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Valheim 1.0: Aus dem Weg, Odin. Ich brauche hier noch einen Balkon.

10. Sept.
5 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 15. Sept.


Fantasiegruppe in dichtem Wald: bewaffnete Abenteurer mit Speeren, Bogen und Axt um ein Monster, leuchtende Pilze im Vordergrund.
Nicht im Bild: Die 8 Stunden Diskussion um den korrekten Bauplatz für die Feuerstelle im Haus

Nach schätzungsweise 40 bis 50h Stunden im Early Access sitze ich vier Jahre später wieder vor Valheim. Diesmal in Version 1.0 und endlich auch für die PS5 und Switch 2. Meine größten Gegner? Nicht Frostriesen. Nicht Trolle. Nicht einmal Odin. Sondern die Tatsache, dass ich ständig vergesse, was ich eigentlich vorhatte.


Von Midgard bis Walhalla


Valheim gehört zu diesen Spielen, die dir eine glasklare Aufgabe geben.

Besiege Bosse.

Erkunde neue Biome.

Werde stärker.

Rette die Welt oder was Odin sonst so als KPI definiert hat.


Die Geschichte von Valheim selbst beginnt ungefähr so: Odin hat ein Problem.

Irgendwo in einer vergessenen Welt treiben sich uralte Kreaturen herum, die dringend erschlagen werden müssen. Also schickt er mächtige Krieger los, um die Ordnung wiederherzustellen.

Einer dieser Krieger bist du.


Hier sehen wir einen Valheim-Spieler kurz vor der Idee, direkt am See ein neues Haus zu bauen.
Hier sehen wir einen Valheim-Spieler kurz vor der Idee, direkt am See ein neues Haus zu bauen.

Und mit "mächtig" meine ich: Du stehst in Unterhose auf einer Wiese und suchst nach Steinen.

Die ersten Minuten erinnern weniger an eine göttliche Mission als an einen sehr schlecht geplanten Junggesellenabschied in Skandinavien.

Du hebst Äste auf. Du sammelst Steine. Du baust eine Axt.

Dann fällst du deinen ersten Baum.

Der Baum fällt auf dich.

Du stirbst.

Willkommen in Valheim.


Andere Survival-Spiele schicken direkt Wölfe, Zombies oder Dinosaurier auf dich.

Valheim hat höhere Ansprüche.

Hier wirst du zunächst von deiner eigenen Inkompetenz vernichtet.


Was ist Valheim eigentlich?


Zwischen Survival-Größen wie Minecraft, ARK, Rust oder Enshrouded nimmt Valheim eine besondere Rolle ein. Das Spiel kombiniert klassisches Ressourcen-Sammeln, Crafting und Basisbau mit einer klaren Progression durch verschiedene Biome und Bosskämpfe. Statt den Spieler permanent unter Druck zu setzen, belohnt Valheim vor allem Erkundung, Vorbereitung und kreatives Bauen.

Neue Materialien, Werkzeuge und Ausrüstung werden nach und nach durch das Legen von Bossen freigeschaltet und eröffnen Zugang zu immer gefährlicheren Regionen der Spielwelt. Gleichzeitig zählt das Bausystem bis heute zu den besten des Genres und macht es leicht, vom eigentlichen Abenteuer abgelenkt zu werden. Ob als Solo-Wikinger oder gemeinsam mit Freunden: Valheim schafft den seltenen Spagat zwischen entspanntem Aufbau-Spiel und motivierendem Survival-Abenteuer.


Trolle ignorieren? Funktioniert nur in Kommentarspalten
Trolle ignorieren? Funktioniert nur in Kommentarspalten



Iron Gate



Hinter Valheim steht das schwedische Indie-Studio Iron Gate AB, das 2021 mit einer Handvoll Entwickler eines der größten Gaming-Phänomene der letzten Jahre erschaffen hat.

Was als vergleichsweise kleines Survival-Spiel für Wikinger-Fans begann, entwickelte sich binnen kürzester Zeit zu einem Steam-Hit mit Millionen von Spielern. Beeindruckend war dabei nicht nur der Erfolg selbst, sondern auch die Art, wie Iron Gate mit der Community zusammenarbeitete.

Statt hektisch Inhalte hinterherzuwerfen, entwickelte das Studio Valheim über mehr als fünf Jahre Schritt für Schritt weiter, hörte auf Spielerfeedback und erweiterte die Welt kontinuierlich um neue Biome, Gegner, Crafting-Systeme und Baumöglichkeiten.




Hübscher als damals. Gefährlicher für die Freizeit als je zuvor.


Was mir sofort aufgefallen ist: Valheim sieht heute deutlich besser aus als zu meinen Early-Access-Zeiten.

Der einzigartige Grafikstil funktioniert immer noch hervorragend. Die Beleuchtung wirkt stimmungsvoller, die Landschaften harmonischer und die Welt insgesamt lebendiger.

Valheim versucht gar nicht erst fotorealistisch zu sein.


Walhalla ist das gemütlich
Walhalla ist das gemütlich

Stattdessen sieht es aus wie ein nordischer PlayStation 1 Fiebertraum, den jemand liebevoll mit Nebel, Sonnenuntergängen und atmosphärischer Musik dekoriert hat.

Dazu kommt ein Sounddesign, das auch Jahre später noch zur Oberklasse gehört.

Das Rascheln eines Waldes.

Das Donnern eines umstürzenden Baumes.

Das entfernte Geräusch eines Monsters, das dir klarmacht, dass du gerade einen gigantischen Fehler gemacht hast.

Alles sitzt.


Für Ruhm, Ehre und 700 Kilo Holz


Falls ihr mit Maus und Tastatur spielt, werdet ihr das Bausystem lieben.

Falls ihr mit Controller spielt, werdet ihr es ebenfalls lieben.

Aber manchmal auch hassen.

Ein Dachsegment exakt auszurichten, fühlt sich gelegentlich an wie Mikrochirurgie mit Boxhandschuhen.


Trotzdem funktioniert es erstaunlich gut und das ist wichtig, denn das Bauen gehört weiterhin zu den größten Stärken des Spiels.


Fyggdrasil! und andere Ausrufe, die einem beim Bauen durch den Kopf gehen
Fyggdrasil! und andere Ausrufe, die einem beim Bauen durch den Kopf gehen

Es beginnt harmlos.

"Ich bau nur schnell eine Hütte."

Danach folgt:

"Eigentlich könnte die Hütte einen Vorbau gebrauchen."

"Und Fenster."

"Und einen Schornstein."

"Und eine zweite Ebene."

"Und einen größeren Schornstein."

"Und wenn ich schon dabei bin, könnte hier noch ein Festsaal hin."

Irgendwann sitzt man nachts um halb zwei vor seinem Bildschirm und diskutiert mit Freunden ernsthaft über Rauchentwicklung, Dachlast und die optimale Platzierung eines Feuerbeckens.

Valheim ist das einzige Spiel, das aus gestandenen Kriegern unbezahlte Bauingenieure macht.


Neue Dachwinkel, neue Baumaterialien und die Erweiterungen aus dem Deep North bieten wahrscheinlich noch mehr Möglichkeiten für alle, die ihre eigentliche Mission längst aufgegeben haben und stattdessen eine Wikinger-Immobiliengesellschaft gegründet haben.
Neue Dachwinkel, neue Baumaterialien und die Erweiterungen aus dem Deep North bieten wahrscheinlich noch mehr Möglichkeiten für alle, die ihre eigentliche Mission längst aufgegeben haben und stattdessen eine Wikinger-Immobiliengesellschaft gegründet haben.


 

Wie ein Fjord: Ruhig von außen, gefährlich in der Tiefe


Ja ja, der Deep North ist riesig, es gibt neue Gegner, Dungeons, Waffen und Ausrüstung, aber die eigentliche Stärke von Valheim 1.0 ist etwas anderes:

Nach über fünf Jahren Early Access steht hier kein unfertiges Projekt mehr, sondern eines der rundesten Survival-Spiele überhaupt. Viele Genre-Konkurrenten setzen auf größere Maps, mehr Systeme oder kompliziertere Mechaniken.

Valheim macht etwas viel Gefährlicheres.


Der Moment, bevor aus "Erkundung" offiziell "Bergung der Ausrüstung" wird.
Der Moment, bevor aus "Erkundung" offiziell "Bergung der Ausrüstung" wird.

Es sorgt dafür, dass, sobald ihr hooked seid, ihr eigentlich nie aufhören wollt.


Koop Erlebnis – nordisch by nature


Valheim profitiert hierbei enorm vom Mehrspieler-Modus.

Während ein Spieler den nächsten Boss sucht, baut der Zweite ein Dorf, der Dritte organisiert Vorräte und jemand anderes steht seit zwei Stunden am Hafen und erklärt, warum man die Hütte dringend noch um drei Meter nach links versetzen müsse.

Genau daraus entstehen in diesem nordischen Chaossimulator die Geschichten, die man Wochen später noch erzählt.


Nicht im Bild: Der eine Freund, der schon vorausgelaufen ist und gleich alle Probleme gleichzeitig aktiviert.
Nicht im Bild: Der eine Freund, der schon vorausgelaufen ist und gleich alle Probleme gleichzeitig aktiviert.

Einer der magischsten Momente ist die erste eigene Seereise.

Nach Stunden des Sammelns und Bauens gleitet plötzlich ein selbstgebautes Schiff über die Wellen.

Die Welt wirkt riesig.

Voll von Möglichkeiten.

Voll von Geheimnissen.

Voll von...

Moment.

War das gerade ein Sturm?

Binnen Sekunden verwandelt sich der gemütliche Segeltörn in eine Dokumentation namens:

"Männer, die schlechte Entscheidungen trafen."



Fazit


Nachdem ich in den vergangenen Jahren, nach dem initialen Early Access Erfolg und meiner Probierphase, Valheims Entwicklung hauptsächlich über ehemalige Mitspieler und die Presse verfolgte, steige ich mit der 1.0 nun wieder ein. Und Valheim macht genau das, was man sich von einem Full Release wünscht.

Es macht nichts kaputt - Es ergänzt, erweitert, vollendet.

Der Deep North liefert zwar das große Finale, doch der eigentliche Erfolg liegt darin, wie harmonisch sich alles zusammenfügt. Das Spiel ist heute schöner, größer und vollständiger als zu meinen Early-Access-Tagen - und gleichzeitig exakt dieselbe Zeitvernichtungsmaschine geblieben.


Valheim ist weniger ein Survival-Spiel als vielmehr ein Wikinger-ADHS-Simulator.

Und ich liebe es.


Skål.



Wertung?

Nach meinem Wiedereinstieg steht fest: Die Reise ist noch lange nicht vorbei. Gemeinsam mit den WTFPS-Dudes werde ich in den kommenden Wochen noch einige Male in die zehnte Welt zurückkehren. Dann folgt auch ein Update und eine Wertung.



Info Karsten



Plattformen: PC, Xbox Series, PlayStation 5, Switch 2


Spielzeit: ca 50h


Durchgespielt: Nein


Preis: 29.99€


Sprache: keine Sprachausgabe


Untertitel: Ja, Deutsch und weitere Sprachen


Entwickler: Iron Gate


Publisher: Coffee Stain Publishing



5 Kommentare

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Glayd
Glayd
11. Sept.

Bin auch überrascht wie schnell und gut mich der 1.0er Release wieder reinzieht.

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Glayd
Glayd
11. Sept.
Antwort an

Mit Lederrüstung. Der engen, knappen Lederrüstung.

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