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Marathon - oder immer mitten in die Fresse rein

17. Apr.
8 Min. Lesezeit

Intro


Überspringt das ruhig wenn ihr direkt was zu Marathon lesen wollt. Dies dient mehr dazu mein Verhältnis zu Bungie zu erklären, und warum ich mir Marathon immer noch antue.

Bungie begleitet mich schon fast mein ganzes Gamerleben. Das erste mal in Kontakt gekommen mit dem Entwickler bin ich mit Myth (das war glaub ich 97 verdammt bin ich ein alter Sack) dann Oni und natürlich Halo damals auf der X-Box. Geniale Grafik, unvergleichlich gutes Gunplay, das war damals State of the Art und unglaublich gut und spaßig.


Wirklich Klick gemacht hat es dann mit Destiny. Ein vollwertiges MMO, das Ego-Shooter mit den typischen Mechaniken, die man aus dem Genre kennt, verbinden soll? Ich habe geschaut wie ein Stockautobus und die Spielbarkeit ernsthaft in Frage gestellt. War aber auch als alter MMO-Addict sofort angefixt.

Und Bungie hat geliefert. Nicht an der Story-Front, die war eher meh (Mein rechtes Augenlid fängt heute noch zu zucken an, wenn ich den Satz "Ich könnte euch eine Geschichte erzählen" höre...), aber was das Gameplay betrifft: Leveln, looten, Instanzen mit Trash und Bosskämpfen,  PvP, Gear, Klassen, alles verpackt in einen Ego-Shooter, der vom Handling, Gunplay und Movement unvergleichlich war. Und dann die Raids...


Hätte mir vorher jemand erklärt, dass es möglich ist vollwertige MMO-Raid-Mechaniken mit einem Ego-Shooter zu verbinden, hätte ich ihn für verrückt erklärt.

Aber Bungie hat geliefert und wie! Auf 6 Spieler ausgelegt, verlangten die Raids einem alles ab. Bosse, bei denen man erstmal herausfinden musste, wie die Mechaniken überhaupt funktionieren, Rätsel und noch so viel mehr. Perfekte Kommunikation und Zusammenspiel war Pflicht, vor allem auf höheren Schwierigkeitsgraden. Raids wie die Gläserne Kammer und das Grabschiff werden immer einen Platz in meinem Herzen haben.

Ich habe in beide Destiny Teile jeweils weit über 300 Stunden versenkt. Der Moment als wir Oryx im Hardmode + Challenge besiegt haben (Stellt euch nen Bullet-Hell-Shooter vor, in dem jeder der 6 Spieler aber nur ein Leben hat und keine Wiederbelebung verfügbar ist - In dem Chaos sollen dann noch gezielt einzelne Gegner in der Masse herausgepickt und ausgeschaltet werden, während jeder einzelne Spieler noch diverse andere Mechaniken, wie Sprungpassagen, korrekt ausführen muss. Und dann packt für die Challenge noch ein, zwei Extra-Mechaniken drauf...für Fehler ist da kein Platz) - pures Gold.

4 Wochen intensives Üben kulminierten in unendlichem Jubel und Party. Alleine für dieses Erlebnis werde ich Bungie mein Leben lang feiern.

Allerdings habe ich PVP in Destiny immer gemieden. Ich war nie der stärkste PVP-Spieler. Natürlich hab ich immer wieder reingespielt, sei es um diverse Dailies zu erledigen (was auch als Normalo ganz gut machbar war) oder um gezielt nach bestimmten Waffen zu grinden. Und auch wenn alles andere erledigt war hat man halt ne Runde gedreht. Aber große Ambition war nie da.

Und aus dem härtesten PVP-Modus, Trials of 9, hab ich mich tunlichst herausgehalten. Das war der Schwitzer-Modus, nur für feste Teams (keine Randoms) und du wurdest darin schneller über den Haufen geballert, als du Nachladen sagen konntest.


Gut, irgendwann hatte ich mit Destiny abgeschlossen. Nicht mehr die Zeit und irgendwann war dann auch einfach die Luft raus. Dann war lange gut mit Bungie, bis......


Marathon


Bungie kündigt einen neuen Shooter an, der auf einer alten IP basiert. Marathon war damals komplett an mir vorbeigegangen. Dann noch einen Extraction-Shooter. Der Artstyle war im ersten Moment auf den Bilden eigenartig. Aber ich war neugierig und wollte das mal in Bewegung sehen.


Dann wurde der Server Slam angekündigt. Gratis ausprobieren? Nichts wie rein da.


Die ganze WTFPS-Redaktion am Start, um das auszuprobieren.

Also gestartet. Ab ins Tutorial. Gunplay und Movement haben bei mir sofort Destiny-Vibes ausgelöst. Sitzt auf dem Punkt und macht verdammt Spaß. Ich sammel irgendwas ein, von dem ich keine Ahnung habe, wofür es eigentlich gut ist (Spoiler - das sollte sich auch später noch länger nicht ändern) und schieße ein paar Roboter über den Haufen, bis ich zu nem Extraction Point (hier Exfil) renne. Aktiviert, rausgebeamt und ....Motten. Sehr viele Motten.

Was ist hier los? Egal. Ich werde direkt von der ersten Fraktion Cyber Acme begrüßt. Die Videosequenz versprüht dezente Cyberpunk-Vibes und der Avatar, der mit mir spricht, erinnert mich sofort an Shodan aus System Shock.

Bis jetzt alles sehr interessant. Ich bin angetan, auch wenn ich gar nix peile. Menüs sind ein großes Häää?

Was die Sachen sollen, die ich eingesammelt habe, versteh ich nicht....ach, egal ab in den ersten richtigen Run. Na dann, die erste Map ausgewählt. Gestartet, mir werden 2 Randoms zugewiesen. Auf der Map gespawnt, ab in Richtung erstes Gebäude weil Loot und ....BAM BAM BAM! Ich liege im Dreck und bin tot. Meine Mitstreiter auch. Das war kurz und heftig.

Erste Lektion: Dieses Spiel ist anscheinend deutlich aggressiver als Arc Raiders. Na egal, noch ne Runde. Und direkt wieder BAM BAM BAM! Und von vorn....wie der Hamster in der Tretmühle. Die Anzahl erfolgreicher Runs hielt sich am Server Slam in Grenzen. Das Game war ein gnadenloses PVP-Schlachtfest mit extrem kurzer Time to Kill. Das Einzige was ich erreichte war ein besseres Verständnis für die Menüs. Ich fühlte mich in den schlimmsten Modus von Destiny zurückversetzt - Trials of 9.


Also erstmal wieder deinstalliert und direkt darüber lustig gemacht, dass Marathon schon tot ist, bevor es überhaupt richtig startet. Große Chancen rechneten wir hier alle dem Spiel nicht aus. Bin auch irgendwie hart davon abgeprallt. Obwohl ich den Stil, das bunte Blockige, irgendwie mochte. Aber ohne Mitspieler? No Way....bin dann doch kein so großer Masochist.

Dann aber  spielte unsere Shooter-Maschine Justus das Game. Und Kollege Gigsen, unsere zweite Maschine, meinte er würde ja auch gerne - aber zu wenig Mitspieler und bei seinen Leuten spielt das keiner....

Also n Deal gemacht. Ich hole mir Marathon und er dafür Toxic Commando (darüber werdet ihr hier bei uns sicher auch noch was lesen). Gesagt, getan, Spiel gekauft und losgelegt....blieb es bei dem harten Abprallen? Hasse ich das Game weiterhin? Darauf müsst ihr noch bis zum Fazit warten. Aber erstmal:


Trials of Nein


Hier mal eine kurze (oder doch längere) Erklärung was Marathon ist:

Als Grundlage haben wir hier einen knallharten Extraction-Shooter. Ihr geht als sogenannter Runner  (eine Hülle, die anscheinend von Motten gesponnen wird und in die ihr euer Bewusstsein übertragt. So ganz hab ich das auch noch nicht verstanden) in die Zonen. Dorthin geschickt werdet ihr von diversen Fraktionen, für die ihr auch Quests erledigen dürft. 

Es gibt diverse Hüllen (sprich Klassen) mit unterschiedlichen Fähigkeiten und Spielstilen. Zum Beispiel eine Heilerklasse ( Triage), die heilende Drohnen verschießt. Den Thief, der mehr der Scout ist und sich blitzschnell neu positionieren kann. Den Destroyer, der mit seinem Schild eher den Tank gibt und weitere. Sprich, in einem Team aufgeteilt und mit der richtigen Abstimmung kann man sich das Leben deutlich leichter machen.


Auf der Map angekommen versucht ihr als Team (wahlweise auch Solo oder auf rotierenden Maps auch als Duo) möglichst guten Loot aus diversen Kisten und Schränken mitzunehmen und wieder zu entkommen. Und zusätzlich am Besten eure Aufträge für die gewählte Fraktion abzuschließen.  Daran hindern wollen euch sowohl die UESC (das sind die Computergegner, in dem Spiel ein Haufen aggressiver Roboter) als auch die anderen Runner (und die sind nochmal deutlich aggressiver als die UESC).

Kurz gesagt, jede Runde ist ein einziges Gemetzel und wer am Ende noch steht, nimmt die Beute mit.


Grafisch ist Marathon gewöhnungsbedürftig, aber ich liebe den Artstyle. Bunt, blockig, mit der Zeit auch deutlich besser lesbar, als man am Anfang dachte. Dezente Cyberpunk- und Anime-Vibes. Gefällt mir unglaublich gut, aber ich kann auch verstehen, wenn man sagt ist nicht meins.

Gunplay und Movement erinnern stark an Destiny und sind sowieso über jeden Zweifel erhaben - das kann Bungie einfach.

Der Sound kracht ordentlich, die Waffen klingen satt und man kann tatsächlich hören, woher Gegner kommen. Und auch recht bald unterscheiden, ob das Roboter oder andere Runner sind.

Der PVP-Anteil ist hier richtig, richtig hoch. Kämpfe gegen andere Spieler werden hier definitiv forciert, auch durch die extrem kurze Time to Kill. Friendly Friendly wird hier trotz übergreifendem Chat nicht funktionieren (fragt nur Glayd, er hats probiert.....)

Jede Runde ist ein taktisches Abwägen, welche Kämpfe man eingeht und welche man sein lässt. Die Kämpfe sind unglaublich intensiv und das Adrenalin ständig am Pumpen. Man bekommt ständig auf die Fresse. Immer und immer wieder. Das kann auch ganz schön frustrierend sein.

Ein entspanntes Feierabend-Game sieht anders aus....Und irgendwie fragte ich mich anfangs auch öfter ...warum tue ich mir das an?

Bis es irgendwann Klick gemacht hat.

Die Menüs, anfangs eher ein Buch mit sieben Siegeln, werden schnell klarer. Man beginnt zu verstehen, welcher Loot sinnvoll ist und welcher nicht.  Was das Loadout bedeutet. Welche der Fraktionen für welchen Spielstil steht. Wie ihr eure Upgrade-Punkte verteilt und gezielt an eurem Build arbeitet.

Durch die verschiedenen Upgrade-Bäume sind hier eine Menge Builds und Min-Maxing möglich. Man kann hier richtig in die Tiefe gehen. Aber da sind andere aus unserem WTFPS-Team die besseren Ansprechpartner dafür. Ich bin da eher grundlagentechnisch unterwegs und trotzdem glücklich.

Und langsam lernt man auch, was auf den Maps wichtig ist. Das man eher leise vorgeht und nicht wie eine Nashornherde durch den Wald trampelt. Das man schleicht und gezielt Spots abfarmt, während man immer auf seine Umgebung und die Geräusche achtet. Sich zurückzieht und auch mal Hinterhalte legt.

Marathon ist ein brutales, unvergebendes Erlebnis. Aber auch deutlich vergebender als andere Extraction-Shooter.

Klingt komisch, ist aber so. Mit jedem Tod macht man dennoch irgendwie Fortschritt. Ein Loadout zu verlieren fühlt sich durch die kurze TTK deutlich vergebender an. Vor allem, da man sich 2 Runden mit Gratisloadout später schon wieder ein ganz brauchbares zusammengestellt hat. Sei es durch gefundenen Loot oder durch Ausrüstung, die man anderen Runnern abgenommen hat. Und so ist schnell dieses - Ach, noch eine Runde - Feeling da. Obwohl man trotzdem immer noch hart auf die Fresse bekommt. Von den Schwitzern, Trials-of-9-Style, ich habs oben schon erklärt.


FAZIT


Nachdem Marathon mich anfangs hart abgestoßen hat, hat es mich dann irgendwann doch gefangen genommen. Ich wollte Marathon so unbedingt mögen, weil Artstyle, Gunplay, Alles spricht mich da an. Aber das Spiel ist brutal unvergebend.

Während Arc Raiders die Spieler mit offenen Armen empfängt und kuschelt, haut dir Marathon erstmal 3 harte Rechte in die Fresse, nur um dann mit 2 fiesen Linken und einer Geraden zum Knockout anzusetzen.

Aber.....wenn ihr das erstmal übersteht, nicht aufgebt und trotzdem stur wie Rocky immer wieder aufsteht, werdet ihr auch langsam Erfolgserlebnisse haben. Beginnen zu verstehen, wie das Spielt tickt. Eure ersten Runner ausschalten. Quests abschließen und merken, wie euer Tresor sich füllt und ihr sogar langsam wisst, was da eigentlich drinnen liegt. Werdet ihr feiern und 2 Runs später still leiden. Und dennoch nicht mehr loslassen können von der wunderschönen, aber gefährlichen Welt.


Ich bin noch am Anfang meines Weges. Hab die letzte Map Cryo noch nicht gesehen (soll Raid ähnliche Kämpfe wie in Destiny enthalten, alleine das fixt mich an). Raufe mir noch regelmäßig die Haare und freue mich wie ein Schneekönig, wenn ich ein 2k Loadout aus nem Run mitnehme. Andere von uns sind schon viel weiter (Justus und Gigsen - unsere Maschinen) aber ich taste mich da langsam heran. Weiß, dass ich nie so gut werde und hab dennoch meinen Spaß, auch wenn ich immer noch viel zu oft auf die Fresse bekomme.

Fraglich, wie lange sich das Spiel hält. Es existiert als Nische, hat seine Spielerbasis (die größte am PC) aber reicht das, um es aufrecht zu erhalten? Ist es genug, dass Sony nicht den Stecker zieht? Der Content ist mit 3 Maps und einer vierten, die rein für Hardcore-Spieler existiert (man könnte auch Endgame sagen) doch recht mager. Und was nach dem ersten Season Wipe passiert...wir werden sehen.

Ich würde Bungie wünschen, dass sie hier noch länger weiter machen und sich die Arbeit, die sie bereits reingesteckt haben, auszahlt.


Aber das steht in den Sternen

und bis dahin

Ich loote euch auf Tau Ceti Runner! (oder wahrscheinlicher ihr mich...)

8/10

 

 

 


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