgendwann nicht mehr gruselig sondern nervig.
Und genau das ist Team Asobo hier leider passiert. Mehr ist nicht immer besser. Aber irgendwer war der Meinung das ein Finale einfach nochmal einen draufsetzen und nochmal richtig reinhauen muss. Was dazu geführt hat das sich das Finale erstens sehr gestreckt anfühlt. Da hätte man locker kürzen und anderswo verstärken können, um ein runderes Pacing zu schaffen.
Und zweitens schmeißt das Finale alles was es in dem Spiel so gab auf einen drauf. Und wieder. Und wieder. Was dazu führte das ich anstatt mich vor dem Minotaurus zu fürchten, gegen Ende genervt von ihm war. Und da erwischt werden den sicheren Tod bedeutet, und man dann auch gewissen Sequenzen durchaus ein paar Mal spielen darf, war ich ein paar mal auch kurz davor den Fernseher anzuschreien. Vielleicht hab ich das sogar gemacht. Sagt meine Frau. Ich halte das eher für ein Gerücht.
FAZIT
Ich weiß das klingt jetzt alles sehr negativ, aber in Wahrheit ist das Meckern auf hohem Niveau. Das Spiel ist dennoch fantastisch, und gerade weil ich es so gut finde ärgern mich die Punkte vielleicht sogar noch mehr. Und dennoch sollte man es auf alle Fälle gespielt haben, weil sonst verpasst man eines der besten Action Adventures der letzten Jahre.
Ich habe das lange sacken lassen und war mir mit der Wertung uneins. 3 erschien mir zu wenig für dieses kleine Meisterwerk aus der zweiten Reihe. 4 aber aufgrund der genannten Kritikpunkte auch etwas zu hoch. Am Ende landetet ich bei 3 ½. Wenn ich ehrlich und realistisch bin. Aber da ich das Genre einfach liebe und die Geschichte dennoch sehr mochte, und auch den Sprung den Team Asobo hier gemacht hat würdigen wollte (der Mut ein erfolgreiche Spielereihe so radikal umzukrempeln gehört einfach belohnt) sinds dann doch 4 geworden. Mit beiden Augen zugedrückt.

Und wenn die Jungs und Mädels so weitermachen, und weiter solche Sprünge hinlegen, ist das Meisterwerk das sich hier schon hinter Ecken und Kanten verbirgt nicht mehr weit entfernt.
Ich kanns kaum erwarten zu sehen was als nächstes kommt.
Info Karsten
Plattformen: PC, Xbox Series, PlayStation 5
Spielzeit: 15h
durchgespielt: Ja
Preis: 59.99€
Sprache: Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch
Untertitel: Ja
Entwickler: Asobo Studio





Wenn sie beim nächsten Titel wieder so ne Schritt machen, wird das episch!