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John's joviales Joystick-Journal

vor 6 Tagen
6 Min. Lesezeit

Drei Wochen später: Demokratie, wahnsinnige Geschwindigkeit und eine unerwartete Rückkehr zum Power Metal


Eigentlich sollte an dieser Stelle ein ganz normales Wochenjournal stehen. Stattdessen sind drei Wochen vergangen. Wochen voller Generalbefehle, Daily Races, Podracer-Nostalgie, Jackie-Chan-Filme, melodischem Power Metal und einer Heimkinoanlage, die ursprünglich nur einen Decoder bekommen sollte und am Ende zum Ausgangspunkt einer kleinen musikalischen Zeitreise wurde.


Zwischen Demokratie und Geschwindigkeit


Eigentlich hatten die letzten Wochen kein großes Highlight. Stattdessen gab es Phasen, in denen mehrere Dinge gleichzeitig richtig gut funktionieren und sich gegenseitig die Zeit streitig machten.

Allen voran natürlich Helldivers 2.



Die letzten Generalbefehle waren interessant, weil sie gezeigt haben, wie unterschiedlich die Community auf die Vorgaben von Arrowhead reagiert. Es waren keine unerfüllbaren Befehle. Im Gegenteil. Die Ziele waren anspruchsvoll, aber erreichbar. Viele Helldiver waren online, viele haben Zeit investiert und trotzdem standen am Ende mehrere gescheiterte Operationen auf dem Papier.

Der Grund war weniger mangelnde Aktivität als mangelnde Disziplin. Wenn der Generalbefehl verlangt, bestimmte Gegnertypen mit bestimmten Waffen oder Strategemen auszuschalten, hilft es nur bedingt, die eigene Komfortzone zu verteidigen.

Genau darin liegt aber auch etwas von dem Rollenspielcharakter, der Helldivers 2 so besonders macht. Die Befehle sollen nicht nur absolviert werden, sondern die Community dazu bringen, anders zu spielen als normalerweise.

Arrowhead unterstützt das inzwischen sogar ziemlich clever. Die benötigte Ausrüstung wird oft als zusätzlicher kostenloser Slot bereitgestellt. Niemand muss sein Lieblingsloadout komplett opfern, um zum Auftrag beizutragen.

Trotzdem zeigte sich einmal mehr: Die größte Bedrohung für die Zukunft der Über-Erde sind weder Terminiden noch Automaten. Es sind Helldiver, die Einsatzanweisungen nur als unverbindliche Empfehlung betrachten.

Für unsere feste Gruppe waren die Vorgaben allerdings ein Gewinn. Wir wurden gezwungen, mit Loadouts zu experimentieren, die wir sonst vermutlich nicht angefasst hätten. Einige davon haben überraschend gut funktioniert und dürften auch nach dem Ende der jeweiligen Generalbefehle ihren Platz in der Rotation behalten.


Assetto Corsa EVO macht plötzlich Spaß


Eine der größeren Überraschungen der letzten Wochen war tatsächlich Assetto Corsa EVO.

Nicht weil sich das Spiel grundlegend verändert hätte. Sondern weil es inzwischen im Online-Multiplayer zuverlässig genug funktioniert, um es einfach zu starten.

Das klingt nach einem niedrigen Anspruch. Nach den ersten Monaten ist das allerdings ein ziemlich großes Kompliment.


Als Kind der 80er löst ein F40(LM) bei mir immer Gefühle aus.
Als Kind der 80er löst ein F40(LM) bei mir immer Gefühle aus.


Mit Update 0.9.1 laufen die Daily Races wesentlich stabiler. Die Zeiten, in denen man mehr gegen Verbindungsprobleme als gegen Konkurrenten gefahren ist, scheinen zumindest vorerst vorbei zu sein. Auch die Performance wirkt deutlich ausgereifter als noch zu Beginn.

Der wohl wichtigste Punkt für mich persönlich war allerdings ein anderer: Ich habe Controller-Einstellungen gefunden, die sich richtig anfühlen.

Dadurch ist Assetto Corsa EVO für mich vom Simulationsprojekt zum Feierabend-Spiel geworden. Einfach starten, ein paar Daily Races fahren und wieder ausmachen. Genauso wie ich früher regelmäßig Gran Turismo 7 gespielt habe.

Noch angenehmer fällt dabei der Umgang auf der Strecke auf. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen. Insgesamt geht es aber erstaunlich respektvoll zu. Nach einigen Jahren in Forza Motorsport und Gran Turismo Online fühlt sich das teilweise fast schon surreal an. Die Anzahl der Menschen, die ihre Bremspunkte auf Basis des vorausfahrenden Autos berechnen, ist erfreulich niedrig. Im Dezember ist es zudem endlich soweit: Der Free Roam mit der nachgebildeten Eifel rund um den Nürburgring zieht ein.


Die Überraschung des Jahres heißt Galactic Racer


Über Star Wars Galactic Racer hatte ich bereits nach den ersten Stunden geschrieben. Seitdem hat das Spiel allerdings nicht nachgelassen.

Ganz im Gegenteil.

Ich hatte gehofft, dass daraus ein guter Arcade-Racer wird. Dass daraus mehrere gemeinsame Multiplayer-Abende mit KingsCrown und vor allem mit Glayd entstehen würden, hatte ich dagegen nicht erwartet.

Das Spiel hat etwas von dieser alten Trackmania-Magie. Dieses ständige "Noch eine Runde". Noch ein Versuch. Noch eine bessere Zeit. Noch ein sauberer Lauf.

Und plötzlich ist es weit nach Mitternacht.

Besonders ein Abend ist komplett eskaliert. Was als kurze Session begann, entwickelte sich zu einem permanenten gegenseitigen Pushen auf den Bestenlisten. Jeder neue Rekord existierte oft nur wenige Minuten, bevor ihn jemand anderes wieder einkassierte.

Genau diese kindliche Freude am Verbessern und Optimieren hatte ich seit Jahren nicht mehr in einem Arcade-Racer. Und bei den kurzen Multiplayertouren werden Glayd und ich regelmäßig zum Albtraum der anderen Racer. Wird mal Zeit, dass wir da mit ner größeren Gruppe auftreten, jetzt wo das Limit auf 6 Spieler für die Gruppe aufgestockt wurde.


Clair Obscur bleibt im Kopf


Eigentlich wollte ich nur meinen Spielstand von der Gamepass Version, die auslief auf Steam umziehen, stattdessen habe ich nach langer Zeit Clair Obscur: Expedition 33 ein zweites Mal abgeschlossen.

Und ja, das Spiel verdient den Hype noch immer.

Was mich, dieses Mal mit mehr Endgameforschungsdrang, besonders beeindruckt hat, war die Kombination aus seinem Kampfsystem und den Möglichkeiten beim Charakteraufbau. Je tiefer man sich mit den Pictos und deren Synergien beschäftigt, desto interessanter werden die Kämpfe.

Noch wichtiger ist aber, dass das Spiel bis zum Ende durchzieht.

Die Geschichte hat mich bereits beim ersten Mal mehrfach überrascht und zum Schluss mit Entscheidungen konfrontiert, auf die ich keine einfache Antwort hatte. Genau solche Momente bleiben hängen. Von solchen Spielen gibt es nicht viele.


Würfelglück und Crossplay-Probleme


Für etwas ruhigere Abende landeten Crownie und ich mehrfach in Demeo x Dungeons & Dragons.

Das digitale Pen-and-Paper funktioniert erstaunlich gut. Da wir nur zu zweit unterwegs waren, übernahm jeder von uns zwei Charaktere. Das sorgt für interessante taktische Entscheidungen und vermittelt tatsächlich ein wenig das Gefühl einer klassischen Tischrunde.

Eine Sache bleibt allerdings verdächtig.

Die Häufigkeit von gewürfelten Einsen.

Rein mathematisch weiß ich natürlich, wie Wahrscheinlichkeiten funktionieren. Rein emotional bin ich dagegen fest davon überzeugt, dass Demeo bei kritischen Fehlschlägen einen ganz eigenen Würfelgott beschäftigt.


Eigentlich wollten wir auch noch in Enshrouded reinschnuppern, das ja seinen 1.0 Release auf PC und PlayStation gefeiert hat, mussten aber enttäuscht feststellen, dass Crossplay nachgeliefert wird.


Jackie Chan, Titanen und ein Dolby-DTS-Rabbithole


Außerhalb von Spielen gab es ebenfalls einiges nachzuholen.

Im Kino stand zunächst Street Fighter auf dem Programm und ehrlich gesagt hatte ich mehr Spaß damit als mit Mortal Kombat 2.

Der Film versteht erstaunlich gut, was Street Fighter eigentlich ist. Die Kämpfe orientieren sich weniger an realistischer Kampfkunst und deutlich stärker an Show-Wrestling und den ikonischen Signature-Moves der Charaktere. Die Over-the-top-Musikvideoästhetik mit vielen netten Songs hat mich gut abgeholt.

Danach bin ich unfreiwillig in ein kleines Jackie-Chan-Loch gefallen.

Wheels on Meals stand schon lange auf meiner Liste und hat mich vor allem wegen der legendären Schlusskampfszene mit Benny "The Jet" Urquidez komplett abgeholt. Manche Actionfilme altern erstaunlich schlecht. Jackie Chan gehört definitiv nicht zu dieser Kategorie.



Dazu kam ein Neustart von Attack on Titan, diesmal bewusst auf dem großen Bildschirm und mit deutlich mehr Aufmerksamkeit als beim ersten Durchlauf vor vielen Jahren.

Außerdem habe ich Pluribus auf Apple TV beendet, das John-Lennon-Biopic Nowhere Boy nachgeholt und generell deutlich mehr Serien und Filme geschaut als üblich.


Außerdem gab es mit Cyberpunk: Edgerunners 2 noch ein weiteres Highlight. Streng genommen handelt es sich nicht wirklich um eine klassische zweite Staffel, sondern eher um eine neue Geschichte im selben Universum. Das nimmt dem Ganzen aber nichts von seiner Wirkung. Im Gegenteil: Die Serie schafft es erneut, den Stil, die Atmosphäre und die Tragik von Night City einzufangen, ohne einfach nur die Geschichte des Vorgängers zu wiederholen.



Nach dem enormen Erfolg von Edgerunners war die Messlatte allerdings etwas zu hoch. Trotzdem liefert das Team erneut eine gelungene Geschichte im Cyberpunk Universum ab und zeigt, warum Cyberpunk außerhalb der Spiele mittlerweile genauso gut funktioniert wie darin.


Wie ein Audiocodec mich zurück in die 2000er geschickt hat


Das vermutlich seltsamste Rabbit Hole begann allerdings mit meiner Heimkinoanlage.

Eigentlich wollte ich nur den Ton meines Gaming-PCs vernünftig über den Receiver ausgeben.

Weil Windows dafür nicht die gewünschten Lösungen direkt mitliefert, landeten schließlich die Dolby-Atmos- und DTS:X-Erweiterungen auf dem Rechner. Nach einigem Herumprobieren stellte sich heraus, dass mir DTS:X insgesamt besser gefällt.



Ich überlege noch, ob ich das in einen eigenen Artikel fassen kann, vielleicht zusammen mit HDR, was einem unter Windows genauso gern in den Allerwertesten beißt.

Was danach passierte, war eigentlich unvermeidlich.

Irgendwann testet man nicht mehr die Technik. Irgendwann testet man Musik. Nach etwas Recherche landeten also diverse Musikclips mit unterschiedlichsten Codes auf der Festplatte und plötzlich rufen die 2000er an und man sitzt nachts auf dem Sofa und hört sich stundenlang Live-Auftritte an. Bei mir führte das direkt zurück zu Rhapsody und generell zu melodischem Power Metal. Ein Genre, das mich sofort in meine Teenagerzeit zurückversetzt hat. Dazu kamen Molotov mit ihren ewigen Klassikern und überraschend viel Sofia Isella auf dem Weg ins Büro und zurück.



Zwischen zwei Welten


Währenddessen begleitet mich weiterhin Haruki Murakami. Noch bin ich nicht ganz am Ende angekommen, aber das nächste Buch liegt bereits bereit. Als Nächstes steht Hotel New Hampshire von John Irving auf dem Programm. Den Film habe ich vor Ewigkeiten mal gesehen, daher sollte das Buch janz frisch rüberkommen.

Es waren keine Wochen der großen Neuerscheinungen oder der spektakulären Gaming-Momente. Stattdessen waren es zwei Wochen voller kleiner Entdeckungen. Ein Rennspiel, das online endlich zuverlässig funktioniert. Ein Arcade-Racer, der alte Gefühle weckt. Ein Rollenspiel, das auch beim zweiten Durchgang bis zum Schluss nachhallt. Alte Musik, die plötzlich wieder aktuell klingt. Und ein Jackie-Chan-Film, den ich viel früher hätte sehen sollen.

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